OpenAI bekommt einen neuen Chief Revenue Officer. Dali Rajic kommt vom Cybersecurity-Unternehmen Wiz und soll die globale Revenue-Organisation ausbauen. Seine Vita zeigt, worauf OpenAI dabei besonders setzt: Enterprise-Vertrieb und skalierbare Go-to-Market-Strukturen.
Dali Rajic wird Chief Revenue Officer von OpenAI
OpenAI baut seine kommerzielle Führungsebene um. Dali Rajic übernimmt als Chief Revenue Officer, kurz CRO, die Verantwortung für die globale Revenue-Organisation des Unternehmens.
Die Personalie wurde am 13. August 2026 bekannt gegeben. Rajic folgt auf Denise Dresser, die OpenAI nach einer Übergangsphase verlassen wird.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der OpenAI sein Geschäft mit Unternehmen deutlich ausbaut. Nach eigenen Angaben erreichen die Produkte des Unternehmens inzwischen mehr als eine Milliarde wöchentlich aktive Nutzer. Gleichzeitig nutzen mehr als zwei Millionen Unternehmen Produkte von OpenAI. Diese Zahl habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt.
Damit verändert sich auch die Aufgabe des Vertriebs. Für OpenAI geht es nicht mehr nur darum, neue Kunden für ChatGPT oder die API zu gewinnen. Das Unternehmen muss Strukturen schaffen, mit denen sich ein zunehmend großes und internationales Enterprise-Geschäft dauerhaft betreiben lässt.
Genau dafür soll Rajic verantwortlich sein.
Wer ist Dali Rajic?
Dali Rajic ist vor allem im Enterprise-Software- und Cloud-Geschäft zu Hause. Vor seinem Wechsel zu OpenAI war er President und Chief Operating Officer beim Cybersecurity-Unternehmen Wiz.
Davor arbeitete Rajic mehrere Jahre bei Zscaler. Dort begann er 2019 als President Go-to-Market und Chief Revenue Officer. Später war er President und COO des Cloud-Security-Unternehmens.
Noch früher war Rajic als Chief Customer and Revenue Officer bei AppDynamics tätig. Dort verantwortete er unter anderem Prozesse von Pre-Sales und Vertrieb bis hin zu Services und Customer Success.
Weitere Stationen seiner Karriere umfassen BMC Software und Verint.
Damit holt OpenAI keinen klassischen Produkt- oder Forschungsmanager in die neue Position. Rajics Erfahrung liegt vor allem darin, wachsende Technologieunternehmen kommerziell zu strukturieren und komplexe Enterprise-Produkte an große Kunden zu verkaufen.
Von Wiz zu OpenAI
Besonders interessant ist Rajics jüngste Station bei Wiz.
Wiz gehört zu den schnell gewachsenen Unternehmen im Cloud-Security-Markt und wurde inzwischen von Google übernommen. Rajic war dort als President und COO tätig und damit direkt mit der operativen Skalierung des Unternehmens beschäftigt.
Für OpenAI ist diese Erfahrung relevant, weil sich das Unternehmen inzwischen mit ähnlichen Herausforderungen auseinandersetzen muss.
Eine erfolgreiche KI im Labor zu entwickeln und einzelne Produkte erfolgreich am Markt zu etablieren, ist etwas anderes, als globale Vertriebsstrukturen für Tausende größere Organisationen aufzubauen.
Unternehmenskunden erwarten Vertragsstrukturen, Support, Account Management, Sicherheitsprozesse, Integrationen und verlässliche Ansprechpartner. Gleichzeitig unterscheiden sich die Anforderungen eines internationalen Konzerns deutlich von denen eines Startups, das hauptsächlich über eine API auf Modelle zugreift.
OpenAI beschreibt Rajics Aufgabe deshalb selbst nicht einfach als Ausbau des Vertriebs. Er soll ein skalierbares “Revenue Operating System” für die nächste Wachstumsphase schaffen.
OpenAI setzt stärker auf Enterprise-Kunden
Die Ernennung zeigt damit auch, welche Bedeutung Unternehmenskunden inzwischen für OpenAI haben.
ChatGPT ist zwar weiterhin das sichtbarste Produkt des Unternehmens. Hinter der Consumer-Plattform entsteht jedoch ein umfangreiches B2B-Geschäft.
Dazu gehören Produkte wie ChatGPT Enterprise und ChatGPT Business ebenso wie die API-Plattform, über die Unternehmen OpenAIs Modelle direkt in eigene Anwendungen und Prozesse integrieren können.
Für größere Kunden wird dabei nicht allein die technische Leistungsfähigkeit eines Modells relevant. Entscheidend sind auch Kosten, Sicherheit, Datenschutz, Verfügbarkeit und die Möglichkeit, Anwendungen unternehmensweit auszurollen.
Damit bewegt sich OpenAI zunehmend in einem Markt, den etablierte Enterprise-Software-Anbieter seit Jahrzehnten bearbeiten.
Das Unternehmen konkurriert dabei nicht nur mit anderen Modellanbietern. Microsoft, Google, Anthropic und zahlreiche spezialisierte Startups versuchen ebenfalls, ihre KI-Produkte direkt in Unternehmensprozessen zu verankern.
Eine professionelle Go-to-Market-Organisation wird deshalb zu einem immer wichtigeren Teil der Strategie.
Was macht ein Chief Revenue Officer?
Die Rolle eines Chief Revenue Officers kann je nach Unternehmen unterschiedlich aussehen. Vereinfacht gesagt soll ein CRO dafür sorgen, dass aus Produkten und Nachfrage ein skalierbares Geschäft entsteht.
