Nach all den technischen Posts muss ich wieder einmal über eines meiner Lieblingsthemen schreiben: Venture Capital. Und es kommt noch besser: europäisches VC.
moderates Wachstum nach mehreren Jahren Rückgang
Nach mehreren Jahren rückläufiger Venture-Capital-Aktivität in Europa zeichnet sich für 2025 eine leichte Erholung ab. Laut PitchBook-Daten wird das gesamte VC-Investmentvolumen in Europa auf rund €66 Milliarden prognostiziert, was einem Anstieg von etwa 6,5% gegenüber 2024 entspricht und erstmals seit längerem wieder ein Gesamtwachstum signalisiert.
Trotz dieses Gesamtanstiegs bleibt die Entwicklung kein einheitlicher Aufschwung: Die Zahl der Finanzierungsrunden ist weiterhin rückläufig, und die größeren Finanzierungsrunden (Late-Stage/Scale-Ups) machen einen immer größeren Anteil am Gesamtvolumen aus.
Wo das Geld fließt – regionale Gewinner und Verlierer
Ein Blick auf die regionalen Muster zeigt, wie unterschiedlich sich die Märkte in Europa entwickeln:
- Großbritannien & Irland bleiben weiterhin die größten Empfänger von VC-Kapital, mit einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr.
- Irland verzeichnet einen deutlichen Zuwachs an Investitionen, der deutlich über dem Durchschnitt liegt.
Diese Verteilung unterstreicht, dass trotz eines gesamtwirtschaftlichen Aufwärtstrends wettbewerbsfähige Zentren weiterhin eine zentrale Rolle spielen, während andere Regionen noch nicht im gleichen Maße profitieren.
Sektorale Schwerpunkte – Software und KI dominieren
Innerhalb Europas entfällt ein großer Teil des VC-Kapitals auf technologieorientierte Sektoren, insbesondere:
- Software-Startups bleiben ein zentraler Magnet für Kapitalzuflüsse.
- Künstliche Intelligenz und damit verbundene Technologienziehen einen disproportioniert hohen Anteil der Investitionen an.
Dies entspricht globalen Entwicklungen: KI und datengetriebene Softwarelösungen gehören zu den dynamischsten Segmenten im Venture-Bereich 2025.
Strukturprobleme im VC-Ökosystem
Trotz der positiven Gesamtentwicklung bleiben strukturelle Herausforderungen sichtbar:
- Die Anzahl der Finanzierungsrunden ist weiter rückläufig, auch wenn das Gesamtvolumen steigt.
- Frühphasen-Finanzierung (Seed/Early-Stage) bleibt relativ schwach, im Vergleich zu späten Finanzierungsphasen wachsen nur wenige neue Fonds.
- In einigen Datenquellen zeigen sich sogar teils deutliche Rückgänge bei der Anzahl aktiver Fonds und der Fundraising-Aktivität selbst.
Diese Muster deuten darauf hin, dass die Erholung im europäischen Venture-Capital-Markt zwar begonnen hat, sie aber noch fragil ist und nicht alle Regionen oder Segmente gleichermaßen profitierten.
Branchenvergleich: Europa vs. USA
Blicken wir über den Teich auf den US-Markt, sehen wir die Goldgräberstimmung, die in den USA ausgebrochen ist. In Europa lässt sie noch auf sich warten. Das muss nicht automatisch ein negatives Urteil über Europa bedeutenm falls eine KI-Blase entsteht und platzt.
Europa könnte sogar gestärkt daraus hervorgehen: Dank Basel III und weiterer Mechanismen könnten hierzulande die Einbußen geringer ausfallen als in Amerika.
Dennoch sollten die Investitionen höher sein. Wichtig ist, dass PE und VC so wenig wie möglich Kredite aufnehmen, denn niemand hat noch Lust auf weitere Rettungspakete für Banken.
Fazit
2025 ist für europäisches Venture Capital kein „Boom-Jahr“, sondern ein Jahr der differenzierten Erholung:
- Das Gesamtvolumen steigt wieder, nach Jahren des Rückgangs.
- Regionale und sektorale Unterschiede sind jedoch groß.
- Software und KI prägen die Kapitalverteilung deutlicher als andere Segmente.
- Frühphasen-Investitionen und Fundraising-aktivität bleiben Herausforderungen.
Diese Entwicklung spricht für eine stabile, aber noch nicht vollständig robuste VC-Landschaft, die sich weiter in Richtung größere Deals und technologiezentrierte Segmente entwickelt.