Venture Capital im Profisport: Warum VCs jetzt Fußballclubs kaufen

Collaborative Fund steigt bei D.C. United ein. Warum Venture Capital Profisport plötzlich als Plattform, Infrastruktur und Anlage entdeckt

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Venture Capital im Profisport: Warum VCs jetzt Fußballclubs kaufen

Venture-Capital-Fonds investieren normalerweise in Startups. Collaborative Fund steigt nun bei D.C. United ein und zeigt, warum Profisport für Tech-Investoren zu einer eigenen Anlageklasse werden könnte.

Collaborative Fund steigt bei D.C. United ein

Der New Yorker Venture-Capital-Investor Collaborative Fund beteiligt sich am Fußballclub D.C. United und damit indirekt auch an einem der interessantesten Vermögenswerte des Clubs: dem Audi Field in Washington, D.C.

Das ist bemerkenswert, weil Collaborative Fund eigentlich aus einer anderen Welt kommt. Das Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde US-Dollar und investierte früh in Unternehmen wie Lyft, Reddit, Sweetgreen, Olipop und Whoop.

Nun landet Kapital aus diesem Umfeld im Profifußball.

TechCrunch beschreibt die Beteiligung als Teil eines größeren Trends: Venture-Capital-Gesellschaften beginnen, Sportvereine nicht mehr nur als Spielzeug vermögender Tech-Gründer oder als klassisches Private-Equity-Investment zu betrachten. Stattdessen werden Clubs selbst zu strategischen Assets.

Bei Collaborative Fund ist vor allem interessant, wie der Fonds die Beteiligung begründet.

Es geht nicht nur darum, einen Anteil an einem Fußballverein zu kaufen und später zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen.

Ein Fußballclub als Plattform

Craig Shapiro, Gründer und Managing Partner von Collaborative Fund, bezeichnet eine Sportfranchise sinngemäß als das ultimative Konsumprodukt.

Die Aussage klingt zunächst etwas nach Investorensprache. Dahinter steckt aber eine nachvollziehbare These.

Ein Fußballclub verfügt über etwas, das viele Startups erst teuer aufbauen müssen: eine bestehende Community, wiederkehrende Aufmerksamkeit und direkten Kontakt zu tausenden Konsumenten.

Bei D.C. United kommt mit dem Audi Field eine physische Infrastruktur hinzu.

Rund um Heimspiele kommen regelmäßig zehntausende Menschen an einen definierten Ort. Sie kaufen Tickets, Essen, Getränke und Merchandise. Sie nutzen Apps, sehen Sponsoren und interagieren mit Marken.

Für einen Investor mit einem breiten Consumer-Portfolio wird das Stadion dadurch zu mehr als einer Sportstätte.

Collaborative Fund könnte dort beispielsweise Produkte eigener Beteiligungen integrieren. TechCrunch nennt den Fitness-Tracker Whoop und den Getränkehersteller Olipop als mögliche Beispiele. Ein Wearable könnte rund um Spiele vermarktet werden, während Getränke aus dem Portfolio direkt in den Verkaufsstellen des Stadions landen könnten.

Der Fußballclub wird damit gleichzeitig Investment, Marketingkanal und Vertriebsinfrastruktur.

Thrive Capital hat den Weg vorgezeichnet

Ganz neu ist das Interesse von Tech-Investoren am Profisport nicht.

Neu ist eher, dass sich die Struktur der Investments verändert.

Joshua Kushners Thrive Capital gründete 2026 mit Thrive Eternal ein eigenes Vehikel für Vermögenswerte, die möglichst lange gehalten werden sollen. Dazu gehören insbesondere bekannte Sportfranchises und kulturelle Institutionen.

Thrive Eternal beteiligte sich zunächst an den San Francisco Giants aus der Major League Baseball. Wenige Monate später folgte ein wesentlich größeres Geschäft.

Joshua Kushner und der ehemalige Disney-Chef Bob Iger vereinbarten den Kauf einer kontrollierenden Beteiligung an den Los Angeles Lakers. Die Transaktion bewertet den NBA-Club mit 12,5 Milliarden US-Dollar und wäre damit einer der größten Deals der Sportgeschichte.

