Uber will Delivery Hero übernehmen: Was mit Foodora, Glovo und der Aktie passiert
Uber will Delivery Hero für 41,50 Euro je Aktie übernehmen. Was der Deal für Foodora in Österreich, Glovo und Anleger bedeutet
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Uber plant die Übernahme von Delivery Hero für knapp 13 Milliarden Euro. Doch nicht alle Marken und Länder gehen an den US-Konzern. Besonders für Foodora in Österreich ist die Lage anders.
Uber bietet 41,50 Euro je Delivery-Hero-Aktie
Uber und Delivery Hero haben eine Vereinbarung über ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot geschlossen. Uber bietet den Aktionären des Berliner Lieferkonzerns 41,50 Euro in bar je Aktie.
Damit wird Delivery Hero insgesamt mit rund 12,7 Milliarden Euro bewertet. Umgerechnet spricht Uber von einem Eigenkapitalwert von 14,8 Milliarden US-Dollar. Berücksichtigt man die Anteile, die Uber bereits besitzt, liegt der zusätzliche Wert der Transaktion bei rund 13,7 Milliarden US-Dollar.
Wichtig ist jedoch: Die Übernahme ist noch nicht abgeschlossen. Uber hat zunächst ein Angebot angekündigt. Dieses muss noch von der deutschen Finanzaufsicht BaFin geprüft und anschließend den Delivery-Hero-Aktionären vorgelegt werden.
Der Abschluss wird erst für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet.
Die wichtigsten Punkte zur geplanten Übernahme
Die Transaktion besteht aus mehreren Teilen:
- Uber bietet 41,50 Euro in bar je Delivery-Hero-Aktie
- Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus einer Aktie
- Uber besitzt bereits rund 24,8 Prozent der stimmberechtigten Aktien
- Weitere rund 11,7 Prozent hält Uber indirekt über Finanzinstrumente
- Delivery-Hero-Großaktionär Prosus will seinen Anteil von rund 17 Prozent verkaufen
- 14 Delivery-Hero-Märkte sollen nicht an Uber, sondern an SSW Partners gehen
- Der Abschluss ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant
Vorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero unterstützen das Angebot grundsätzlich. Eine formelle Empfehlung an die Aktionäre soll nach der Prüfung der vollständigen Angebotsunterlagen folgen.
Warum Uber Delivery Hero kaufen will
Uber ist längst nicht mehr nur ein Vermittler für Fahrten. Mit Uber Eats betreibt das Unternehmen eine der größten Lieferplattformen der Welt. Delivery Hero ergänzt dieses Geschäft vor allem in Regionen, in denen Uber bislang schwächer vertreten ist.
Nach der geplanten Übernahme wäre die kombinierte Gruppe in 99 Märkten aktiv. Die Zahl der Länder, in denen Uber sowohl Fahrten als auch Lieferungen anbietet, soll von 34 auf 58 steigen.
Uber erhält dadurch Zugang zu bekannten regionalen Marken wie:
- Baedal Minjok in Südkorea
- Foodpanda in Teilen Asiens
- Glovo in mehreren europäischen und afrikanischen Märkten
- Hungerstation in Saudi-Arabien
- PedidosYa in Lateinamerika
- Talabat im Nahen Osten
Delivery Hero erreichte mit den Geschäftsbereichen, die an Uber gehen sollen, 2025 ein Bestellvolumen von rund 42 Milliarden US-Dollar.
Für Uber liegt der Wert der Übernahme nicht nur in zusätzlichen Bestellungen. Das Unternehmen kann Mobilität, Essenslieferungen, Lebensmittel und weitere lokale Dienstleistungen innerhalb einer gemeinsamen Plattform verbinden.
Laut Uber erzeugen Kunden, die mehrere Angebote der Plattform nutzen, etwa dreimal so hohe Buchungen und Gewinne wie Nutzer, die nur einen einzelnen Dienst verwenden. Diese Angabe stammt allerdings vom Unternehmen selbst und ist Teil der Begründung gegenüber Investoren.
Aus dem Berliner Start-up Delivery Hero wird damit ein wichtiger Baustein in Ubers internationaler Plattformstrategie.
Foodora Österreich geht nicht direkt an Uber
Für Nutzer in Österreich ist ein Detail besonders wichtig: Foodora Österreich soll nicht von Uber übernommen werden.
Delivery Hero hat parallel zur Uber-Vereinbarung einen Verkauf von Geschäftsbereichen in 14 Ländern an den US-Finanzinvestor SSW Partners vereinbart. Der Kaufpreis liegt bei ungefähr 1,4 Milliarden Euro.
Betroffen sind:
- Österreich
- Chile
- Zypern
- Tschechien
- Ecuador
- Griechenland
- Moldau
- Norwegen
- Polen
- Portugal
- Rumänien
- Spanien
- Schweden
- Türkei
In Österreich, Tschechien, Norwegen und Schweden betrifft der Verkauf die Marke Foodora. In Spanien, Polen, Portugal, Rumänien und Moldau geht es um Glovo.
