Steam Hardware Survey: Intels Mini-Comeback

Intel legt in Steams Hardware Survey minimal zu, aber die Zahlen erzählen vor allem eine Preis- und Plattformgeschichte

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Steam Hardware Survey: Intels Mini-Comeback

Intel gewinnt in Steams Hardware Survey erstmals seit Monaten wieder minimal Anteile zurück. Klingt nach Comeback, ist aber eher ein Signal dafür, wie stark Preise und Plattformkosten Kaufentscheidungen treiben.

Ein Prozentpunkt ist noch kein Plot Twist

Die Schlagzeile klingt nach Wendepunkt: Intel habe sich Marktanteile von AMD “zurückgeholt”. In der Steam Hardware Survey für Januar 2026 steht tatsächlich ein kleiner Ausschlag in diese Richtung.

Für Windows-Systeme, die den Löwenanteil der Steam-Nutzer ausmachen, weist die Survey 56,64 Prozent für Intel aus, ein Plus von 0,25 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat. AMD liegt bei 43,34 Prozent, ein Minus von 0,19 Prozentpunkten. Das ist messbar, aber klein.

Und genau deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick: Diese Zahlen sind interessant, weil sie etwas über die Kaufrealität vieler Gaming-PCs erzählen. Sie sind aber kein belastbarer Beweis dafür, dass sich die Kräfteverhältnisse im CPU-Markt drehen.

Was die Steam Hardware Survey kann und was nicht

Steam selbst beschreibt die Hardware Survey als monatliche, optionale und anonyme Erhebung. Das ist wichtig, weil es zwei Effekte erzeugt:

Erstens ist die Stichprobe nicht der gesamte PC-Markt, sondern die Steam-Nutzerschaft. Das sind überdurchschnittlich viele Menschen mit Fokus auf Spiele und entsprechendem Hardware-Profil.

Zweitens ist Teilnahme optional. Das ist nicht automatisch schlecht, aber es bedeutet: Die Survey ist ein Indikator, kein amtliches Register. Man kann Trends vermuten, sollte aber nicht so tun, als wäre jede monatliche Zuckung schon eine Marktbewegung.

Dazu kommt ein praktischer Bias, der oft unterschätzt wird: Steam misst installierte Systeme, nicht verkaufte CPUs. Wer in einem Monat besonders viele Upgrades macht, erscheint überproportional stark. Wer länger aufrüstet oder erst später migriert, taucht zeitversetzt auf.

Kurz: Die Survey ist ein Stimmungsbarometer. Sie ist nicht die Bilanzpressekonferenz des PC-Markts.

Warum Intel gerade jetzt “günstig” wirken kann

Wenn Intel in so einem Barometer leicht zulegt, stellt sich die Frage: Warum ausgerechnet jetzt?

Eine plausible Erklärung ist banaler als jede Comeback-Erzählung: Plattformkosten.

In der DIY-Welt werden CPU-Entscheidungen selten isoliert getroffen. Wer heute baut, kauft nicht nur einen Prozessor, sondern ein Paket aus CPU, Mainboard und RAM. Und genau dort können sich in manchen Phasen die Gewichte verschieben:

  • Wenn DDR5 teuer ist, wirkt jede Plattform, die DDR4 noch sinnvoll unterstützt, plötzlich attraktiv.
  • Wenn Mainboards in einem Segment knapp oder überpreist sind, gewinnt die Alternative, die im Handel in Masse verfügbar ist.
  • Wenn Gebrauchtteile oder Restbestände den Markt fluten, schlagen Sparreize Leistungskurven.

Tom’s Hardware argumentiert in diese Richtung und deutet an, dass eine angespannte Komponentenlage und teure Speicherausstattung “Value-for-money”-Builds begünstigen könnte. Das ist weniger eine Intel-Erfolgsgeschichte als eine Kostenrechnung vieler Käufer.

Und hier schleicht sich der KI-Kontext ins Bild: Wenn Speicherpreise durch Nachfrageverschiebungen und knappe Kapazitäten generell nervös sind, trifft das Gamer indirekt. Nicht, weil sie plötzlich KI-Workloads fahren, sondern weil sie im gleichen Komponenten-Ökosystem einkaufen.

Warum das trotzdem nicht gegen AMD spricht

Ein Mini-Plus für Intel ist kein Mini-Minus für AMDs Produktstärke. Bei Gaming-CPUs war AMD in den letzten Jahren regelmäßig dort stark, wo Enthusiasten hinschauen: bei Effizienz, bei Cache-Optimierungen, bei Plattform-Langlebigkeit.

Nur: Enthusiasten sind nicht die Mehrheit. Steam bildet Millionen reale Systeme ab, inklusive Office-Kisten, älterer Upgrades, Budget-Builds und gebrauchten Teilen. Das ist kein Nachteil der Survey, sondern ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich Marktsegmente ticken.

Das wichtigste Missverständnis entsteht, wenn man aus “Intel steigt um 0,25 Prozentpunkte” macht: “Intel gewinnt den Kampf.” Nein. Man sieht höchstens: In einem Monat haben sich in der Steam-Stichprobe etwas mehr Windows-Systeme auf Intel verschoben als andersherum.

Drei Fragen, die man aus den Zahlen sinnvoll ableiten kann

Wenn man der Zahlenspielerei etwas abgewinnen will, dann eher so:

  1. Wie stark dominiert gerade die Preisfrage gegenüber “Future-proofing”?
  2. Welche Plattformkosten sind für typische Gaming-Builds gerade der Engpass?
  3. Wie stabil bleibt der Effekt über mehrere Monate, statt nur über einen Snapshot?

Erst wenn wir über mehrere Surveys hinweg in die gleiche Richtung laufen, wird aus einem Ausschlag ein Muster. Bis dahin ist es klüger, die Nachricht als Erinnerung zu lesen: Hardware-Käufe sind oft weniger ideologisch, als die Kommentarspalten glauben.

Am Ende ist dieses Mini-Comeback weniger eine Story über Sieger, sondern eine Story darüber, wie schnell der Markt “gut genug und bezahlbar” über “theoretisch optimal” stellt.

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