KI-Forschung an der RPTU: Seth Flaxman kommt aus Oxford nach Kaiserslautern

Seth Flaxman wechselt von Oxford an die RPTU Kaiserslautern und soll dort die Forschung zu KI und Gesellschaft ausbauen

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KI-Forschung an der RPTU: Seth Flaxman kommt aus Oxford nach Kaiserslautern

Die RPTU Kaiserslautern baut ihre KI-Forschung aus. Mit Seth Flaxman kommt im Oktober 2026 ein Forscher aus Oxford, der sich mit Machine Learning, Statistik und den gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz beschäftigt.

Seth Flaxman wechselt von Oxford an die RPTU Kaiserslautern

Die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau, kurz RPTU, verstärkt ihre Forschung rund um Künstliche Intelligenz. Ab dem 1. Oktober 2026 soll der Informatiker Seth Flaxman eine neue Professur am Fachbereich Informatik übernehmen.

Flaxman kommt von der University of Oxford, wo er als Associate Professor of Computer Science arbeitet. Sein akademischer Weg begann allerdings in den USA. An der Harvard University studierte er Mathematik und Informatik. Seine Promotion absolvierte er anschließend an der Carnegie Mellon University im Bereich Machine Learning und Public Policy.

Damit holt die RPTU keinen Forscher nach Kaiserslautern, der sich ausschließlich mit der technischen Leistungsfähigkeit von KI-Systemen beschäftigt. Ein wesentlicher Teil seiner Arbeit liegt an der Schnittstelle zwischen Informatik, Statistik und gesellschaftlichen Fragestellungen.

Woran Seth Flaxman forscht

Flaxmans Forschung beschäftigt sich unter anderem mit statistischen Methoden und Machine Learning. Die Modelle werden dabei häufig auf Fragestellungen angewendet, die außerhalb klassischer Informatik liegen.

Dazu gehören öffentliche Gesundheit, gesellschaftliche Entwicklungen und politische Entscheidungen. Während der Corona-Pandemie arbeitete Flaxman beispielsweise an statistischen Modellen zur Ausbreitung von Covid-19.

Ein weiterer Schwerpunkt ist Social Computing. Dabei geht es vereinfacht gesagt darum, gesellschaftliches Verhalten und digitale Systeme gemeinsam zu betrachten.

Themen wie Filterblasen und Echokammern gehören ebenfalls zu seinem Forschungsgebiet. Beide Phänomene sind insbesondere für soziale Netzwerke relevant, weil Algorithmen mitbestimmen können, welche Informationen Nutzer sehen und welche Perspektiven dadurch weniger sichtbar werden.

KI und Gesellschaft statt nur größere Modelle

Die neue Professur ist Teil eines breiteren Forschungsschwerpunkts der RPTU. Im Zentrum steht die Frage, wie Künstliche Intelligenz und Gesellschaft sich gegenseitig beeinflussen.

Das unterscheidet sich von vielen Diskussionen über KI, die vor allem auf technische Kennzahlen schauen. Dort geht es häufig um größere Sprachmodelle, bessere Benchmarks, mehr Rechenleistung oder neue Funktionen.

Für die gesellschaftliche Nutzung reicht diese Perspektive allerdings nicht aus.

Ein KI-System existiert nicht unabhängig von seiner Umgebung. Trainingsdaten stammen aus von Menschen geschaffenen Inhalten. Menschen entscheiden über den Einsatz eines Systems. Gleichzeitig können dessen Empfehlungen, Inhalte oder Entscheidungen wiederum menschliches Verhalten beeinflussen.

Damit entsteht ein Kreislauf: Gesellschaft prägt KI-Systeme und KI-Systeme verändern anschließend Teile dieser Gesellschaft.

Genau diese Wechselwirkung systematisch zu untersuchen, soll ein Schwerpunkt der Forschung in Kaiserslautern werden.

Was hinter “AI, Computing and Society” steckt

Die Professur ist Teil der Initiative “AI, Computing and Society”, kurz AICS. Dahinter stehen die RPTU und das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme in Kaiserslautern.

Die Initiative wurde 2024 gestartet und soll technische KI-Forschung stärker mit Sozial- und Kognitionswissenschaften verbinden.

Das Forschungsfeld ist entsprechend breit. Dazu können Fragen zur Transparenz und Zuverlässigkeit von KI-Systemen ebenso gehören wie automatisierte Entscheidungen, Regulierung, Bildung oder die gesellschaftlichen Auswirkungen von Algorithmen.

Auch Responsible AI spielt dabei eine Rolle. Der Begriff beschreibt Ansätze, bei denen nicht nur untersucht wird, ob ein KI-System technisch funktioniert, sondern auch unter welchen Bedingungen es verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.

