Das EU-Indien-Abkommen kann Zölle und Reibung im Handel senken. Welche börsennotierten Unternehmen davon profitieren könnten, zeigt eine sektorbasierte Watchlist mit Risiken.
PS: Ganz unten findet ihr die gesamte Watchlist.
EU Indien Deal – was an der Börse zählt
Freihandelsabkommen sind selten ein einzelner Kurstreiber. Sie wirken eher wie ein langfristiger Rückenwind, weil sie Kosten senken, Planbarkeit erhöhen und Markteintritte erleichtern. Beim EU-Indien-Abkommen sind aus EU-Sicht vor allem zwei Mechaniken relevant: niedrigere Zölle auf ausgewählte Produktgruppen und weniger regulatorische Friktion über Standards, Zulassungen und Verfahren.
Für eine Börsenperspektive lohnt sich deshalb eine einfache Frage: Wo sind die Margen besonders zoll- und regelwerksensitiv, und welche Unternehmen haben gleichzeitig ausreichend Skalierung, um den Aufwand für Marktaufbau und Compliance zu tragen?
Wichtig: Das ist keine Anlageberatung. Eine Watchlist ist nur so gut wie die Annahmen dahinter. Besonders entscheidend sind die finalen Anhänge, also die konkreten Tariflisten, Übergangsfristen und Detailregeln je Produktgruppe.
Ein kurzer Kompass: So ordne ich “Profiteure” ein
Ein Unternehmen kann aus drei Gründen profitieren, ohne dass der Effekt sofort in Quartalszahlen sichtbar wird.
- Es exportiert aus der EU nach Indien und kann durch Zollsenkungen preislich oder in der Marge gewinnen.
- Es betreibt bereits Produktion in Indien, profitiert aber indirekt über einfachere Zulassungen, bessere Planbarkeit oder günstigere Vorprodukte.
- Es ist Teil der Lieferkette, etwa als Zulieferer, Logistiker oder Anbieter von Industrieausrüstung, die bei mehr Handel und mehr Investitionen in Kapazitäten typischerweise mitwächst.
Automotive – Gewinner nur, wenn das Produkt und das Segment passen
Autos sind der prominenteste Teil der öffentlichen Debatte, weil Indien historisch sehr hohe Importzölle auf vollständig importierte Fahrzeuge hatte. Wenn diese Hürden sinken, profitieren theoretisch Hersteller, die in den passenden Preissegmenten attraktive Modelle haben und den Vertrieb skaliert bekommen.
Realistisch ist das kein Selbstläufer. Der indische Markt ist extrem preissensitiv, lokal dominieren andere Plattformen, und wer bereits lokal montiert, spürt sinkende Importzölle weniger stark.
Mögliche Profiteure bei EU-Herstellern:
- Volkswagen (VOW3)
- BMW (BMW)
- Mercedes-Benz Group (MBG)
- Renault (RNO)
Zulieferer mit indirektem Hebel, wenn Absatz und lokale Produktion steigen:
- Continental (CON)
- Forvia (FRVIA)
- Valeo (FR)
Warnhinweis: Der Effekt kann sich verzögern. Phase-ins, Quoten und nationale Zusatzabgaben können die Preisdurchleitung bremsen. Außerdem bleibt Währungsrisiko ein Thema, weil die Preisposition oft am Ende in Rupien entscheidet. Wie bei den meisten Investments empfehle ich, nur zu investieren, wenn man 3 bis 5 Jahre investiert bleiben möchte.
Maschinenbau und Industrieausrüstung – der stille Profiteur
Wenn Handel wächst, wachsen oft auch Investitionen in Fabriken, Logistik und Energieinfrastruktur. Das spielt europäischen Maschinenbauern in die Karten. Zusätzlich profitieren sie, wenn Normen, Konformitätsbewertungen und Verfahren planbarer werden.
Mögliche Profiteure:
- Siemens (SIE)
- ABB (ABBN)
- Atlas Copco (ATCO-A)
- Sandvik (SAND)
- Kone (KNEBV)
Warum diese Gruppe interessant ist: Sie verdient nicht nur am Export einzelner Maschinen, sondern am Ausbau ganzer Wertschöpfung, von Automatisierung über Energieverteilung bis Wartung. In der Praxis ist das oft stabiler als der reine Konsumgütereffekt.
