AliExpress: Warum die EU 550 Millionen Euro Strafe verhängt

Die EU verhängt 550 Millionen Euro Strafe gegen AliExpress. Was hinter der Entscheidung steckt und was Käufer jetzt wissen sollten

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AliExpress: Warum die EU 550 Millionen Euro Strafe verhängt

Die EU-Kommission verhängt eine Strafe von 550 Millionen Euro gegen AliExpress. Im Mittelpunkt stehen gefährliche, illegale und gefälschte Produkte sowie die Frage, wie konsequent eine Plattform ihre Händler kontrollieren muss.

AliExpress-Strafe: Was die EU entschieden hat

Die Europäische Kommission hat am 20. Juli 2026 eine Geldbuße von 550 Millionen Euro gegen AliExpress verhängt. Nach Ansicht der Behörde hat die Handelsplattform gegen Verpflichtungen aus dem Digital Services Act verstoßen.

AliExpress habe die Risiken durch illegale, unsichere und gefälschte Produkte nicht sorgfältig genug bewertet. Außerdem seien die Maßnahmen zur Begrenzung dieser Risiken nicht wirksam genug gewesen.

Die Entscheidung betrifft damit nicht nur einzelne problematische Angebote. Die EU kritisiert grundlegende Abläufe innerhalb der Plattform. Dazu gehören die Erkennung gefährlicher Produkte, die Entfernung bereits gemeldeter Angebote und der Umgang mit Händlern, die wiederholt gegen Regeln verstoßen.

Nach Angaben der Tagesschau handelt es sich um die bislang höchste Geldbuße, die auf Grundlage des Digital Services Act verhängt wurde.

Warum AliExpress bestraft wird

Die EU-Kommission nennt mehrere Bereiche, in denen AliExpress seine Verpflichtungen nicht ausreichend erfüllt haben soll.

Dazu gehören:

  • unzureichende Risikobewertungen zu illegalen und gefährlichen Produkten
  • zu wenig Personal für die Überprüfung gemeldeter Angebote
  • mangelhafte Systeme zur Erkennung und Entfernung problematischer Produkte
  • eine zu zurückhaltende Sanktionierung auffälliger Händler

Besonders problematisch ist aus Sicht der Kommission, dass bereits identifizierte Produkte teilweise noch mehrere Wochen auf der Plattform verfügbar gewesen sein sollen.

Laut Tagesschau waren zuletzt rund sieben Millionen Angebote weiterhin erreichbar, obwohl sie bereits als gefährlich oder als mögliche Fälschungen gemeldet worden waren. Genannt werden unter anderem unsicheres Spielzeug, gefährliche Kosmetikprodukte und Nachahmungen bekannter Marken.

Auch Händler, die wiederholt illegale Produkte angeboten haben sollen, seien häufig nicht konsequent gesperrt oder anderweitig sanktioniert worden.

Es geht nicht nur um einzelne Produkte

Auf großen Handelsplattformen stellen externe Händler Millionen unterschiedliche Artikel ein. Eine vollständige manuelle Kontrolle jedes Angebots ist praktisch kaum möglich.

Der Digital Services Act verlangt deshalb nicht, dass eine Plattform jedes einzelne Produkt vor der Veröffentlichung persönlich überprüft. Große Anbieter müssen jedoch systematisch analysieren, welche Risiken durch ihre Dienste entstehen.

Anschließend müssen sie geeignete Maßnahmen ergreifen. Dazu können automatisierte Erkennungssysteme, manuelle Prüfungen, bessere Meldewege und strengere Regeln für wiederholt auffällige Händler gehören.

Genau an diesem Punkt setzt die Entscheidung gegen AliExpress an. Die EU wirft dem Unternehmen nicht nur Fehler bei einzelnen Angeboten vor. Nach Ansicht der Kommission waren die übergeordneten Kontrollmechanismen nicht ausreichend.

Die Entscheidung ist damit Teil einer umfassenderen europäischen Politik für digitale Plattformen. Große Anbieter sollen nicht nur auf Beschwerden reagieren, sondern mögliche Risiken selbst erkennen und begrenzen.