Der Grund für diese Aufteilung liegt vor allem in Überschneidungen. In mehreren der betroffenen Länder sind Uber Eats und Delivery Hero bereits parallel aktiv. Ein gemeinsamer Eigentümer könnte dort zu wettbewerbsrechtlichen Problemen führen.
SSW Partners soll diese Geschäfte unabhängig von Uber kontrollieren. Der Investor hat außerdem angekündigt, langfristig geeignete strategische Partner für die einzelnen Unternehmen zu suchen.
Für Foodora Österreich bedeutet das: Die Plattform landet zunächst bei SSW Partners. Wer langfristig Eigentümer von Foodora Österreich sein wird, steht damit noch nicht endgültig fest.
Was passiert mit Glovo und Foodpanda?
Delivery Hero betreibt zahlreiche lokale Marken. Diese sollen nicht automatisch durch Uber Eats ersetzt werden.
Uber betont in seiner Mitteilung ausdrücklich den Wert der regional bekannten Marken und ihrer Beziehungen zu Restaurants, Händlern und Fahrern. Das spricht eher dafür, dass zumindest ein Teil der Marken zunächst erhalten bleibt.
Eine Garantie für den langfristigen Fortbestand einzelner Namen gibt es jedoch nicht. Auch eine mögliche technische Zusammenführung der Apps wurde bisher nicht beschrieben.
Bei Glovo ist die Situation besonders komplex. Ein Teil der Glovo-Märkte soll an Uber gehen, andere Länder sollen von SSW Partners übernommen werden.
Zu SSW Partners gehören unter anderem die Glovo-Geschäfte in Spanien, Polen, Portugal, Rumänien und Moldau. Glovo-Aktivitäten in Ländern wie Italien, Kroatien, der Ukraine, Marokko oder Nigeria sollen dagegen Teil der Uber-Transaktion werden.
Die Marke Glovo könnte damit künftig unter unterschiedlichen Eigentümern weitergeführt werden.
Was bedeutet die Übernahme für Kunden?
Kurzfristig dürfte sich für Kunden wenig ändern. Die Übernahme wird voraussichtlich erst 2027 abgeschlossen. Bis dahin arbeiten Uber und Delivery Hero weiterhin als eigenständige Unternehmen.
Es gibt bisher keine Ankündigung, dass bestehende Apps eingestellt, Kundenkonten übertragen oder Abonnements verändert werden.
Langfristig könnte Uber versuchen, seine Dienste stärker miteinander zu verbinden. Denkbar wäre etwa eine Ausweitung von Uber One, bei der Kunden Vorteile für Fahrten und Lieferungen innerhalb eines Abonnements erhalten.
Auch ein gemeinsames technisches System könnte Kosten reduzieren. Delivery Hero verfügt jedoch über starke regionale Plattformen, die an lokale Zahlungsarten, Händler und Lieferstrukturen angepasst sind. Eine vollständige Zusammenführung wäre entsprechend aufwendig.
Ob die Übernahme für Kunden zu niedrigeren Preisen führt, lässt sich derzeit nicht seriös sagen. Größere Plattformen können effizienter arbeiten. Gleichzeitig reduziert eine Konsolidierung die Zahl der unabhängigen Wettbewerber.
Die weitere Entwicklung betrifft damit nicht nur Unternehmen und Aktien, sondern auch die breitere Gesellschaft. Lieferdienste bestimmen zunehmend, wie Restaurants ihre Kunden erreichen und unter welchen Bedingungen Fahrer arbeiten.
Was bedeutet das Angebot für Delivery-Hero-Aktionäre?
Uber bietet 41,50 Euro in bar für jede Delivery-Hero-Aktie. Wer das Angebot annimmt und seine Aktien einreicht, soll nach erfolgreichem Abschluss der Übernahme den entsprechenden Geldbetrag erhalten.
Das Geld wird jedoch nicht sofort ausgezahlt. Zunächst muss das offizielle Angebot veröffentlicht werden. Danach beginnt die Annahmefrist. Zusätzlich müssen die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen.
Uber hat sich bereits eine starke Ausgangsposition gesichert. Der Konzern hält direkt rund 24,8 Prozent der Delivery-Hero-Aktien. Über Finanzinstrumente besteht eine zusätzliche wirtschaftliche Beteiligung von rund 11,7 Prozent.
Der niederländische Technologieinvestor Prosus hat außerdem verbindlich zugesagt, seinen Anteil von rund 17 Prozent in das Angebot einzubringen. Zusammen würde Uber damit auf ein wirtschaftliches Interesse von ungefähr 53 Prozent kommen.
Die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie wäre damit wirtschaftlich bereits abgedeckt. Rechtliche, regulatorische und technische Bedingungen müssen trotzdem erfüllt werden.
Dieser Abschnitt stellt keine Anlageberatung dar. Aktionäre müssen selbst prüfen, ob sie das Angebot annehmen, ihre Aktien vorher verkaufen oder die weitere Entwicklung abwarten.
