Digital Nomads: Hype oder Reife?

Zwischen Boom und Bürozwang: Warum 18 Mio. US-Beschäftigte weiterhin mobil arbeiten, obwohl die Begeisterung für das Nomadenleben spürbar nachlässt.

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Digital Nomads: Hype oder Reife?

Schätzungen zufolge leben 2025 weltweit zwischen 40 und 80 Millionen Menschen als digitale Nomaden, fast 44 Prozent davon stammen aus den USA. Doch nach Jahren des Booms flacht der Trend ab: Die Zahl der US-Amerikaner, die diesen Lifestyle ausprobieren wollen, sank von 72 Millionen (2022) auf 66 Millionen (2024/25).

Gleichzeitig ist digitales Nomadentum im Mainstream angekommen – 18,1 Millionen US-Beschäftigte (rund 11 Prozent) bezeichnen sich als Nomaden. Dennoch ist der Trend nicht vorbei, im Gegenteil: Nomaden verdienen im Schnitt 124.000 US-Dollar im Jahr, arbeiten oft im Homeoffice statt am Strand und 79 Prozent sind mit ihrem Einkommen sehr zufrieden. Aus dem einstigen Hype ist ein gereiftes Arbeitsmodell geworden.

Trend erreicht Plateau

Nach den “pandemiegetriebenen” Sprüngen der vergangenen Jahre (2020: +49 Prozent) hat sich das Wachstum digitaler Nomaden deutlich verlangsamt. 2024 legte die Zahl der amerikanischen Nomaden nur noch um 4,7 Prozent zu, ein „neues Normal“ auf dem Weg in den Mainstream. Ein Grund für die Abkühlung: Immer mehr Unternehmen drängen zurück ins Büro, was dem Nomadenleben Grenzen setzt.

Weltweit schwanken die Schätzungen je nach Quelle zwischen 40 und 80 Millionen Nomaden, da ihre mobile Lebensform mangels Registrierungspflichten schwer zu erfassen ist. Trotzdem liegen die USA klar vorne: Dort bezeichnen sich 18,1 Millionen Berufstätige etwa elf Prozent aller Arbeitskräfte als Nomaden. Diese Entwicklung lenkt den Blick auf die dortigen Trends.

Profil: jung, technikaffin, gut ausgebildet

Digitales Nomadentum wird vor allem von einer jungen, gut ausgebildeten Klientel getragen. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 36 Jahren. Männer dominieren mit rund 78 Prozent. Viele Nomaden sind zwischen Mitte 20 und Mitte 40, doch jeder Siebte in den USA ist bereits älter als 55 Jahre. Über 90 Prozent besitzen mindestens einen Hochschulabschluss. Die meisten arbeiten in hochqualifizierten Berufen, typischerweise als Softwareentwickler. Sie gelten zudem als technikaffin: 79 Prozent stufen sich selbst als Early Adopters ein. Diese Faktoren erklären die hohen Durchschnittseinkommen und die verbreitete Zufriedenheit. Doch trotz aller Freiheit verläuft der Alltag vieler Nomaden häufig recht bürgerlich – was den Mythos vom dauerreisenden Aussteiger relativiert.

Viele Nomaden sind angestellt

Der Klischee-Nomade mit Laptop unter Palmen ist eher die Ausnahme. Tatsächlich arbeiten 59 Prozent der Nomaden vom Schreibtisch aus. Manche wechseln zwar regelmäßig den Aufenthaltsort, doch viele ziehen nicht um die halbe Welt oder bleiben längere Zeit in der gleichen Stadt. Über die Hälfte ist zudem klassisch angestellt. Einige betreiben das Nomadenleben daher nur eingeschränkt: Sie bleiben in Reichweite ihrer Firma, um für Bürotage verfügbar zu sein. Auch die Arbeitszeit liegt meist im überschaubaren Rahmen: 70 Prozent der Nomaden arbeiten höchstens 40 Stunden pro Woche.

Unter dem Strich unterscheidet sich ihr Alltag oft kaum von dem anderer Remote-Arbeiter. Trotzdem bieten sich finanzielle und persönliche Vorteile, die den Lebensstil für viele attraktiv machen allen voran ein gutes Einkommen und mehr Freiheit.