Was der Digital Services Act verlangt

Der Digital Services Act ist ein EU-Regelwerk für digitale Dienste. Dazu zählen soziale Netzwerke, Suchmaschinen, App-Stores und Online-Marktplätze.

Für besonders große Plattformen gelten zusätzliche Pflichten. Sie müssen unter anderem untersuchen, ob über ihre Systeme illegale Inhalte oder Produkte verbreitet werden. Erkannte Risiken müssen dokumentiert und durch nachvollziehbare Maßnahmen reduziert werden.

Bei einem Online-Marktplatz betrifft das beispielsweise:

  • die Überprüfung gewerblicher Händler
  • verständliche Meldesysteme für illegale Angebote
  • die Bearbeitung eingehender Hinweise
  • den Umgang mit wiederholten Regelverstößen
  • die regelmäßige Analyse systemischer Risiken

Der DSA soll dabei keine vollständige Sicherheit garantieren. Er verpflichtet Plattformen jedoch dazu, nachweisbar funktionierende Prozesse einzurichten.

Für die digitale Gesellschaft ist das relevant, weil große Marktplätze längst einen erheblichen Teil des alltäglichen Handels abwickeln. Fehlerhafte Kontrollsysteme können dadurch Millionen Menschen betreffen.

Was die 550 Millionen Euro bedeuten

Die Höhe der Strafe macht deutlich, dass die EU-Kommission die festgestellten Mängel nicht als kleinere formale Verstöße bewertet.

Die Geldbuße soll AliExpress nicht nur für vergangene Versäumnisse sanktionieren. Sie soll das Unternehmen auch dazu bewegen, seine Kontrollsysteme grundlegend zu verbessern.

Zusätzlich hat die EU-Kommission einen Aktionsplan vorgegeben. AliExpress muss in den kommenden Monaten Maßnahmen umsetzen, um die Anforderungen des Digital Services Act zu erfüllen.

Sollte die Plattform der Entscheidung nicht ausreichend nachkommen, können weitere Zahlungen und Sanktionen folgen. Die Kommission will die Umsetzung deshalb weiter überwachen.

AliExpress will gegen die Entscheidung vorgehen

AliExpress weist die Vorwürfe zurück. Das zum Alibaba-Konzern gehörende Unternehmen bezeichnet die Geldbuße als unverhältnismäßig.

Nach eigener Darstellung habe die Plattform bereits erhebliche Verbesserungen vorgenommen. Diese seien in der Entscheidung nicht angemessen berücksichtigt worden.

AliExpress hat angekündigt, Rechtsmittel einzulegen. Die rechtliche Auseinandersetzung ist damit voraussichtlich noch nicht abgeschlossen.

Für Kunden bedeutet die Entscheidung zunächst nicht, dass AliExpress in der Europäischen Union abgeschaltet wird. Auch laufende Bestellungen werden dadurch nicht automatisch storniert.

Der unmittelbare Druck richtet sich vor allem auf die internen Prozesse der Plattform.

Was sich bei AliExpress ändern muss

Die EU erwartet, dass AliExpress schneller und konsequenter gegen problematische Produkte vorgeht.

Dazu dürfte gehören, gemeldete Angebote zeitnah zu prüfen und gefährliche oder illegale Produkte zuverlässiger zu entfernen. Gleichzeitig muss die Plattform verhindern, dass gelöschte Artikel kurze Zeit später erneut eingestellt werden.

Auch der Umgang mit Händlern ist entscheidend. Wer wiederholt gegen Regeln verstößt, darf nach Ansicht der EU nicht unbegrenzt weitere Produkte anbieten können.

Für AliExpress bedeutet das vermutlich Investitionen in mehrere Bereiche:

  • mehr Personal für die Überprüfung von Produkten und Meldungen
  • bessere technische Systeme zur Erkennung verdächtiger Angebote
  • strengere Kontrollen von Verkäufern
  • nachvollziehbare Sanktionen bei wiederholten Verstößen
  • bessere Dokumentation der getroffenen Maßnahmen

Ob diese Veränderungen tatsächlich zu weniger gefährlichen und gefälschten Produkten führen, wird sich erst nach der Umsetzung zeigen.

