Anbernic RG DS Plus im Test – der Nintendo DSi ist zurück?

Der Anbernic RG DS Plus setzt auf zwei Displays, Linux und Stylus. Im Test zeigt sich, wie gut Nintendo DS, PS1 und PSP wirklich laufen

Dieser Artikel hat eine Lesedauer von 9 Minuten.

Anbernic RG DS Plus im Test – der Nintendo DSi ist zurück?

Zwei Displays, Stylus und ein auf Nintendo DS zugeschnittenes Linux-System: Der Anbernic RG DS Plus erinnert bewusst an den Nintendo DSi. Im Test zeigt sich aber schnell, für welche Spiele er wirklich gedacht ist.

Anbernic RG DS Plus im Test – was ist das eigentlich?

Der Anbernic RG DS Plus ist ein Retro-Handheld mit zwei übereinander angeordneten Displays. Schon beim ersten Aufklappen wird klar, welches Vorbild hier Pate stand: Nintendo DS und Nintendo DSi.

Das ist mehr als eine optische Anspielung. Für die Emulation von Nintendo-DS-Spielen sind zwei getrennte Bildschirme schließlich ein entscheidender Vorteil. Viele andere Retro-Handhelds müssen beide DS-Displays auf einem einzelnen Bildschirm darstellen oder während des Spiels zwischen ihnen wechseln.

Beim RG DS Plus bekommt jedes Spiel wieder zwei physische Displays. Der untere Bildschirm unterstützt Touch-Eingaben und lässt sich mit dem im Gehäuse verstauten Stylus bedienen.

Mein Gerät hat inklusive Versand nach Österreich und mit Rabatt rund 92 Euro gekostet. Damit bewegt sich der RG DS Plus in einem interessanten Bereich: Er ist deutlich günstiger als viele leistungsfähigere Retro-Handhelds, konzentriert sich dafür aber auf einen vergleichsweise klar abgegrenzten Einsatzzweck.

Unboxing und erster Eindruck

Anbernic bietet den RG DS Plus unter anderem in Schwarz, Rosa und Metallic-Blau an. Ich habe mich für die blaue Variante entschieden.

Der blaue Anbernic RG DS Plus liegt beim Unboxing noch in seiner geöffneten Verpackung.

Im Lieferumfang befinden sich neben dem Handheld unter anderem ein Ladekabel, Displayschutzfolien, ein Trageband und die Anleitung. Der Stylus steckt direkt im Gehäuse und muss damit nicht separat mitgenommen werden.

An der Außenseite befinden sich unter anderem ein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss, Lautstärketasten, zwei USB-C-Anschlüsse und zwei Slots für microSD-Karten. Auf einer Speicherkarte befindet sich das Linux-System. Für die eigene Spielesammlung lässt sich eine zusätzliche Karte verwenden.

Seitenansicht des Anbernic RG DS Plus mit USB-C-Anschlüssen, Kopfhörerbuchse und Slots für microSD-Karten.

Beim Aufklappen fällt das relativ straffe Scharnier auf. Der Bildschirm bleibt dadurch zuverlässig in der gewählten Position. Das Öffnen und Verstellen benötigt allerdings etwas mehr Kraft, als ich es von manchen anderen Clamshell-Handhelds gewohnt bin.

Im Inneren befinden sich die üblichen ABXY-Tasten, Start und Select, ein Steuerkreuz, ein einzelner Analogstick sowie vier Schultertasten.

Der aufgeklappte blaue Anbernic RG DS Plus mit zwei Displays, Steuerkreuz, Analogstick und ABXY-Tasten.

Das gesamte Gerät ist größer als ein klassischer Nintendo DS. Gleichzeitig bleibt das Format kompakt genug, um den RG DS Plus problemlos unterwegs mitzunehmen.

Linux statt Android

Auf dem Anbernic RG DS Plus läuft Linux und nicht Android.

Das passt überraschend gut zum Konzept des Geräts. Die Oberfläche konzentriert sich auf Spiele und verzichtet weitgehend auf Dinge, die bei einem Retro-Handheld nicht unbedingt notwendig sind.

Im Hauptmenü finden sich unter anderem:

  • Nintendo-DS-Spiele
  • RetroArch
  • Favoriten
  • zuletzt gespielte Titel
  • Anwendungen
  • Suche
  • Einstellungen
  • Neustart und Herunterfahren

Die Benutzeroberfläche zeigt außerdem Akkustand, Lautstärke, Displayhelligkeit, Speicherkarte und Netzwerkstatus an.

Linux-Oberfläche des Anbernic RG DS Plus mit RetroArch auf dem oberen und dem Systemmenü auf dem unteren Display.

