Build the Wall: Warum der Tetris-Klon des Weißen Hauses verschwunden ist

Das Weiße Haus entfernt "Build the Wall": Was hinter dem Tetris-Klon, der Kritik und dem Streit um die Rechte am Spiel steckt

Dieser Artikel hat eine Lesedauer von 5 minutes Minuten.

Build the Wall: Warum der Tetris-Klon des Weißen Hauses verschwunden ist

Das Weiße Haus hat mit “Build the Wall” einen Tetris-ähnlichen Titel aus seiner eigenen Online-Arcade entfernt. Das Spiel verband bekannte Retro-Mechaniken mit der Migrationspolitik der Trump-Regierung.

“Build the Wall” verschwindet aus der White House Arcade

Seit Anfang September 2026 betreibt das Weiße Haus auf seiner offiziellen Webseite eine eigene Arcade mit einfachen Browserspielen. Die Titel orientieren sich deutlich an bekannten Klassikern und verbinden deren Spielprinzipien mit politischen Themen der Regierung von Donald Trump.

Eines dieser Spiele hieß “Build the Wall”. Das Prinzip erinnerte unmittelbar an Tetris: Unterschiedlich geformte Blöcke fielen von oben auf das Spielfeld und mussten möglichst passend angeordnet werden.

Der Unterschied lag im Ziel. Statt vollständige Reihen verschwinden zu lassen, sollten die Blöcke eine Mauer bilden. Damit sollte laut Spiel eine “Zombie Border Siege”, also eine Belagerung der Grenze durch Zombies, aufgehalten werden.

Inzwischen ist “Build the Wall” nicht mehr verfügbar. Der ursprüngliche Eintrag wurde entfernt und die entsprechende Seite liefert einen Fehler.

Ein Tetris-Klon mit politischer Botschaft

Technisch war “Build the Wall” kein besonders komplexes Spiel. Interessant war vielmehr die Kombination aus einem weltweit bekannten Spielprinzip und einer konkreten politischen Botschaft.

Tetris funktioniert seit mehr als 40 Jahren nach einem sehr einfachen Grundgedanken: Blöcke werden so angeordnet, dass vollständige Reihen entstehen und anschließend verschwinden.

“Build the Wall” drehte dieses Prinzip gewissermaßen um. Die Blöcke sollten nicht verschwinden, sondern eine möglichst stabile Barriere bilden.

Dabei blieb es nicht bei einer abstrakten Mauer. Das Szenario bezog sich klar auf die US-Grenzpolitik. Figuren außerhalb der Mauer wurden als Bedrohung inszeniert. Genau diese Darstellung sorgte für Kritik. Mehrere Medien bezeichneten das Spiel wegen seiner Darstellung von Migranten als rassistisch.

Damit wird aus einer simplen Gaming-Mechanik politische Kommunikation.

Die Tetris Company distanziert sich

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Reaktion der Tetris Company, die die Rechte an der Marke Tetris und verschiedenen Elementen des Spiels verwaltet.

Das Unternehmen stellte öffentlich klar, nicht an der Entwicklung von “Build the Wall” beteiligt gewesen zu sein und das Spiel weder autorisiert noch lizenziert zu haben.

Gleichzeitig erklärte die Tetris Company, mögliche Verletzungen ihrer Rechte ernst zu nehmen und die Angelegenheit zu prüfen.

Wenige Tage später war “Build the Wall” nicht mehr auf der Webseite des Weißen Hauses verfügbar.

Ein direkter Zusammenhang liegt zeitlich nahe, offiziell bestätigt wurde er zunächst jedoch nicht. Das Weiße Haus erklärte nicht öffentlich, aus welchem konkreten Grund das Spiel entfernt wurde.

Gerade bei Fragen rund um Urheberrecht ist diese Unterscheidung wichtig. Aus der zeitlichen Abfolge lässt sich nicht automatisch ableiten, dass eine rechtliche Intervention die Entfernung verursacht hat.

Kann man Tetris überhaupt kopieren?

Die rechtliche Frage hinter solchen Spieleklonen ist interessanter, als sie zunächst erscheint.

Eine allgemeine Spielidee lässt sich nicht ohne Weiteres monopolisieren. Ein Spiel mit fallenden Blöcken ist deshalb nicht automatisch eine Urheberrechtsverletzung.

Entscheidend kann sein, wie stark konkrete geschützte Gestaltungselemente übernommen werden. Dazu können beispielsweise die Form und Darstellung der Spielsteine, das Spielfeld, bestimmte visuelle Elemente oder deren Kombination gehören.

Die Tetris Company hat in der Vergangenheit bereits erfolgreich gegen einen besonders nah am Original gestalteten Tetris-Klon geklagt.

Das bedeutet nicht, dass jedes Puzzle mit fallenden Blöcken rechtlich problematisch ist. Je näher Gestaltung und Präsentation jedoch an einem bestehenden Spiel liegen, desto relevanter wird die konkrete Umsetzung.

