200 Milliarden Dollar für neue RAM-Fabriken klingen nach Entspannung. In der Praxis dauert es Jahre, bis mehr DRAM und HBM wirklich im Handel ankommen.
Speicherkrise – was Micron da eigentlich ankündigt
Micron will insgesamt 200 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Speicherproduktion stecken. Das klingt nach einem Befreiungsschlag, ist aber vor allem ein Signal: Der Engpass ist nicht nur ein kurzer Preisausreißer, sondern ein strukturelles Problem aus Nachfrage, Kapazität und Zeit.
Der entscheidende Punkt ist die Zeitschiene. Speicherfabriken entstehen nicht im Takt von Quartalszahlen. Selbst wenn Geld und Fläche da sind, kommen Genehmigungen, Bau, Maschinen, Qualifizierung, Ausbeute und schließlich der Hochlauf. Erst ganz am Ende wird aus “Capex” tatsächlich “Ware”.
Micron sagt zugleich, dass man bei Großkunden derzeit nur rund zwei Drittel der Nachfrage bedienen kann. Diese Knappheit ist ein direkter Preistreiber: Wer nicht liefern kann, priorisiert. Und wer priorisiert, verhandelt anders.
DRAM und HBM – warum KI den Markt verschiebt
Für Consumer klingt RAM oft nach einem austauschbaren Standardbauteil. In der Lieferkette ist das längst nicht mehr so simpel. Neben klassischem DRAM drückt vor allem HBM in den Markt.
HBM sitzt als gestapelter Speicher direkt neben oder auf KI-Beschleunigern. Er ist teuer, komplex in der Fertigung und extrem gefragt, weil Training und Inferenz massiv speicherhungrig sind. Wenn ein Hersteller Reinraumkapazität und Packaging-Know-how in Richtung HBM schiebt, fehlt diese Kapazität woanders.
Das erklärt auch, warum sich die Lage für Endkunden “komisch” anfühlt: Du liest von gigantischen Investitionen, während du im Shop trotzdem Mondpreise siehst. Der Markt optimiert gerade auf Rechenzentren, nicht auf den Basteltisch.
Idaho und New York – viel Geld, aber nicht alles sofort
Ein großer Teil der Pläne konzentriert sich auf die USA. In Idaho soll der Standort ausgebaut werden, inklusive zwei neuer Fabriken. Eine davon soll Mitte 2027 fertig werden. Dort geht es explizit um DRAM und HBM.
Parallel plant Micron in New York eine weitere große Anlage und investiert dort über einen langen Zeitraum, mindestens zwei Jahrzehnte. Das ist typisch für diese Branche: Es sind Projekte, die politisch und wirtschaftlich als Generationeninvestitionen verkauft werden, operativ aber in Etappen passieren.
Für die Preisfrage heißt das: Selbst die “frühen” Effekte liegen eher in Monaten und Quartalen als in Wochen. Und die wirklich große Kapazität kommt, wenn alles gut läuft, erst deutlich später.
Quelle: wsj.com