Thrive verfolgt dabei allerdings ein anderes Modell als Collaborative Fund.

Thrive Eternal wurde gezielt als langfristige Holding für solche Vermögenswerte geschaffen. Collaborative Fund nutzt dagegen denselben Fonds, aus dem normalerweise Seed- und Series-A-Investments finanziert werden.

Das macht den Einstieg bei D.C. United aus Sicht des Venture Capitals interessanter.

Der Fußballclub befindet sich plötzlich im selben wirtschaftlichen Kontext wie klassische Technologie- und Consumer-Startups.

Warum Sport für Investoren attraktiver wird

Ein wesentlicher Faktor sind die Bewertungen.

D.C. United wurde 2008 noch mit rund 35 Millionen US-Dollar bewertet. Heute liegt die Bewertung laut Forbes bei etwa 785 Millionen US-Dollar.

Auch die Major League Soccer insgesamt hat deutlich an Wert gewonnen. Neue Stadien, steigende Medienerlöse, Sponsoring, internationale Spieler und die wachsende Bedeutung des Fußballs in den USA haben die wirtschaftliche Basis vieler Clubs verändert.

Bei D.C. United kommt hinzu, dass das Audi Field und weitere wirtschaftliche Rechte Teil des Ökosystems rund um den Club sind.

Der Investor kauft also nicht einfach elf Spieler und ein Vereinslogo.

Zu einem modernen Profisportclub gehören Medienrechte, Sponsoringverträge, Hospitality, Immobilien, Veranstaltungen, Merchandising, Nachwuchsprogramme, digitale Plattformen und eine Marke mit teilweise jahrzehntelanger Kundenbindung.

Viele dieser Eigenschaften sind für Investoren attraktiv, weil sie nur schwer neu aufgebaut werden können.

Ein Startup kann ein neues soziales Netzwerk entwickeln. Es kann aber nicht ohne Weiteres eine Fangemeinschaft mit mehreren Generationen Geschichte replizieren.

Die KI macht reale Erlebnisse interessanter

Hinzu kommt ein Argument, das gerade aus der Technologiebranche selbst kommt.

Während immer mehr digitale Inhalte automatisiert oder mit KI erzeugt werden können, bleibt ein Fußballspiel ein physisches Ereignis mit begrenzter Kapazität.

Ein Sitzplatz im Stadion lässt sich nicht beliebig kopieren.

Das Spiel findet zu einem bestimmten Zeitpunkt statt. Menschen müssen tatsächlich erscheinen. Das Ergebnis steht vorher nicht fest.

Genau diese Knappheit könnte reale Erlebnisse wirtschaftlich interessanter machen.

Thrive Eternal beschreibt seine Strategie entsprechend als Suche nach Vermögenswerten mit Eigenschaften, die Technologie nicht einfach replizieren kann. Auch Collaborative Fund argumentiert laut TechCrunch damit, dass physische Erlebnisse in einer zunehmend synthetischen digitalen Umgebung an Bedeutung gewinnen könnten.

Das ist natürlich zunächst eine Investmentthese und keine gesicherte Entwicklung.

Sie erklärt aber, warum ausgerechnet einige der Unternehmen, die stark vom technologischen Wandel profitieren, gleichzeitig Kapital in sehr analoge Dinge stecken.

Sport gehört dazu.

Sportvereine lösen noch ein anderes Problem von Venture Capital

Es gibt noch einen strukturellen Unterschied zu klassischen Startup-Investments.

Ein Venture-Capital-Fonds sucht normalerweise Unternehmen, deren Wert sich innerhalb weniger Jahre vervielfachen kann. Dafür akzeptieren Investoren ein sehr hohes Risiko. Viele Beteiligungen scheitern, wenige erfolgreiche Unternehmen müssen einen großen Teil der Rendite erwirtschaften.

Ein etablierter Profisportverein funktioniert anders.

Es gibt nur eine begrenzte Zahl relevanter Clubs und Ligen. Neue Konkurrenten können nicht einfach eine zweite NBA oder eine neue Major League Soccer mit vergleichbarer Bedeutung gründen.

Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach erfolgreichen Sportmarken hoch.