Bei “Build the Wall” kam hinzu, dass die Ähnlichkeit mit Tetris offensichtlich Teil des Wiedererkennungswerts war.

Vier Spiele bleiben weiterhin online

Mit dem Ende von “Build the Wall” ist die White House Arcade nicht verschwunden.

Am 10. September 2026 waren auf der offiziellen Webseite weiterhin vier Spiele verfügbar:

  • “Flappy Bill”
  • “Rio Run”
  • “Supply Line”
  • “Trump Savings Tycoon”

Zusätzlich kündigt eine weitere Kachel ein kommendes Spiel an.

Auch diese Titel greifen bekannte Spielkonzepte auf.

“Flappy Bill” orientiert sich am Prinzip von “Flappy Bird”. In “Supply Line” werden Lebensmittel sortiert und mit der Ernährungsinitiative “Make America Healthy Again” verbunden. “Trump Savings Tycoon” macht die sogenannten Trump Accounts für Kinder zum Spielthema.

Besonders auffällig ist “Rio Run”. Dort bewegt sich die Spielfigur entlang des Rio Grande und fängt Migranten ein, die anschließend als Gefangene hinter ihr erscheinen. Das Spiel erinnert in Teilen an das grundlegende Bewegungsprinzip von “Snake”.

Damit bleibt die Verbindung zwischen Retrospielen und Politik auch nach dem Verschwinden von “Build the Wall” erhalten.

Warum eine Regierung plötzlich Browserspiele baut

Interessant ist an der White House Arcade deshalb nicht nur die Frage, wie ähnlich einzelne Titel bekannten Spielen sind.

Die Arcade zeigt auch, wie sich politische Kommunikation verändert.

Regierungen veröffentlichen längst nicht mehr nur Pressemitteilungen, Reden und Videos. Inhalte werden zunehmend für Plattformen und Formate produziert, die ursprünglich wenig mit klassischer politischer Kommunikation zu tun haben.

Ein kleines Browserspiel hat dabei mehrere Vorteile. Es ist leicht verständlich, lässt sich über soziale Netzwerke verbreiten und kann eine politische Aussage in eine einfache Interaktion übersetzen.

Bei “Build the Wall” musste die Botschaft beispielsweise kaum erklärt werden. Die politische Forderung wurde direkt zum Spielziel.

Das macht solche Spiele aus kommunikativer Sicht interessant. Sie erklären keine komplexe Politik. Sie reduzieren ein Thema auf eine Mechanik, ein Ziel und eine eindeutige Rollenverteilung.

Genau darin liegt gleichzeitig das Problem. Gesellschaftliche und politische Konflikte lassen sich in einem simplen Arcade-Spiel kaum differenziert darstellen.

Für die digitale Gesellschaft ist die White House Arcade deshalb ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie stark Unterhaltung, Internetkultur und politische Kommunikation inzwischen ineinandergreifen.

Mehr als nur ein schlechter Tetris-Klon

“Build the Wall” wäre als gewöhnliches Browserspiel vermutlich kaum aufgefallen. Relevant wurde es durch den Absender.

Wenn die offizielle Webseite des Weißen Hauses ein bekanntes Spielprinzip verwendet, um Grenzpolitik als Arcade-Spiel aufzubereiten, bekommt selbst ein technisch simples Projekt politische Bedeutung.

Die Reaktion der Tetris Company zeigt gleichzeitig eine Grenze dieser Strategie. Bekannte Spiele bringen sofort Wiedererkennung, gehören aber Marken und Unternehmen, die nicht zwangsläufig Teil einer politischen Kampagne werden möchten.

“Build the Wall” ist inzwischen verschwunden. Die White House Arcade bleibt.

Und die nächste Kachel trägt bereits die Ankündigung: “A new adventure awaits.”

FAQ

Was war "Build the Wall"?

“Build the Wall” war ein Tetris-ähnliches Browserspiel auf der offiziellen Webseite des Weißen Hauses. Spieler sollten mit fallenden Blöcken eine Grenzmauer errichten.

Warum wurde der Tetris-Klon des Weißen Hauses entfernt?

Einen offiziellen Grund nannte das Weiße Haus zunächst nicht. Die Entfernung erfolgte jedoch kurz nachdem sich die Tetris Company von dem Spiel distanziert und mögliche Verletzungen ihrer Rechte thematisiert hatte.

Welche Spiele gibt es noch in der White House Arcade?

Am 10. September 2026 waren unter anderem “Flappy Bill”, “Rio Run”, “Supply Line” und “Trump Savings Tycoon” weiterhin auf der Arcade-Seite des Weißen Hauses verfügbar.

oliverjessner.at als bevorzugte Quelle bei Google hinzufügen

Interesse an einer Zusammenarbeit?


Ob konkrete Anfrage, lose Idee oder erster Austausch: Schreib mir, wenn du denkst, dass wir gut zusammenpassen könnten.



iPhone mit einem eingehenden Anruf von Oliver Jessner