Bevor Atari im Westen zum Synonym für Videospiele wurde, entstand in der DDR eine eigene Pong-Variante: das Bildschirmspiel 01. Rund 1.000 Geräte sollen 1980 gebaut worden sein. Heute ist es selten, sperrig und überraschend interessant.
Bildschirmspiel 01 – eine DDR-Antwort auf Pong
Das Bildschirmspiel 01 ist ein kurioser Sonderfall in der europäischen Spielehistorie. Es gilt als erste und zugleich einzige Spielkonsole, die in der DDR in Serie erschien.
Entwickelt wurde die klobige, graue Box nach Sammlerangaben im Umfeld des VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder). Produziert wurde sie um 1980, und schon damals offenbar nur in kleiner Stückzahl.
Inhaltlich ist das Konzept schnell erklärt: Es geht um ballbasierte Spiele, die klar aus der Pong-Idee hervorgehen. Zwei Spieler bewegen Schläger und versuchen, den Ball zurückzuspielen. Mehr braucht es nicht, um aus einem Fernseher eine Spielwiese zu machen. Genau diese Reduktion ist der Kern des Geräts.
Design und Bedienung – minimalistisch, aber alltagstauglich gedacht
Wer Fotos vom Bildschirmspiel 01 sieht, versteht sofort, warum es kaum popkulturelle Strahlkraft entwickelt hat. Keine futuristische Form, kein Branding, keine bunte Verpackungswelt. Stattdessen eine robuste Kiste, die eher wie Messgerät als wie Spielzeug wirkt.
Das wirkt heute fast schon konsequent. In einer Zeit, in der Fernsehtechnik und Unterhaltungselektronik nicht selbstverständlich waren, zählt vor allem: Es muss funktionieren, es muss zu vorhandenen Geräten passen, und es soll im Idealfall lange halten. In dieser Logik ist das Bildschirmspiel 01 nicht altmodisch, sondern pragmatisch.
Spielen im Jahr 2026 – was man realistisch erwarten sollte
Wer das Bildschirmspiel 01 heute in Betrieb nimmt, bekommt kein Retro-Erlebnis im modernen Sinn, sondern eher eine Zeitkapsel. Das Spielprinzip ist unmittelbar, aber auch schnell ausgereizt. Der Reiz liegt weniger in Abwechslung als in der direkten Interaktion am gleichen Bildschirm. Das ist gaming in seiner einfachsten Form: ein Gerät, ein Fernseher, zwei Personen.
Wichtig ist dabei die Erwartungshaltung. Das Gerät ist nicht dafür gemacht, stundenlange Sessions zu tragen oder komplexe Spielwelten zu liefern. Es ist ein Produkt aus einer Ära, in der bereits die Möglichkeit, überhaupt spielen zu können, der eigentliche Fortschritt war.
Seltenheit und Markt – warum Preise stark schwanken
Ein Teil der Faszination kommt heute aus der Knappheit. Vom Bildschirmspiel 01 existieren nur wenige erhaltene Geräte, und noch weniger tauchen tatsächlich im Handel auf. Entsprechend spielt der Zustand eine große Rolle: Gehäuse, Anschlüsse, Zubehör, Funktionsfähigkeit und ein nachvollziehbarer Ursprung beeinflussen den Wert erheblich.
In Sammlerkreisen werden als grobe Orientierung Preise bis etwa 400 Euro genannt, je nach Angebot und Nachfrage. Das ist keine feste Größe, sondern ein Momentbild. Bei so seltenen Stücken kann schon ein einzelnes Angebot die Wahrnehmung verschieben.

Technik
Das Bildschirmspiel 01 basiert technisch auf dem hochintegrierten Schaltkreis AY-3-8500 von General Instrument, der auch als Ball & Paddle bekannt ist. In diesem Chip steckt praktisch die komplette Konsole: Er liest die Controller aus, setzt die Spielmechanik um und erzeugt sowohl Bild als auch Ton. Anders als zeitgenössische westliche Systeme mit Mikroprozessoren ist der AY-3-8500 nicht programmierbar und besitzt keinen veränderbaren Bildspeicher.
Spielablauf und Grafik sind intern fest vorgegeben, Konsolen dieser Bauart gelten daher als fest verdrahtet beziehungsweise spezialisiert. Spielvarianten und Schwierigkeitsgrade werden über externe Schalter und Bauteile eingestellt, die Spielwahl schaltet im Chip die passenden Funktionsblöcke aktiv und deaktiviert den Rest. Das Videosignal wird für analoge Röhrenfernseher erzeugt und extern zu einem schwarzweißen BAS-Signal zusammengeführt, das anschließend per Hochfrequenzmodulator über ein Antennenkabel in die Antennenbuchse des Fernsehers eingespeist wird. Den Ton gibt ein in der Konsole verbauter Lautsprecher aus.
Spiele
Auch bei den Spielen bleibt das Bildschirmspiel 01 konsequent simpel: Es bietet fünf Pong-Varianten, also Varianten eines Prinzips, das Atari 1972 als Arcade-Automat populär machte. Zwei Personen steuern jeweils einen senkrechten Balken als Schläger und versuchen, einen quadratischen Ball so zurückzuspielen, dass er die Gegenseite verfehlt. Grafik und Regeln sind stark abstrahiert, Schwarzweiß, ohne Details, mit grob blockigen Ziffern für den Spielstand, eine Partie endet bei 15 Punkten. Je nach Modus verändert sich vor allem das Spielfeld: Tennis ergänzt Linien und eine optische Netztrennung, Fußball führt zwei Tore und je Seite einen Stürmer sowie Torwart ein, Squash nutzt eine feste Wand als Rückprallfläche, und Pelota ist die Solo-Variante davon.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bildschirmspiel_01
Fazit
Das Bildschirmspiel 01 ist keine Konsole, die man wegen ihrer Spielebibliothek sucht. Man sucht sie, weil sie existiert. Als rare DDR-Antwort auf Pong zeigt sie, wie früh das Medium Videospiel auch jenseits der großen westlichen Marken mitgedacht wurde. Und sie erinnert daran, dass Technikgeschichte oft weniger von Innovation allein erzählt wird, sondern davon, welche Geschichten wir lange genug wiederholen, bis sie als die einzigen gelten.