Schwarz-Gruppe baut Rechenzentrum bei Rostock für 5,6 Milliarden Euro

Die Schwarz-Gruppe investiert 5,6 Milliarden Euro in ein Rechenzentrum bei Rostock. Was Dummerstorf, Windkraft und STACKIT damit zu tun haben

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Schwarz-Gruppe baut Rechenzentrum bei Rostock für 5,6 Milliarden Euro

Die Schwarz-Gruppe investiert Milliarden in ihre digitale Infrastruktur. Bei Rostock soll ein neues Rechenzentrum entstehen, das zunächst Lidl und Kaufland versorgt, langfristig aber auch für das Cloud-Geschäft von Schwarz Digits wichtig ist.

5,6 Milliarden Euro für ein Rechenzentrum bei Rostock

Wer an die Schwarz-Gruppe denkt, denkt wahrscheinlich zuerst an Lidl und Kaufland. Der Konzern baut allerdings seit Jahren parallel ein umfangreiches Digitalgeschäft auf. Dazu gehört nun ein weiteres großes Rechenzentrum in Deutschland.

In Dummerstorf südlich von Rostock will die Schwarz-Gruppe rund 5,6 Milliarden Euro in einen neuen Rechenzentrumsstandort investieren. Bis 2033 soll dort eine Kapazität von 240 Megawatt entstehen. Langfristig könnte der Standort noch wesentlich größer werden. Bis 2045 ist ein Ausbau auf eine Anschlussleistung von bis zu einem Gigawatt denkbar.

Damit geht es nicht um ein gewöhnliches Firmenrechenzentrum für einige interne Anwendungen. Die Dimension zeigt, welchen Stellenwert eigene Infrastruktur inzwischen für den Konzern hat.

Warum die Schwarz-Gruppe überhaupt Rechenzentren baut

Lidl und Kaufland erzeugen selbst enorme Datenmengen. Warenwirtschaft, Lieferketten, Bestellungen, Bezahlvorgänge, Kundenprogramme und interne Anwendungen benötigen Rechenleistung und Speicher.

Die Kapazitäten in Dummerstorf sollen deshalb zunächst für die Unternehmen der Schwarz-Gruppe selbst verwendet werden. Gleichzeitig ist das Rechenzentrum Teil einer größeren Strategie.

Mit Schwarz Digits betreibt die Gruppe eine eigene IT- und Digitalsparte. Dazu gehört unter anderem STACKIT, mit dem Schwarz einen eigenen Cloud Anbieter entwickelt.

Der Konzern versucht damit, Infrastruktur nicht nur selbst zu betreiben, sondern Cloud-Dienste auch anderen Unternehmen und öffentlichen Organisationen anzubieten.

Schwarz Digits soll zur europäischen Cloud-Alternative werden

Spannend ist das Projekt deshalb weniger wegen Lidl oder Kaufland als wegen der Ambitionen von Schwarz Digits.

Der Konzern positioniert seine Infrastruktur als europäische Alternative zu großen US-Anbietern wie Amazon Web Services und Microsoft Azure. Ein wichtiges Argument ist dabei die digitale Souveränität. Unternehmen und öffentliche Stellen sollen stärker kontrollieren können, wo ihre Daten verarbeitet werden und welche rechtlichen sowie technischen Abhängigkeiten entstehen.

Schwarz Digits wächst bereits deutlich. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz der Sparte um 15,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Als einen wesentlichen Wachstumstreiber nennt die Schwarz-Gruppe selbst die steigende Nachfrage nach der Cloud-Plattform STACKIT.

Für einen ernstzunehmenden Cloud-Anbieter reicht Software allein jedoch nicht. Er braucht Rechenzentren, Netzwerkverbindungen, Energie und genügend Kapazität, um neue Kunden aufnehmen zu können.

Genau hier werden Projekte wie Dummerstorf strategisch interessant.

240 Megawatt sind erst der Anfang

Bis 2033 soll das Rechenzentrum bei Rostock auf 240 Megawatt ausgelegt werden. Eine solche Leistungsangabe beschreibt allerdings nicht einfach die Rechenleistung der Server.

Rechenzentren benötigen Strom für Server, Speicher und Netzwerkhardware, aber auch für Kühlung und weitere technische Infrastruktur. Je größer ein Standort wird, desto wichtiger werden deshalb Energieversorgung und Netzanbindung.

Langfristig könnte Dummerstorf auf eine Anschlussleistung von bis zu einem Gigawatt erweitert werden. Ob diese Dimension tatsächlich erreicht wird, hängt von der weiteren Entwicklung des Projekts und dem zukünftigen Bedarf ab.

Die Größenordnung zeigt trotzdem, dass Schwarz hier für ein Szenario plant, in dem der Bedarf an Rechenleistung weiter deutlich wächst. Dazu gehören klassische Cloud-Anwendungen genauso wie datenintensive Dienste und KI.

Warum Dummerstorf bei Rostock?