Dazu gehören beispielsweise Robustheit, Nachvollziehbarkeit und mögliche gesellschaftliche Nebenwirkungen.

Diese Themen werden mit der zunehmenden Verbreitung generativer KI wichtiger. Systeme wie Chatbots, Bildgeneratoren oder KI-Agenten werden nicht mehr ausschließlich in Forschungslaboren eingesetzt. Sie erreichen Unternehmen, Schulen, Behörden und private Nutzer.

Die technische Qualität eines Modells ist deshalb nur ein Teil der Frage.

Warum Kaiserslautern für KI-Forschung relevant ist

Kaiserslautern besitzt bereits seit Jahrzehnten eine vergleichsweise dichte Forschungslandschaft rund um Informatik und Künstliche Intelligenz.

Neben der RPTU befindet sich dort unter anderem das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Hinzu kommen das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme sowie mehrere Fraunhofer-Institute.

Das schafft kurze Wege zwischen universitärer Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Unternehmen.

Für den neuen AICS-Schwerpunkt ist insbesondere die Zusammenarbeit zwischen der RPTU und dem Max-Planck-Institut für Softwaresysteme relevant. Die Initiative soll Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbringen, die ansonsten teilweise mit sehr verschiedenen Methoden an ähnlichen Problemen arbeiten.

Informatiker können beispielsweise untersuchen, wie ein Empfehlungssystem technisch funktioniert. Sozialwissenschaftler können analysieren, wie Menschen dieses System nutzen und wie sich dadurch Verhalten verändert.

Erst die Kombination beider Perspektiven ermöglicht eine umfassendere Bewertung.

Weitere KI-Professuren sollen folgen

Mit der Berufung von Seth Flaxman ist der Ausbau noch nicht abgeschlossen.

Nach Angaben der RPTU sollen drei weitere Professorinnen und Professoren folgen. Damit soll rund um “AI, Computing and Society” ein größerer Forschungsverbund entstehen.

Bereits ausgeschriebene Forschungsbereiche zeigen, wohin sich dieser Schwerpunkt entwickeln soll. Dazu gehören unter anderem Responsible AI und Social Computing.

Für die RPTU bedeutet das eine Erweiterung ihrer bisherigen KI-Forschung. Statt ausschließlich neue technische Methoden zu entwickeln, soll stärker untersucht werden, was passiert, wenn diese Systeme tatsächlich von Menschen und Institutionen eingesetzt werden.

Warum diese Forschung gerade jetzt interessant wird

Künstliche Intelligenz entwickelt sich inzwischen schneller, als sich ihre gesellschaftlichen Auswirkungen verlässlich beurteilen lassen.

Neue Modelle erreichen innerhalb weniger Monate Millionen Nutzer. Generative KI produziert Texte, Bilder und Videos. Empfehlungssysteme entscheiden darüber, welche Informationen sichtbar werden. KI-Systeme unterstützen Unternehmen bei Entscheidungen und halten zunehmend Einzug in die Bildung.

Viele der entscheidenden Fragen entstehen deshalb nicht mehr ausschließlich bei der Entwicklung eines Modells.

Sie entstehen bei dessen Nutzung.

Wie verändern KI-Systeme Informationsräume? Wie beeinflussen Trainingsdaten spätere Ergebnisse? Welche gesellschaftlichen Gruppen profitieren von automatisierten Systemen und wo entstehen neue Nachteile? Wie lassen sich Effekte überhaupt messen?

Auf solche Fragen gibt es selten einfache Antworten.

Genau deshalb ist der Ansatz der RPTU interessant. Statt die gesellschaftliche Debatte von der technischen KI-Forschung zu trennen, sollen beide Seiten stärker miteinander verbunden werden.

Mit Seth Flaxman bekommt dieser Schwerpunkt ab Oktober einen Forscher, dessen bisherige Arbeit genau an dieser Schnittstelle liegt.

Quellen

Grundlage sind Angaben der RPTU Kaiserslautern-Landau, der University of Oxford, des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme sowie die Berichterstattung von SWR Aktuell.

FAQ

Wer ist Seth Flaxman?

Seth Flaxman ist Informatiker und KI-Forscher. Er studierte Mathematik und Informatik in Harvard, promovierte an der Carnegie Mellon University und forscht derzeit an der University of Oxford.

Wann wechselt Seth Flaxman an die RPTU Kaiserslautern?

Seth Flaxman soll seine Professur an der RPTU Kaiserslautern-Landau am 1. Oktober 2026 antreten.

Woran soll Seth Flaxman an der RPTU forschen?

Im Mittelpunkt stehen die Wechselwirkungen zwischen Künstlicher Intelligenz und Gesellschaft. Dazu gehören unter anderem Social Computing, Machine Learning, Statistik und verantwortungsvoll eingesetzte KI.

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