Interessant ist die integrierte Suche. Damit lassen sich Spiele aus einer größeren Sammlung schnell finden. Wer mehrere Systeme und entsprechend viele ROMs auf seiner Speicherkarte hat, muss sich dadurch nicht ständig durch lange Listen bewegen.

RetroArch ist bereits integriert. Für viele klassische Systeme reicht es deshalb, die eigenen ROMs in die vorgesehenen Verzeichnisse zu kopieren.

Hier sollte man sich an die von Anbernic vorgesehene Ordnerstruktur halten. Dadurch können die Spiele automatisch den richtigen Systemen innerhalb der Oberfläche zugeordnet werden.

Die Linux-Oberfläche selbst verwendet den unteren Bildschirm nicht wie einen gewöhnlichen Desktop-Touchscreen. Seine eigentliche Bedeutung bekommt der Touchscreen bei Nintendo-DS-Spielen.

Emulator-Test – Game Boy, NES und SNES

Bei älteren Konsolen überrascht die Leistung des Anbernic RG DS Plus wenig.

Game Boy, NES und Super Nintendo liefen in meinem Test ohne auffällige Probleme. Ich habe bei NES und SNES jeweils mehrere europäische und amerikanische Spiele ausprobiert.

Ghosts 'n Goblins für NES läuft auf dem oberen Display des Anbernic RG DS Plus.

Auch Game-Boy-Advance-Spiele funktionierten problemlos. Dazu gehörten unter anderem verschiedene Pokémon-Spiele und F-Zero.

Pokémon Kristall-Edition für Game Boy Color auf dem Anbernic RG DS Plus.

Super Mario Land 2: 6 Golden Coins für Game Boy auf dem Anbernic RG DS Plus.

RetroArch übernimmt dabei den Großteil der Arbeit. Funktionen wie Fast Forward lassen sich direkt über die Schultertasten verwenden oder über das RetroArch-Menü konfigurieren.

Wer einen Handheld hauptsächlich für 8-Bit- und 16-Bit-Systeme sucht, bekommt allerdings zahlreiche Alternativen. Die eigentliche Besonderheit des RG DS Plus beginnt erst bei Nintendo DS.

PlayStation 1 funktioniert, aber nicht immer perfekt

Bei der ersten PlayStation wird es interessanter.

Crash Bandicoot lief in meinem Test grundsätzlich spielbar, fühlte sich aber nicht vollständig flüssig an. Gerade bei einem Spiel, bei dem schnelle Bewegungen und Sprünge wichtig sind, fallen solche Schwankungen stärker auf.

Crash Bandicoot für PlayStation 1 läuft auf dem oberen Bildschirm des Anbernic RG DS Plus.

Langsamere Spiele sind weniger problematisch. Digimon World 2 beispielsweise fühlt sich bereits im Original deutlich gemächlicher an. Entsprechend stören kleinere Leistungsschwankungen dort weniger.

Ein Kampf in Digimon World 2 für PlayStation 1 auf dem Anbernic RG DS Plus.

Grundsätzlich würde ich PlayStation 1 auf dem RG DS Plus als brauchbare Zusatzfunktion betrachten.

Wer dagegen höhere interne Auflösungen, aufwendige Filter oder eine besonders leistungsfähige PS1-Emulation erwartet, findet dafür geeignetere Geräte.

PSP zeigt die Grenzen des RG DS Plus

Deutlich schwieriger wird es bei der PlayStation Portable.

Schon durch das Displayformat entstehen oben und unten beziehungsweise seitlich ungenutzte Bereiche, abhängig von der gewählten Darstellung. Wichtiger ist allerdings die Leistung.

Bei GTA Vice City Stories musste ich Einstellungen reduzieren, um die Bildrate halbwegs stabil zu halten. Selbst dann ist das Ergebnis eher ein Kompromiss.

GTA: Vice City Stories für PSP läuft mit schwarzen Balken auf dem oberen Display des Anbernic RG DS Plus.

Noch deutlicher wurde das bei Digimon Adventure. In der Oberwelt fiel die Bildrate in meinem Test teilweise massiv ab. Kämpfe liefen etwas besser, insgesamt war das Spielerlebnis für mich aber nicht überzeugend.

Digimon Adventure für PSP auf dem oberen Bildschirm des Anbernic RG DS Plus.

Mit weiteren Einstellungen lassen sich möglicherweise noch einzelne Bilder pro Sekunde herausholen. Das ändert allerdings nichts an der grundsätzlichen Einordnung.

Wer gezielt PSP-Spiele emulieren möchte, sollte einen leistungsfähigeren Handheld wählen.

Nintendo DS – hier ergibt der RG DS Plus plötzlich Sinn

Der wichtigste Test ist natürlich Nintendo DS.

Und genau hier funktioniert das Konzept.