Bei einem Rechenzentrum dieser Größenordnung entscheidet nicht nur der Grundstückspreis über den Standort. Eine der wichtigsten Fragen ist, ob dauerhaft genügend elektrische Leistung verfügbar ist.

Genau hier hat Mecklenburg-Vorpommern einen Vorteil.

Die Schwarz-Gruppe nennt die hohe Verfügbarkeit von Strom aus Onshore- und Offshore-Windkraft ausdrücklich als einen Grund für Dummerstorf. Der Standort verfügt außerdem über eine Anbindung an das Höchstspannungsnetz.

Das ist für große Rechenzentren relevant. Neue Server lassen sich vergleichsweise schnell aufstellen. Eine ausreichende Stromversorgung für Hunderte Megawatt kann dagegen zum limitierenden Faktor werden.

Zusätzlich hilft das vergleichsweise kühle Klima an der Ostseeküste bei der Kühlung der Infrastruktur.

Abwärme soll für Rostock genutzt werden

Ein weiterer Punkt ist die entstehende Wärme.

Server wandeln einen großen Teil der aufgenommenen elektrischen Energie letztlich in Wärme um. Bei großen Rechenzentren entstehen dadurch erhebliche Mengen Abwärme, die normalerweise über Kühlsysteme abgeführt werden müssen.

Für das Rechenzentrum in Dummerstorf soll geprüft werden, diese Energie für die Wärmeversorgung von Rostock zu nutzen. Mit den Stadtwerken wurde dafür eine Absichtserklärung vereinbart.

Technisch ist Abwärmenutzung allerdings kein automatischer Selbstläufer. Entscheidend sind unter anderem Temperaturniveau, Entfernung zum Wärmenetz, saisonaler Bedarf und die notwendige Infrastruktur.

Trotzdem ist es sinnvoll, diese Nutzung bereits bei der Planung eines neuen Rechenzentrums mitzudenken.

Schwarz baut bereits ein weiteres Rechenzentrum in Lübbenau

Dummerstorf ist nicht das einzige Großprojekt der Schwarz-Gruppe.

Im brandenburgischen Lübbenau baut Schwarz Digits bereits ein Rechenzentrum mit rund 200 Megawatt Leistung. Für dieses Projekt nennt der Konzern Investitionen in Milliardenhöhe.

Die beiden Standorte zeigen, dass Schwarz seine Rechenzentrumsinfrastruktur nicht nur punktuell erweitert.

Der Konzern baut parallel die physische Grundlage für ein wesentlich größeres Digitalgeschäft auf.

Das unterscheidet die Strategie von Unternehmen, die ihre Software und Dienste überwiegend auf Infrastruktur anderer Cloud-Anbieter betreiben.

Vom Einzelhändler zum Infrastrukturbetreiber

Für mich ist genau dieser Wandel der interessante Teil der Geschichte.

Ein Konzern, dessen bekannteste Marken Supermärkte und Discounter sind, investiert Milliarden in Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und Cybersicherheit. Die Schwarz-Gruppe versucht damit, eine immer größere Anzahl der für das eigene Geschäft benötigten technischen Ebenen selbst abzudecken.

Gleichzeitig entsteht daraus ein Produkt, das außerhalb des Konzerns angeboten werden kann.

Die Voraussetzungen dafür sind zumindest vorhanden. Die Schwarz-Gruppe setzte im Geschäftsjahr 2025 insgesamt 185,6 Milliarden Euro um und beschäftigte weltweit rund 604.000 Menschen. Schwarz Digits allein kam bereits auf 2,2 Milliarden Euro Umsatz.

Damit verfügt das Unternehmen über etwas, das für den Aufbau eines europäischen Hyperscalers entscheidend ist: einen großen internen Kunden, langfristigen Kapitalzugang und die Möglichkeit, Infrastruktur zunächst für den eigenen Bedarf aufzubauen.

Ob STACKIT langfristig tatsächlich auf Augenhöhe mit AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud konkurrieren kann, ist eine andere Frage.

Das Rechenzentrum bei Rostock zeigt aber, dass Schwarz bereit ist, für diesen Anspruch nicht nur Software zu entwickeln, sondern auch Milliarden in die darunterliegende Infrastruktur zu investieren.

FAQ

Wo baut die Schwarz-Gruppe ihr neues Rechenzentrum?

Das neue Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe soll in Dummerstorf südlich von Rostock in Mecklenburg-Vorpommern entstehen.

Wie viel investiert die Schwarz-Gruppe in das Rechenzentrum bei Rostock?

Für das Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock sind zunächst Investitionen von 5,6 Milliarden Euro vorgesehen.

Wie groß soll das Rechenzentrum in Dummerstorf werden?

Bis 2033 ist eine Kapazität von 240 Megawatt vorgesehen. Langfristig könnte der Standort bis 2045 auf eine Anschlussleistung von einem Gigawatt erweitert werden.

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