Finanziell attraktiv und erfüllend

Durchschnittlich verdienen digitale Nomaden rund 124.000 US-Dollar pro Jahr und liegen damit weit über dem üblichen Gehaltsniveau. Über ein Drittel erzielt sogar ein sechsstelliges Jahreseinkommen, während nur eine kleine Minderheit weniger als 25.000 Dollar verdient.

Diese finanzielle Attraktivität spiegelt sich in der Zufriedenheit wider: 79 Prozent der Nomaden sind mit ihrem Verdienst sehr zufrieden. Damit liegen ihre Zufriedenheitswerte deutlich über denen traditioneller Beschäftigter. Viele schätzen zudem die gewonnene Flexibilität und die Möglichkeit, ohne festen Standort arbeiten zu können. Mit diesem Lebensstandard widerlegt die Community das Klischee vom klammen Rucksacktouristen.

Die Kehrseiten der Nomadenfreiheit

Allerdings gibt es auch Schattenseiten dieses Lebensstils. Fiskalische Fragen bleiben oft unbehandelt: Viele digitale Nomaden bewegen sich in steuerlichen Grauzonen https://www.skuad.io/blog/an-employers-guide-on-how-to-tax-your-digital-nomads zwischen Wohnsitz- und Quellenstaat, kämpfen mit Doppelbesteuerung und doppelten Sozialabgaben oder nutzen spezielle Steuervorteile wie die US-amerikanische Foreign Earned Income Exclusion (FEIE) und bilaterale Sozialversicherungsabkommen zur Vermeidung doppelter Beiträge.

Zudem bleibt die ökologische Dimension häufig außen vor: Regelmäßige Langstreckenflüge, hoher Ressourcenverbrauch und intensiver digitaler Stromverbrauch sorgen für eine überdurchschnittliche CO₂-Bilanz, die mittlerweile auch in der Gesellschaft kritisch beleuchtet wird. Darüber hinaus wird das Thema mentale Gesundheit nur implizit angesprochen: Studien berichten von zunehmender Einsamkeit und dem Mangel an sozialen Netzwerken viele Nomaden betrachten ihren Lebensstil nur als vorübergehende Phase und es gibt eine wachsende Zahl von „Returnees“, die nach Jahren unterwegs wieder mehr Stabilität suchen. Trend wird erwachsen

Dass digitales Nomadentum mehr als nur ein vorübergehender Hype ist, zeigen auch die institutionellen Reaktionen. Weltweit buhlen inzwischen rund 46 Staaten mit speziellen Digitalnomaden-Visa um die mobile Elite. Einzelne Regionen locken Remote-Arbeiter sogar mit finanziellen Anreizen an: So zahlt etwa das spanische Ambroz-Tal rund 15.000 Euro Prämie an Angestellte, die für mindestens zwei Jahre dort arbeiten.

Parallel dazu floriert ein Ökosystem aus Coworking-Spaces, spezialisierten Reiseangeboten und Remote-Work-Technologien. Neue Dienste und Branchen unterstützen gezielt diese Lebensform, von Steuerberatungen für Vielreisende bis zu weltweiten Networking-Communities.

All dies untermauert, dass sich der Trend von einer Nischenerscheinung zu einem festen Bestandteil der globalisierten Arbeitswelt entwickelt. Digitales Nomadentum hat sich von einem kurzfristigen Boom zu einem anhaltenden Phänomen entwickelt.

Zwar hat der Enthusiasmus etwas nachgelassen, die Wachstumsraten sind moderater, und nicht alle, die von der Freiheit auf Reisen träumen, setzen diese Idee auch in die Tat um. Von den 66 Millionen Interessierten in den USA wird 2025 nur ein einstelliger Prozentsatz das Nomadenleben tatsächlich ausprobieren.

Doch die, die diesen Schritt wagen, bilden mittlerweile einen relevanten Teil der Arbeitswelt. Sie profitieren von hoher beruflicher Zufriedenheit, überdurchschnittlichen Einkommen und globaler Mobilität ohne Karriereknick. Unternehmen, Dienstleister und Staaten haben sich auf die mobile Workforce eingestellt, von Remote-Tools über Coworking bis hin zu speziellen Visa. Kurzum: Der Hype ist vorbei, doch das Konzept lebt fort und hat eine neue, reifere Phase erreicht. Digitales Nomadentum ist damit kein Nischenexperiment mehr, sondern etabliert sich als dauerhafte Option in der modernen Arbeitswelt.