Chemie – profitieren kann, wer differenziert und regulierungsfest ist
Chemie ist ein EU-Stärkesektor, aber auch einer mit komplexer Regulierung und oft hohen Anforderungen an Transport, Zertifizierungen und lokale Kundenbeziehungen. Wenn Zölle sinken und Verfahren klarer werden, profitieren vor allem Anbieter, die Spezialchemie, Materialien oder verlässliche industrielle Lieferketten liefern.
Mögliche Profiteure:
- BASF (BAS)
- Bayer (BAYN)
- Covestro (1COV)
- Evonik (EVK)
- Solvay (SOLB)
- Akzo Nobel (AKZA)
Warnhinweis: Chemie ist zyklisch. Ein Abkommen hilft, aber es hebt nicht automatisch eine globale Nachfrageschwäche auf. Außerdem bleibt ESG-Druck relevant, auch weil Europa parallel Instrumente wie den CO2-Grenzausgleich nicht aufweicht.
Pharma – Marktzugang ist wichtig, aber die Details entscheiden
Pharma klingt wie ein klarer Profiteur, weil die EU hier starke Exportinteressen hat und Indien ein riesiger Markt ist. In der Praxis hängen Effekte an drei Dingen: Zulassungsprozesse, Erstattungslogik und IP- sowie Trade-Secret-Regeln. Tarife sind nur ein Teil des Bildes.
Mögliche Profiteure:
- Sanofi (SAN)
- Novartis (NOVN)
- Roche (ROG)
- Bayer (BAYN)
Warnhinweis: Wer nur auf “Zoll runter, Kurs rauf” setzt, wird oft enttäuscht. In Healthcare wirken regulatorische und kommerzielle Prozesse langsamer, und lokale Wettbewerber sind stark.
Medizintechnik – weniger Reibung kann mehr wert sein als ein Prozent Zoll
Medizintechnik profitiert häufig über Standardisierung, Konformitätsbewertungen und schnellere Verfahren. Der Hebel ist im Alltag spürbar, wenn Kliniken oder Importeure weniger Zeit in Dokumentation verlieren und Lieferketten stabiler laufen.
Mögliche Profiteure:
- Siemens Healthineers (SHL)
- Philips (PHIA)
- Sartorius (SRT3)
- Carl Zeiss Meditec (AFX)
Warnhinweis: Auch hier gilt: Der Effekt ist selten kurzfristig. Entscheidend ist, wie sich Zulassungen, Prüfanforderungen und lokale Ausschreibungen entwickeln.
Aerospace und Avionik – profitieren über Flottenwachstum und Lieferketten
Indien wächst im Luftverkehr seit Jahren dynamisch. Wenn Handel und Industriezusammenarbeit erleichtert werden, können europäische Anbieter in Lieferketten, Wartung und Avionik profitieren. Das ist weniger der große Schlagzeilenhebel, aber oft ein zuverlässiger Trend.
Mögliche Profiteure:
- Airbus (AIR)
- Safran (SAF)
- Thales (HO)
- MTU Aero Engines (MTX)
Warnhinweis: Großaufträge sind politisch und zyklisch. Außerdem ist die Frage, wie viel Wertschöpfung lokal entstehen muss, um Aufträge zu gewinnen.
Agri-Food und Getränke – sichtbar für Konsumenten, aber mit regionalen Hürden
Bei Lebensmitteln und Getränken ist der Effekt verständlich: Sinkende Importzölle können Produkte günstiger oder überhaupt erst massentauglich machen. Gleichzeitig ist Indien ein Flickenteppich aus lokalen Regeln, Vertriebssystemen und Abgaben auf Bundesstaatenebene, gerade bei Alkohol.
Mögliche Profiteure bei Spirits, Wein und Bier:
- Pernod Ricard (RI)
- Rémy Cointreau (RCO)
- LVMH (MC)
- Heineken (HEIA)
- AB InBev (ABI)
Warnhinweis: Bei Alkohol sind neben Zöllen vor allem staatliche Abgaben, Lizenzen und Vertriebspolitik entscheidend. Wer nur auf Zollsenkung schaut, unterschätzt die Komplexität.