Warum kann der Aktienkurs unter 41,50 Euro bleiben?
Der Börsenkurs einer Übernahmekandidatin liegt häufig etwas unter dem Angebotspreis. Diese Differenz wird auch als Übernahmespread bezeichnet.
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Die Übernahme kann noch scheitern. Wettbewerbsbehörden könnten Bedingungen stellen oder einzelne Teile des Geschäfts genauer untersuchen. Auch andere Voraussetzungen des Angebots könnten nicht erfüllt werden.
Hinzu kommt der zeitliche Abstand. Uber erwartet den Abschluss erst in der zweiten Jahreshälfte 2027. Ein Anleger, der heute Aktien kauft, müsste entsprechend lange auf die mögliche Auszahlung von 41,50 Euro warten.
Je höher die Unsicherheit und je länger die erwartete Wartezeit, desto größer kann der Abstand zwischen Börsenkurs und Angebotspreis ausfallen.
Sollte der Markt dagegen mit einem höheren Konkurrenzangebot rechnen, könnte der Aktienkurs zeitweise auch über dem aktuellen Angebot liegen. Hinweise auf einen konkurrierenden Käufer gibt es bislang nicht.
Wann wird die Übernahme abgeschlossen?
Bevor das Angebot offiziell beginnt, muss Uber die vollständigen Unterlagen bei der BaFin einreichen. Nach deren Genehmigung wird das Angebotsdokument veröffentlicht.
Anschließend können Delivery-Hero-Aktionäre ihre Aktien innerhalb der festgelegten Frist anbieten.
Zusätzlich benötigt die Transaktion Genehmigungen von Wettbewerbsbehörden und Finanzaufsichten in mehreren Ländern. Das ist bei einem international tätigen Konzern mit zahlreichen Marken und regionalen Tochtergesellschaften ein längerer Prozess.
Uber und Delivery Hero rechnen deshalb mit einem Abschluss in der zweiten Jahreshälfte 2027. Bis dahin bleibt Delivery Hero börsennotiert und operativ eigenständig.
Auch der Verkauf der 14 Märkte an SSW Partners hängt vom Abschluss des Uber-Angebots und weiteren Bedingungen ab.
Berlin bleibt vorerst Hauptsitz
Uber hat zugesagt, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin beizubehalten. Auch die bestehenden regionalen Standorte sollen zunächst weitergeführt werden.
Für die Belegschaft am Berliner Hauptsitz gilt eine besondere Zusage. Dort soll es bis mindestens 2029 keine übernahmebedingten Veränderungen an der Belegschaft geben.
Delivery Hero soll außerdem für drei Jahre weiterhin eigenständig durch den bestehenden Vorstand geführt und vom Aufsichtsrat kontrolliert werden. Uber will in diesem Zeitraum keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen.
Diese Zusagen beziehen sich vor allem auf die Konzernzentrale. Vergleichbare Garantien für Fahrer, Subunternehmer oder Beschäftigte in sämtlichen Delivery-Hero-Märkten wurden nicht angekündigt.
Fazit: Die Delivery-Hero-Übernahme ist eigentlich eine Aufteilung
Die geplante Übernahme wirkt auf den ersten Blick wie ein vollständiger Kauf von Delivery Hero durch Uber. Tatsächlich wird das Unternehmen jedoch aufgeteilt.
Uber soll den größten Teil des internationalen Geschäfts mit rund 50 Märkten übernehmen. Weitere 14 Märkte gehen an SSW Partners. Dazu zählen auch Foodora Österreich und das wichtige spanische Glovo-Geschäft.
Für österreichische Kunden bedeutet der Deal deshalb nicht, dass Foodora automatisch Teil von Uber Eats wird. Das Unternehmen erhält zunächst einen neuen Eigentümer, während seine langfristige Zukunft offenbleibt.
Für Delivery-Hero-Aktionäre bietet Uber 41,50 Euro je Aktie. Bis zu einer möglichen Auszahlung kann jedoch mehr als ein Jahr vergehen. Außerdem müssen noch zahlreiche Behörden zustimmen.
Strategisch erhält Uber Zugang zu einigen der größten Liefermärkte in Asien, Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten. Der Konzern entwickelt sich damit weiter von einer Fahrdienst-App zu einer globalen Plattform für Mobilität, Lieferungen und lokale Dienstleistungen.
Quellen
FAQ
Wie viel bietet Uber für eine Delivery-Hero-Aktie?
Uber bietet den Aktionären von Delivery Hero 41,50 Euro in bar je Aktie. Das Angebot steht noch unter mehreren Bedingungen.
Wird Foodora Österreich von Uber übernommen?
Nein. Das österreichische Foodora-Geschäft soll zusammen mit 13 weiteren Märkten an den Finanzinvestor SSW Partners verkauft werden.
Wann soll die Übernahme von Delivery Hero abgeschlossen werden?
Uber rechnet mit einem Abschluss in der zweiten Jahreshälfte 2027. Zuvor müssen unter anderem Wettbewerbsbehörden zustimmen.