Der integrierte DS-Emulator nutzt beide Bildschirme. Das obere Display zeigt den oberen DS-Screen, der untere entsprechend den Touchscreen.

Über die Schultertasten können zusätzliche Funktionen aufgerufen werden. Dazu gehören unter anderem Fast Forward und das Tauschen der beiden Bildschirme.

Ich habe verschiedene Nintendo-DS-Spiele ausprobiert, darunter auch grafisch etwas anspruchsvollere Titel. Die Emulation lief dabei sehr flüssig.

C.O.P.: The Recruit für Nintendo DS nutzt beide Displays des Anbernic RG DS Plus für Spielwelt und Karte.

Dementium: The Ward für Nintendo DS läuft auf beiden Bildschirmen des Anbernic RG DS Plus.

Besonders interessant sind natürlich Pokémon-Spiele. Spiele wie Pokémon HeartGold und SoulSilver passen hervorragend zu diesem Handheld. Die Darstellung auf zwei getrennten Displays entspricht wesentlich stärker dem ursprünglichen Spielgefühl als Lösungen, bei denen beide Screens auf ein einzelnes Display gequetscht werden.

Pokémon Platin für Nintendo DS mit Kampf auf dem oberen und Touch-Menü auf dem unteren Display des Anbernic RG DS Plus.

Der Touchscreen lässt sich dabei tatsächlich wie beim Nintendo DS verwenden.

Damit bekommt der RG DS Plus einen klaren Vorteil gegenüber vielen anderen Geräten für Gaming.

Stylus und Touchscreen funktionieren auch bei speziellen DS-Spielen

Bei Nintendo DS reicht es nicht, einfach nur zwei Bildschirme darzustellen.

Einige Spiele verwenden den Touchscreen intensiv. Andere erwarten sogar ungewöhnliche Bewegungen oder eine bestimmte Haltung des Geräts.

Deshalb habe ich unter anderem Trauma Center ausprobiert. Die Bedienung mit dem Stylus funktioniert ordentlich und macht das Spiel grundsätzlich spielbar.

Trauma Center: Under the Knife für Nintendo DS wird mit dem Stylus auf dem Touchscreen des Anbernic RG DS Plus bedient.

Auch The Legend of Zelda: Spirit Tracks lässt sich über den unteren Touchscreen steuern. Eine minimale Verzögerung kann man dabei wahrnehmen, für Emulation befindet sich das für mich aber noch in einem guten Rahmen.

Interessant sind außerdem Spiele wie Hotel Dusk oder Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging, bei denen der Nintendo DS teilweise gedreht verwendet wird.

Auch das funktioniert mit dem RG DS Plus, ohne dass dafür komplizierte Sensoren oder zusätzliche Einstellungen konfiguriert werden müssen.

Hotel Dusk: Room 215 im Hochformat auf dem gedrehten Anbernic RG DS Plus, bedient mit dem Stylus.

Gerade diese Details sind wichtig. Ein Dual-Screen-Handheld ist für Nintendo DS nur dann wirklich sinnvoll, wenn nicht nur die beiden Displays vorhanden sind, sondern auch die ungewöhnlicheren Bedienkonzepte der Plattform funktionieren.

Ergonomie – der Analogstick ist die größte Schwäche

Nach mehreren Stunden mit dem RG DS Plus hatte ich ergonomisch vor allem ein Problem: den Analogstick.

Er ist relativ klein und erinnert eher an einen beweglichen Noppen als an einen klassischen Analogstick. Für kurze Sessions funktioniert das, auf Dauer fand ich ihn allerdings anstrengend.

Das Steuerkreuz ist brauchbar, auch wenn ich schon bessere D-Pads verwendet habe.

Für Nintendo-DS-Spiele ist der Analogstick zum Glück selten entscheidend. Genau deshalb fällt diese Schwäche bei der eigentlichen Paradedisziplin des Geräts weniger stark ins Gewicht.

Auch die Lautstärkewippe könnte besser platziert sein. Während des Spielens lässt sie sich nicht besonders angenehm ertasten und bedienen.

Die vier Schultertasten sind in Ordnung. L2 und R2 werden bei verschiedenen Emulatoren ohnehin häufig mit Zusatzfunktionen wie Fast Forward belegt.

Für Spiele, bei denen die Schultertasten ständig verwendet werden, würde ich ergonomisch andere Handhelds bevorzugen.

Zwei Displays mit 1024 × 768 Pixeln

Beide Displays des RG DS Plus sind 4,3 Zoll groß und lösen mit 1024 × 768 Pixeln auf.

Das ist für Nintendo DS besonders interessant. Die ursprüngliche DS-Auflösung von 256 × 192 Pixeln lässt sich damit exakt um den Faktor vier skalieren.