Was Käufer bei Bestellungen beachten sollten

Die Entscheidung der EU bedeutet nicht, dass jedes auf AliExpress angebotene Produkt unsicher oder gefälscht ist. Die große Zahl externer Händler führt jedoch zu deutlichen Qualitätsunterschieden.

Bei sicherheitsrelevanten Produkten ist deshalb besondere Vorsicht sinnvoll. Das gilt beispielsweise für Ladegeräte, Netzteile, Akkus, Spielzeug, Schutzkleidung und Kosmetikprodukte.

Käufer sollten nicht nur auf den Preis achten. Wichtig sind auch nachvollziehbare Herstellerangaben, aussagekräftige Bewertungen und Informationen zum verantwortlichen Händler.

Ein CE-Zeichen allein ist kein Beweis dafür, dass ein Produkt tatsächlich geprüft wurde oder alle europäischen Vorgaben erfüllt. Bei ungewöhnlich günstigen Markenartikeln besteht außerdem ein erhöhtes Risiko, eine Fälschung zu erhalten.

Problematische Angebote sollten direkt über die Plattform gemeldet werden. Bei Produkten, von denen eine konkrete Gefahr ausgeht, kann zusätzlich eine Meldung an die zuständige Marktüberwachungs- oder Verbraucherschutzbehörde sinnvoll sein.

Warum die Entscheidung über AliExpress hinaus wichtig ist

AliExpress steht mit diesem Problem nicht allein. Auch andere internationale Marktplätze müssen große Mengen an Produkten und externen Händlern kontrollieren.

Die EU hat bereits Verfahren gegen weitere Plattformen geführt. Im Mittelpunkt stehen dabei häufig ähnliche Fragen: Wie werden Händler überprüft? Wie schnell verschwinden gemeldete Produkte? Und was passiert mit Verkäufern, die wiederholt gegen Vorschriften verstoßen?

Die Strafe gegen AliExpress setzt deshalb einen Maßstab für den gesamten Onlinehandel. Große Plattformen können sich nicht allein darauf berufen, nur die technische Infrastruktur für unabhängige Händler bereitzustellen.

Je größer ihre Reichweite wird, desto umfangreicher werden auch ihre Pflichten.

Fazit

Die Strafe von 550 Millionen Euro richtet sich nicht gegen günstige Produkte oder den internationalen Onlinehandel an sich. Die EU kritisiert vor allem die Kontrollsysteme hinter dem Marktplatz.

AliExpress soll Risiken nicht ausreichend bewertet, problematische Angebote zu langsam entfernt und wiederholt auffällige Händler nicht konsequent genug sanktioniert haben.

Das Unternehmen will gegen die Entscheidung vorgehen. Gleichzeitig muss es einen Aktionsplan umsetzen und seine Maßnahmen gegenüber der EU-Kommission nachweisen.

Für Käufer ändert sich kurzfristig wenig. Langfristig könnte die Entscheidung jedoch dazu führen, dass gefährliche, illegale und gefälschte Produkte schneller erkannt und entfernt werden.

FAQ

Warum wurde AliExpress von der EU bestraft?

Die EU-Kommission wirft AliExpress vor, Risiken durch illegale, unsichere und gefälschte Produkte nicht ausreichend bewertet und begrenzt zu haben.

Wie hoch ist die Strafe gegen AliExpress?

Die EU-Kommission hat eine Geldbuße von 550 Millionen Euro gegen AliExpress verhängt. Das Unternehmen hat rechtliche Schritte angekündigt.

Was bedeutet die AliExpress-Strafe für Kunden?

AliExpress bleibt zunächst erreichbar. Die Plattform muss ihre Kontrollen, Risikobewertungen und Maßnahmen gegen problematische Händler verbessern.

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