Persönlich Meinung: Von all diesen Sektoren wäre der Alkoholbereich derjenige, von dem ich am meisten Abstand halten würde. Besonders, weil einige Bundesstaaten (teils seit Jahrzehnten) eine Prohibitionspolitik verfolgen.
Meine zwei indischen Freunde, mit denen ich gesprochen habe, beschreiben das Thema gesellschaftlich als gleichzeitig normal, stigmatisiert und politisiert. Das ist zwar keine harte Evidenz, aber für mich dennoch ein schwaches Signal.
Logistik und Container – profitieren, wenn Handelsvolumen tatsächlich steigt
Mehr Handel bedeutet oft mehr Volumen. Der Hebel ist indirekt, aber für globale Carrier und Logistiker messbar, wenn sich Routen und Auslastung verbessern.
Mögliche Profiteure:
- A.P. Møller–Mærsk (MAERSK-B)
- Hapag-Lloyd (HLAG)
- DSV (DSV)
- Kühne+Nagel (KNIN)
Warnhinweis: Shipping ist extrem zyklisch. Ein Abkommen hilft strukturell, aber Spotraten und Überkapazitäten können Effekte kurzfristig überdecken.
Finanzdienstleistungen – der Markt öffnet sich, aber Regulierung bleibt König
Wenn ein Abkommen privilegierten Zugang im Dienstleistungsbereich schafft, können Banken und Versicherer profitieren. In der Praxis hängt viel an lokalen Lizenzen, Kapitalanforderungen und Produktfreigaben. Ein Abkommen ist hier eher ein Rahmen, der Verhandlungen und Expansion erleichtert.
Mögliche Profiteure:
- Allianz (ALV)
- AXA (CS)
- BNP Paribas (BNP)
- ING (INGA)
- Santander (SAN)
Warnhinweis: Der Effekt ist langfristig und stark regulierungsgetrieben. Dazu kommt: Viele Konzerne haben Indien-Exposure bereits eingepreist, ohne dass man es im Kurs isolieren kann.
Der harte Realitätscheck: CBAM und die Frage nach Stahl, Zement und CO2
Parallel zum Deal hält die EU an ihrem CO2-Grenzausgleich fest. Für emissionsintensive Grundstoffe bleibt das ein eigener Kostentreiber und eine politische Reibungsfläche, unabhängig davon, wie offen der Handel sonst wird.
Das ist nicht automatisch negativ für EU-Aktien. Es ist eher ein Signal, dass Klimapolitik und Handel nicht getrennt laufen. Wer in Sektoren wie Stahl oder Zement investiert, muss deshalb beide Ebenen gleichzeitig denken.
Eine praktische Watchlist, die sich leicht pflegen lässt
Wenn du den Deal über Monate beobachten willst, reichen wenige Indikatoren:
- Welche Produktgruppen bekommen in den Anhängen die schnellsten Zollsenkungen?
- Nennen Unternehmen Indien in Earnings Calls häufiger, mit konkreten Volumen- oder Margenzielen?
- Gibt es neue Werke, neue Zulassungen oder neue Distributionspartnerschaften?
- Wie entwickeln sich Rupie, Logistikkosten und lokale Steuern?
Am Ende profitieren nicht “EU-Aktien” pauschal, sondern Unternehmen, die den Markt operativ bedienen können. Ein Abkommen reduziert Hürden, aber es ersetzt keine Produktstrategie.
Wer mir fehlt
Ganz klar fehlt mir hier etwas aus dem IT-Sektor, insbesondere Software. Und ich hoffe stark, auch wenn das hier nicht ganz zum Thema passt –, dass auch Startups profitieren.
Fazit und Disclaimer
So ist das eben mit Aktien und Vorhersagen: Es gibt keine Garantie. Eines ist jedoch sicher: Nicht alle der aufgeführten Aktien werden steigen. Einige werden an Wert verlieren. Die moderne Ökonomie ist von vielen Faktoren geprägt, das sieht man auch an aktuellen politischen Einflüssen wie etwa durch Trump. Niemand kann den Markt zuverlässig vorhersagen. Wie bereits am Anfang des Artikels erwähnt: Das hier ist keine Anlageberatung.
Nichtsdestotrotz werde ich eine Watchlist der Aktien erstellen, und wir werden diese jedes Jahr vergleichen, solange dieser Deal aufrecht bleibt.
