Internationale Studie zeigt Vorteile der Vier-Tage-Woche
Eine internationale Studie zeigt: Die Vier-Tage-Woche kann funktionieren – wenn Unternehmen sie richtig umsetzen.
141 Firmen in sechs Ländern reduzierten testweise die Arbeitszeit um 20 Prozent bei vollem Gehalt und organisierten Abläufe und Meetings neu.
Die in Nature Human Behaviour veröffentlichte Untersuchung
(Quelle)
ergab nach sechs Monaten ein deutlich verbessertes Wohlbefinden der Beschäftigten: weniger Burnout, bessere mentale und körperliche Gesundheit sowie höhere Zufriedenheit im Job.
Zugleich sank die Leistung nicht – in einer Kontrollgruppe mit herkömmlicher Fünf-Tage-Woche blieben die positiven Effekte aus.
Entscheidend für den Erfolg war jedoch nicht allein der freie Tag, sondern ein grundlegend neuer Workflow
(Analyse).
Weltweites Experiment zur Vier-Tage-Woche
Der groß angelegte Praxistest untermauert die Machbarkeit der kurzen Arbeitswoche. Insgesamt nahmen:
- 141 Unternehmen
- aus sechs Ländern
- mit 2.896 Beschäftigten
- über sechs Monate
teil.
Das Projekt wurde von der Non-Profit-Organisation 4 Day Week Global initiiert und von einem Forschungsteam um Soziologin Wen Fan (Boston College) begleitet.
Die Unternehmen reduzierten die Wochenarbeitszeit um 20 Prozent, also auf vier Arbeitstage – bei vollem Lohnausgleich.
Allerdings strichen sie nicht einfach einen Arbeitstag:
Bereits vor der Testphase bekamen sie acht Wochen Zeit, ihre Abläufe neu zu organisieren. Meetings wurden gestrafft, Prozesse verschlankt und Arbeitsabläufe optimiert, um die Produktivität trotz kürzerer Arbeitszeit aufrechtzuerhalten.
Zum Vergleich wurde eine Kontrollgruppe mit zwölf Unternehmen betrachtet, die beim klassischen Fünf-Tage-Modell blieb.
Weniger Müdigkeit, mehr Zufriedenheit
Die Ergebnisse fallen deutlich zugunsten der Vier-Tage-Woche aus.
Beschäftigte im kürzeren Modell berichteten nach sechs Monaten über:
- besseres psychisches Wohlbefinden
- weniger körperliche Beschwerden
- weniger Müdigkeit und Schlafprobleme
- höhere wahrgenommene Leistungsfähigkeit
- weniger Burnout-Symptome
- größere Zufriedenheit im Job
Die Forschenden bezeichneten die Vier-Tage-Woche als eine
„wirksame Intervention zur Steigerung des Mitarbeiterwohlbefindens“.
Trotz 20 Prozent weniger Arbeitszeit blieb die Leistung stabil:
Über 90 Prozent der Unternehmen behielten das Modell nach dem Versuch dauerhaft bei.
Warum funktionierte die Produktivität trotz kürzerer Zeit?
Weniger Leerlauf, gleiche Leistung
Die stabile Produktivität lag vor allem an einer effizienteren Arbeitsorganisation.
Viele Unternehmen stellten fest:
- Ein großer Teil der Arbeitswoche besteht aus unnötigem Aufwand.
- Überflüssige oder zu lange Meetings wurden eliminiert oder radikal verkürzt.
- Teams verbesserten die Zusammenarbeit und bündelten Aufgaben effektiver.
- Wissensarbeit enthält oft große Leerlaufanteile, die durch bessere Strukturierung reduziert werden können.
Kurz:
Vier Tage reichten, weil die fünf Tage zuvor nicht optimal genutzt wurden.
Die Studie zeigt:
Zeit ist ein strategischer Faktor, wenn man sie bewusst managt.
Vier Tage funktionieren nur mit echter Entlastung
Die Forschenden warnen jedoch:
Eine bloße Arbeitszeitverkürzung ohne veränderte Abläufe reicht nicht aus.
Wesentliche Erkenntnis:
Die individuelle Entlastung der Mitarbeitenden hatte den größten Einfluss auf das Wohlbefinden – nicht die formale Einführung der Vier-Tage-Woche.
Wenn Beschäftigte weiterhin das Pensum von fünf Tagen erledigen müssen, verpufft der Effekt – oder schlägt ins Gegenteil um.
Hauptautorin Wen Fan hatte befürchtet, dass die Beschäftigten unter erhöhtem Zeitdruck leiden könnten.
Doch die Studie zeigte:
Mit den neuen Abläufen trat dieser Druck nicht ein.
Trotz internationaler Erfolge setzt Deutschland das Modell bisher nur zögerlich um.
Deutschland zögert noch
Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland deutlich hinterher.
Randstad-ifo-Personalleiterbefragung (Juli 2024)
- 11 % der Firmen bieten irgendeine Vier-Tage-Woche an.
- 1 % tun dies bei vollem Lohnausgleich.
-
2 % planen die Einführung.
Quelle:
https://www.ifo.de/pressemitteilung/2024-07-05/randstad-ifo-umfrage-firmen-bieten-eine-vier-tage-woche
IW-Personalpanel (2025)
- 4 % haben das Modell realisiert.
- 2 % testen es.
- Insgesamt 6,2 % experimentieren damit.
Quelle:
https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2025/IW-Report_2025-Vier-Tage-Woche.pdf
Besonders offen sind:
- Kleinstbetriebe
- Handwerk
- IT-Dienstleister
Großunternehmen bleiben skeptisch.
Ein hoher Digitalisierungsgrad verdoppelt die Wahrscheinlichkeit, das Modell zu testen.
Weniger Meetings, mehr Eigenverantwortung
Die Studienautoren betonen, dass eine erfolgreiche Einführung sorgfältig vorbereitet werden muss.
Wichtige Hebel:
- unproduktive Routinen eliminieren
- Meeting-Kultur radikal entschlacken
- Eigenverantwortung in Teams stärken
- fokussierter arbeiten statt „Zeit absitzen“
- Workflows bewusst neu denken
Vier Tage funktionieren nur, wenn auch wirklich weniger – und sinnvoller – gearbeitet wird.
Fazit: Weniger Zeit, mehr Wohlbefinden – stabile Leistung
Die Vier-Tage-Woche verbessert die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden, ohne die Produktivität zu schmälern – aber nur, wenn sie mit organisatorischem Wandel einhergeht.
Der neue Großversuch bestätigt frühere Erkenntnisse:
Ein pauschaler Leistungseinbruch blieb auch diesmal aus.
Die Sorge, eine kurze Woche gefährde die Produktivität, findet in den Daten kaum Grundlage.
Gleichzeitig betonen die Forschenden die Grenzen der Studie:
- Teilnahme war freiwillig
- viele kleine Unternehmen
- Fokus auf westliche Länder
Für repräsentative Aussagen seien breiter gefächerte, randomisierte Studien nötig.
Trotzdem zeichnen sich über viele Untersuchungen hinweg konsistente Befunde ab:
Weniger Arbeitszeit bei vollem Lohn kann funktionieren – aber nur mit einer bewussten Neugestaltung der Arbeit.
Damit bekommt die Vier-Tage-Woche deutlichen Rückenwind.