Anthropic verhandelt über Decart AI: Was hinter dem 6-Milliarden-Dollar-Deal steckt
Anthropic verhandelt über die Übernahme von Decart AI für rund 6 Milliarden Dollar. Warum das Startup für Claude strategisch interessant ist
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Anthropic könnte mit Decart AI einen Milliardenkauf vorbereiten. Im Zentrum stehen weniger schicke KI-Demos als Infrastruktur, Inferenz und effizientere Rechenleistung für Claude.
Anthropic verhandelt über die Übernahme von Decart AI
Anthropic führt Berichten zufolge Gespräche über eine Übernahme des israelischen KI-Startups Decart AI. Als möglicher Kaufpreis stehen rund 6 Milliarden US-Dollar im Raum.
Zuerst berichtete Bloomberg über die Gespräche. Reuters bestätigte anschließend unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person, dass Anthropic Interesse an Decart hat. Auch Yahoo Finance griff den Bloomberg-Bericht auf.
Wichtig ist allerdings die Einschränkung: Die Gespräche befinden sich demnach noch in einem frühen Stadium. Weder Anthropic noch Decart haben eine Übernahme angekündigt. Der Deal kann deshalb weiterhin scheitern.
Sollte er zustande kommen, wäre es Berichten zufolge die bislang größte bekannte Übernahme von Anthropic.
Was ist Decart AI?
Decart AI entwickelt gleich mehrere Technologien, die aktuell unter dem Begriff KI zusammengefasst werden, technisch aber unterschiedliche Probleme lösen.
Besonders sichtbar sind die eigenen Modelle Lucy und Oasis.
Lucy ist für die Bearbeitung von Videostreams in Echtzeit gedacht. Personen, Objekte, Hintergründe oder visuelle Eigenschaften können während einer laufenden Übertragung verändert werden. Decart gibt für aktuelle Versionen eine Videogenerierung in Echtzeit an.
Oasis verfolgt einen anderen Ansatz. Das Modell erzeugt interaktive simulierte Umgebungen und gehört damit zur Kategorie der sogenannten World Models. Solche Systeme sollen nicht nur Bilder erzeugen, sondern auf Aktionen reagieren und Veränderungen innerhalb einer simulierten Umgebung fortführen.
Für Robotik, autonomes Fahren oder Reinforcement Learning können solche Modelle beispielsweise künstliche Trainingsumgebungen erzeugen.
Für Anthropic dürfte allerdings ein anderer Teil des Unternehmens mindestens genauso interessant sein.
Warum die Infrastruktur für Anthropic entscheidend sein könnte
Decart entwickelt mit dem “Decart Optimization Stack”, kurz DOS, eine eigene Infrastruktur zur Optimierung von Training und Inferenz.
Dabei versucht das Unternehmen, KI-Workloads möglichst effizient auf unterschiedlicher Hardware auszuführen. Decart nennt unter anderem Nvidia-GPUs, AWS Trainium und Googles TPUs.
Genau hier liegt ein grundlegendes Problem moderner KI-Systeme.
Ein leistungsfähiges Modell zu entwickeln ist nur eine Seite. Anschließend müssen Millionen oder sogar Milliarden von Anfragen möglichst schnell und wirtschaftlich verarbeitet werden. Dieser Vorgang wird als Inferenz bezeichnet.
Je mehr Menschen Claude verwenden und je komplexer die Modelle werden, desto wichtiger wird deshalb die Effizienz der darunterliegenden Infrastruktur.
Kleine Verbesserungen bei Latenz, Speicherauslastung oder Rechenaufwand können bei sehr großen Mengen an Anfragen erhebliche Auswirkungen haben.
Anthropic sucht derzeit auch selbst nach Entwicklern, die Hardware und Software gemeinsam optimieren sollen. Laut Reuters möchte das Unternehmen unter anderem eigene Chips und KI-Modelle stärker aufeinander abstimmen.
Eine Übernahme von Decart würde deshalb gut zu dieser Strategie passen.
Es geht nicht nur um Nvidia
Ein weiterer interessanter Punkt ist die Unterstützung unterschiedlicher Beschleuniger.
Der Markt für KI-Rechenleistung wird weiterhin stark von Nvidia geprägt. Große KI-Unternehmen versuchen gleichzeitig, ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Hardwareanbieter zu reduzieren.
AWS entwickelt mit Trainium eigene KI-Beschleuniger. Google bietet mit seinen Tensor Processing Units ebenfalls eigene Hardware an.
Software, die Modelle möglichst effizient über mehrere dieser Plattformen hinweg betreiben kann, wird dadurch strategisch wertvoller.
Aus Sicht des Software-Engineerings ist das weniger spektakulär als ein neues generatives Modell, kann langfristig aber einen größeren Einfluss auf Kosten und Skalierbarkeit haben.