Das macht etablierte Franchises zu knappen Gütern.

Allerdings passt genau diese Eigenschaft nicht perfekt zum traditionellen VC-Modell. Beteiligungen an Sportvereinen sind weniger liquide als börsennotierte Aktien und verfügen nicht automatisch über einen klaren Exit innerhalb eines klassischen Fondszeitraums.

Thrive löst dieses Problem mit einem langfristigen Vehikel.

Bei Collaborative Fund wird deshalb besonders interessant sein, wie lange die Beteiligung an D.C. United tatsächlich gehalten werden soll und welche Rendite der Fonds von einem solchen Investment erwartet.

Das Stadion wird zum realen App Store

Der vielleicht spannendste Aspekt der Beteiligung ist deshalb nicht die mögliche Wertsteigerung von D.C. United.

Es ist die Distribution.

In der Tech-Branche sind Unternehmen zunehmend abhängig von wenigen großen Plattformen. Wer Kunden erreichen will, kauft Werbung bei Google, Meta oder TikTok, optimiert für App Stores oder bezahlt Influencer.

Ein Sportverein kontrolliert dagegen einen eigenen Zugang zu einer klar definierten Zielgruppe.

Fans kommen freiwillig.

Sie verbringen mehrere Stunden vor Ort.

Sie kaufen Produkte.

Sie tragen Marken auf Kleidung.

Sie laden Vereins-Apps herunter.

Und sie kommen im besten Fall regelmäßig zurück.

Für einen Investor mit Beteiligungen an Consumer-Unternehmen kann ein Stadion deshalb fast wie ein physischer App Store funktionieren.

Collaborative Fund könnte Produkte testen, neue Marken präsentieren oder Partnerschaften zwischen verschiedenen Portfoliounternehmen aufbauen, ohne jedes Mal vollständig von externen Plattformen abhängig zu sein.

Damit verändert sich auch die Frage, was ein Venture-Capital-Fonds überhaupt besitzt.

Nicht nur Firmenanteile.

Sondern möglicherweise auch die Infrastruktur, über die diese Firmen ihre Kunden erreichen.

Der interessante Teil kommt erst jetzt

Ob daraus tatsächlich ein neues Modell für Venture Capital entsteht, lässt sich noch nicht sagen.

Collaborative Fund ist im Vergleich zu den großen Private-Equity-Investoren im Sport ein kleiner Akteur. Auch die Beteiligung an D.C. United muss noch von der Major League Soccer genehmigt werden.

Trotzdem ist das Investment bemerkenswert.

Thrive Capital betrachtet Sportfranchises als langfristige Vermögenswerte, deren kulturelle Bedeutung kaum technologisch kopiert werden kann.

Collaborative Fund geht einen Schritt in eine andere Richtung und betrachtet einen Fußballclub zusätzlich als operative Plattform für das eigene Portfolio.

Wenn dieses Modell funktioniert, könnten weitere Venture-Capital-Fonds anfangen, ähnlich zu denken.

Dann investieren VCs nicht mehr nur in das nächste Consumer-Startup.

Sie kaufen möglicherweise auch gleich den Ort, an dem dessen zukünftige Kunden sitzen.

FAQ

Warum investieren Venture-Capital-Fonds in Sportvereine?

Sportvereine verbinden knappe Beteiligungsmöglichkeiten, loyale Fangemeinschaften, Medienrechte, reale Infrastruktur und direkten Zugang zu Konsumenten. Für einige Fonds werden Clubs dadurch nicht nur zur Geldanlage, sondern auch zur Plattform für andere Beteiligungen.

Was unterscheidet Collaborative Fund von Thrive Capital?

Thrive Capital nutzt mit Thrive Eternal ein langfristig angelegtes Vehikel für Sport- und Kulturgüter. Collaborative Fund investiert dagegen aus seinem bestehenden Venture-Fonds und betrachtet D.C. United zugleich als Vertriebs- und Testplattform.

Wie viel ist D.C. United wert?

Forbes bewertet D.C. United 2026 mit rund 785 Millionen US-Dollar. Zur Beteiligung des Collaborative Fund wurde bislang keine konkrete Investitionssumme veröffentlicht.

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