Dazu gehören typischerweise Bereiche wie Vertrieb, Go-to-Market-Strategie, Account Management, Customer Success und die Planung kommerzieller Prozesse.
Bei schnell wachsenden Softwareunternehmen geht es dabei nicht nur um möglichst viele neue Abschlüsse.
Vertrieb muss reproduzierbar werden.
Ein Unternehmen muss beispielsweise wissen, welche Kundengruppen besonders relevant sind, wie lange Verkaufsprozesse dauern, welche Ressourcen große Kunden benötigen und wie sich bestehende Kunden langfristig entwickeln.
Bei OpenAI kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Die technischen Möglichkeiten der eigenen Produkte verändern sich sehr schnell.
Neue Modelle oder Funktionen können innerhalb kurzer Zeit neue Einsatzmöglichkeiten schaffen. Gleichzeitig müssen Unternehmen erst Prozesse entwickeln, um diese Technologien sinnvoll und sicher einzusetzen.
Ein CRO muss deshalb nicht nur Nachfrage bedienen, sondern eine Organisation schaffen, die mit diesem Tempo umgehen kann.
Warum Rajics Erfahrung zu OpenAI passt
Rajics bisherige Karriere weist ein wiederkehrendes Muster auf.
AppDynamics, Zscaler und Wiz entwickelten technische Produkte für Unternehmenskunden und befanden sich während seiner jeweiligen Tätigkeiten in starken Wachstumsphasen.
Dabei handelt es sich um Märkte, in denen Produkte erklärungsbedürftig sind und Kaufentscheidungen häufig nicht von einer einzelnen Person getroffen werden.
Genau das trifft inzwischen auch auf viele KI-Projekte zu.
Ein einzelner Mitarbeiter kann ChatGPT innerhalb weniger Minuten verwenden. Die unternehmensweite Einführung eines KI-Systems ist dagegen ein deutlich komplexerer Prozess.
IT, Security, Datenschutz, Einkauf, Fachabteilungen und Management können daran beteiligt sein. Für Anbieter entsteht dadurch ein klassisches Enterprise-Sales-Problem.
OpenAI braucht deshalb neben leistungsfähigen Modellen zunehmend Prozesse, mit denen solche Kunden systematisch gewonnen und betreut werden können.
Rajics Ernennung passt zu dieser Entwicklung.
OpenAI baut auch seine Go-to-Market-Struktur aus
Die neue CRO-Position ist nicht die einzige Maßnahme.
OpenAI kündigte gleichzeitig eine strategische Partnerschaft mit Chad Peets und RPT Partners an. Gemeinsam soll die Go-to-Market-Organisation weiterentwickelt werden.
Auch das spricht dafür, dass OpenAI sein kommerzielles Wachstum stärker systematisieren möchte.
Das Unternehmen verfügt bereits über enorme Reichweite. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Reichweite in dauerhaft funktionierende Geschäftsbeziehungen zu übersetzen.
Gerade im Enterprise-Markt reicht Bekanntheit allein dafür nicht aus.
Vertrieb, Implementierung und Betreuung müssen mit der Nachfrage skalieren.
Was der Wechsel für OpenAI bedeutet
Die Ernennung von Dali Rajic wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Personalie auf Führungsebene. Strategisch ist sie jedoch interessanter.
OpenAI muss inzwischen zwei unterschiedliche Arten von Skalierung gleichzeitig beherrschen.
Auf der technischen Seite müssen Modelle, Rechenzentren und Infrastruktur mit einer enormen Nutzung wachsen. Auf der kommerziellen Seite muss aus dieser Nutzung ein stabiles internationales Geschäft entstehen.
Rajic übernimmt den zweiten Teil dieser Gleichung.
Seine bisherigen Stationen zeigen, dass OpenAI dabei gezielt Erfahrung aus dem klassischen Enterprise-Softwaregeschäft einkauft.
Das ist auch ein Zeichen dafür, wie sich der KI-Markt verändert hat.
Die erste Phase drehte sich vor allem darum, welche Modelle technisch möglich sind. Die nächste Phase entscheidet zunehmend darüber, wie diese Modelle tatsächlich in Unternehmen eingesetzt und verkauft werden.
Für OpenAI wird die Qualität seiner Forschung deshalb weiterhin entscheidend bleiben. Gleichzeitig werden Vertrieb, Kundenbeziehungen und operative Prozesse wichtiger.
Mit Dali Rajic bekommt dieser Teil des Unternehmens nun einen Manager, dessen bisherige Karriere fast vollständig auf genau diese Aufgabe ausgerichtet war.
Quelle: OpenAI: “OpenAI appoints Dali Rajic as Chief Revenue Officer”
FAQ
Wer ist Dali Rajic?
Dali Rajic ist ein Technologie-Manager mit langjähriger Erfahrung im Enterprise-Vertrieb. Vor OpenAI war er unter anderem President und COO bei Wiz sowie in Führungspositionen bei Zscaler und AppDynamics tätig.
Welche Aufgabe übernimmt Dali Rajic bei OpenAI?
Rajic wird Chief Revenue Officer von OpenAI und übernimmt damit die Leitung der globalen Revenue-Organisation. Sein Schwerpunkt liegt auf Vertrieb, Go-to-Market-Strukturen und dem Geschäft mit Unternehmenskunden.
Was bedeutet Chief Revenue Officer?
Ein Chief Revenue Officer, kurz CRO, verantwortet typischerweise die kommerzielle Wachstumsstrategie eines Unternehmens. Dazu gehören je nach Organisation Vertrieb, Go-to-Market, Kundenentwicklung und weitere umsatzbezogene Bereiche.