Decart positioniert DOS genau in diesem Bereich.
Decart hat bereits mehr als 450 Millionen Dollar eingesammelt
Auch finanziell gehört Decart inzwischen zu den größeren KI-Startups.
Im Mai 2026 kündigte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen US-Dollar an. Angeführt wurde sie von Radical Ventures. Nvidia beteiligte sich dabei als neuer Investor.
Insgesamt hat Decart nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 450 Millionen Dollar Kapital eingesammelt.
Medienberichten zufolge wurde das Unternehmen bei der Finanzierungsrunde im Mai mit knapp 4 Milliarden Dollar bewertet. Ein möglicher Kaufpreis von rund 6 Milliarden Dollar würde damit deutlich über dieser Bewertung liegen.
Das zeigt gleichzeitig, wie wichtig Infrastrukturunternehmen im aktuellen KI-Markt geworden sind.
Was würde die Übernahme für Claude bedeuten?
Kurzfristig zunächst wenig.
Solange kein Vertrag abgeschlossen wurde, ändert sich für Nutzer von Claude oder der Claude API nichts.
Sollte Anthropic Decart tatsächlich übernehmen, wäre vor allem die technische Integration interessant. Reuters berichtet, dass das Decart-Team in diesem Fall Teil von Anthropics Bereich für Inferenz und Performance werden könnte.
Damit wäre relativ klar, wo Anthropic den größten strategischen Wert sieht.
Lucy und Oasis könnten langfristig zusätzliche Produktmöglichkeiten eröffnen. Eine direkte Integration von Videogenerierung oder World Models in Claude ist bisher allerdings nicht angekündigt.
Konkreter ist der mögliche Nutzen bei der Infrastruktur.
Wenn Decarts Technologien Claude auf vorhandener Hardware effizienter ausführen können, könnte Anthropic entweder mehr Anfragen mit derselben Rechenkapazität verarbeiten oder die Kosten pro Anfrage reduzieren.
Beides wird wichtiger, je stärker Claude genutzt wird.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall
Die möglichen Übernahmegespräche finden in einer Phase statt, in der Anthropic seine technische Infrastruktur deutlich ausbaut.
Reuters bringt den Deal außerdem mit den Vorbereitungen des Unternehmens auf einen möglichen Börsengang in Verbindung.
Für ein Unternehmen wie Anthropic ist Rechenkapazität inzwischen nicht nur eine technische Frage. Sie beeinflusst direkt, wie schnell neue Modelle angeboten werden können, wie viele Nutzer gleichzeitig bedient werden können und wie teuer einzelne Anfragen sind.
Genau deshalb sind Unternehmen interessant, die nicht einfach nur zusätzliche Rechenzentren bereitstellen, sondern vorhandene Hardware besser auslasten können.
Decart passt ziemlich genau in dieses Profil.
Noch ist der 6-Milliarden-Dollar-Deal nicht abgeschlossen
Trotz der Größenordnung sollte die Nachricht deshalb nicht als abgeschlossene Übernahme verstanden werden.
Anthropic und Decart haben bislang keinen Kauf bekanntgegeben. Laut den Berichten befinden sich die Verhandlungen noch in einem frühen Stadium.
Gerade deshalb ist weniger der konkrete Kaufpreis interessant als die Richtung, in die Anthropic offenbar denkt.
Im Wettbewerb zwischen großen KI-Anbietern geht es längst nicht mehr ausschließlich darum, wer das leistungsfähigste Modell veröffentlicht. Mindestens genauso wichtig wird die Frage, wer diese Modelle zuverlässig, schnell und zu vertretbaren Kosten betreiben kann.
Decart hat sich genau auf diese technische Ebene spezialisiert.
Sollte Anthropic tatsächlich mehrere Milliarden Dollar für das Unternehmen ausgeben, wäre das deshalb nicht nur ein Kauf von Lucy, Oasis oder einem weiteren KI-Startup. Es wäre vor allem eine Investition in die Infrastruktur hinter Claude.
Quellen
FAQ
Übernimmt Anthropic Decart AI?
Noch nicht. Anthropic führt Berichten zufolge Gespräche über eine Übernahme von Decart AI. Die Verhandlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium und könnten ohne Abschluss enden.
Wie viel könnte Anthropic für Decart AI bezahlen?
Als möglicher Kaufpreis werden rund 6 Milliarden US-Dollar genannt. Eine endgültige Vereinbarung oder ein bestätigter Kaufpreis liegt bislang nicht vor.
Was macht Decart AI?
Decart entwickelt KI-Infrastruktur und Optimierungssoftware für Training und Inferenz sowie eigene Modelle wie Lucy für Echtzeit-Videobearbeitung und Oasis für interaktive simulierte Welten.