Watchlist mit Werten 28.01.2026 16:00
| name | kurswert | Währung |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN GROUP Common Stock | 102.95 | Euro (€) |
| Bayerische Motoren Werke AG | 86.96 | Euro (€) |
| Mercedes-Benz Group AG | 57.41 | Euro (€) |
| Renault SA | 31.78 | Euro (€) |
| Continental AG | 67.18 | Euro (€) |
| Forvia SE | 14.33 | Euro (€) |
| Valeo SE | 12.38 | Euro (€) |
| Siemens AG | 250.85 | Euro (€) |
| ABB Ltd | 66.70 | Euro (€) |
| Atlas Copco AB Class A | 183.20 | kr |
| Sandvik AB | 345.20 | kr |
| Kone Oyj | 60.70 | Euro (€) |
| BASF SE | 46.11 | Euro (€) |
| Bayer AG | 45.50 | Euro (€) |
| Covestro AG | 60.64 | Euro (€) |
| Evonik Industries AG | 12.99 | Euro (€) |
| Solvay SA | 25.32 | Euro (€) |
| Akzo Nobel NV | 58.20 | Euro (€) |
| Sanofi SA | 77.57 | Euro (€) |
| Novartis AG | 114.06 | CHF |
| Roche Holding AG Genussscheine | 336.90 | CHF |
| Bayer AG | 45.49 | Euro (€) |
| Siemens Healthineers AG | 42.58 | Euro (€) |
| Koninklijke Philips NV | 24.40 | Euro (€) |
| Sartorius Stedim Biotech SA | 198.15 | Euro (€) |
| Carl Zeiss Meditec AG | 28.60 | Euro (€) |
| Airbus SE | 192.98 | Euro (€) |
| Safran SA | 301.20 | Euro (€) |
| Thales SA | 258.10 | Euro (€) |
| MTU Aero Engines AG | 366.80 | Euro (€) |
| Pernod Ricard SA | 74.00 | Euro (€) |
| Remy Cointreau SA | 38.84 | Euro (€) |
| LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton SE | 548.10 | Euro (€) |
| Heineken NV | 67.34 | Euro (€) |
| Anheuser-Busch Inbev SA | 58.00 | Euro (€) |
| AP Moeller - Maersk A/S Class B | 15,395.00 | kr |
| Hapag-Lloyd AG | 120.00 | Euro (€) |
| DSV | 232.00 | Euro (€) |
| Kuehne und Nagel International AG | 177.60 | CHF |
| Allianz SE | 367.20 | Euro (€) |
| Axa SA | 38.01 | Euro (€) |
| BNP Paribas SA | 90.53 | Euro (€) |
| ING Groep NV | 24.94 | Euro (€) |
| Banco Santander SA | 10.64 | Euro (€) |
TL;DR nur die Liste bitte
- Volkswagen (VOW3)
- BMW (BMW)
- Mercedes-Benz Group (MBG)
- Renault (RNO)
- Continental (CON)
- Forvia (FRVIA)
- Valeo (FR)
- Siemens (SIE)
- ABB (ABBN)
- Atlas Copco (ATCO-A)
- Sandvik (SAND)
- Kone (KNEBV)
- BASF (BAS)
- Bayer (BAYN)
- Covestro (1COV)
- Evonik (EVK)
- Solvay (SOLB)
- Akzo Nobel (AKZA)
- Sanofi (SAN)
- Novartis (NOVN)
- Roche (ROG)
- Bayer (BAYN)
- Siemens Healthineers (SHL)
- Philips (PHIA)
- Sartorius (SRT3)
- Carl Zeiss Meditec (AFX)
- Airbus (AIR)
- Safran (SAF)
- Thales (HO)
- MTU Aero Engines (MTX)
- Pernod Ricard (RI)
- Rémy Cointreau (RCO)
- LVMH (MC)
- Heineken (HEIA)
- AB InBev (ABI)
- A.P. Møller–Mærsk (MAERSK-B)
- Hapag-Lloyd (HLAG)
- DSV (DSV)
- Kühne+Nagel (KNIN)
- Allianz (ALV)
- AXA (CS)
- BNP Paribas (BNP)
- ING (INGA)
- Santander (SAN)