Der untere Bildschirm unterstützt Multi-Touch und den mitgelieferten kapazitiven Stylus.

Im Inneren arbeitet ein Quad-Core-Prozessor mit vier Cortex-A55-Kernen und bis zu 2 GHz. Dazu kommen eine ARM-G52-2EE-GPU und 1 GB RAM.

Die wichtigsten technischen Daten:

  • zwei 4,3-Zoll-IPS-Displays
  • 1024 × 768 Pixel pro Display
  • Quad-Core Cortex-A55 mit bis zu 2 GHz
  • ARM G52 2EE
  • 1 GB RAM
  • Linux
  • zwei microSD-Slots
  • Speichererweiterung bis 2 TB
  • WLAN mit 2,4 und 5 GHz
  • Bluetooth 4.2
  • 3,5-mm-Kopfhöreranschluss
  • USB-C
  • 4.000-mAh-Akku

Anbernic gibt eine Akkulaufzeit von bis zu sechs Stunden an. Wie viel davon in der Praxis übrig bleibt, hängt unter anderem vom Emulator, der Displayhelligkeit und der verwendeten Funkverbindung ab.

Die Hardware erklärt gleichzeitig, warum Nintendo 3DS nicht zum eigentlichen Einsatzgebiet gehört. Mit nur 1 GB RAM und diesem SoC ist der RG DS Plus klar für weniger anspruchsvolle Systeme konzipiert.

Für wen ist der Anbernic RG DS Plus gedacht?

Der RG DS Plus ist kein Handheld, der möglichst viele Systeme mit maximaler Leistung emulieren möchte.

Das ist gleichzeitig seine größte Stärke.

Wer GameCube, PlayStation 2, anspruchsvolle PSP-Spiele oder Nintendo 3DS spielen möchte, sollte sich nach leistungsfähigeren Geräten umsehen.

Wer bereits einen starken Android-Handheld besitzt, benötigt den RG DS Plus ebenfalls nicht unbedingt.

Interessant wird das Gerät für eine andere Zielgruppe: Menschen mit einer größeren Nintendo-DS-Sammlung, die ihre Spiele auf einem modernen Dual-Screen-Handheld spielen möchten und möglichst wenig konfigurieren wollen.

ROMs auf die Speicherkarte kopieren, Karte einsetzen, Spiel auswählen und starten. Für viele Systeme reicht genau das.

Fazit – ein spezialisierter Handheld statt Alleskönner

Der Anbernic RG DS Plus versucht nicht, der leistungsfähigste Retro-Handheld zu sein.

Bei PSP zeigen sich klare Grenzen. PlayStation 1 funktioniert, ist aber nicht die eigentliche Stärke des Geräts. Für klassische Systeme wie Game Boy, NES, SNES oder Game Boy Advance ist genügend Leistung vorhanden, allerdings benötigt man dafür keine zwei Displays.

Bei Nintendo DS ergibt die Hardware dagegen plötzlich Sinn.

Zwei Displays, Touchscreen, integrierter Stylus, Fast Forward, Screen Swap und ein unkompliziertes Linux-System ergeben zusammen einen Handheld, der sehr gezielt auf diese Plattform zugeschnitten ist.

Besonders Spiele wie Pokémon HeartGold und SoulSilver passen hervorragend zum RG DS Plus. Wer solche Titel unterwegs spielen möchte und dafür möglichst wenig Geld ausgeben will, bekommt hier eine interessante Lösung.

Man sollte nur mit den richtigen Erwartungen an das Gerät herangehen.

Der RG DS Plus ist kein Ersatz für leistungsfähige Android-Handhelds und keine Maschine für Nintendo 3DS oder anspruchsvolle PSP-Emulation.

Als moderner, günstiger Handheld für Nintendo DS funktioniert das Konzept dagegen erstaunlich gut.

FAQ

Ist der Anbernic RG DS Plus gut für Nintendo-DS-Spiele?

Ja. Nintendo-DS-Spiele gehören klar zu den Stärken des RG DS Plus. Die zwei Displays, der Touchscreen und der integrierte Stylus bilden das ursprüngliche Bedienkonzept deutlich besser ab als klassische Handhelds mit nur einem Bildschirm.

Kann der Anbernic RG DS Plus Nintendo 3DS emulieren?

Der RG DS Plus ist nicht als 3DS-Handheld ausgelegt. Die Hardware mit 1 GB RAM konzentriert sich auf deutlich weniger anspruchsvolle Systeme, insbesondere Nintendo DS und ältere Konsolen.

Wie gut laufen PSP und PlayStation 1 auf dem Anbernic RG DS Plus?

PlayStation-1-Spiele sind grundsätzlich spielbar, können aber je nach Titel an ihre Grenzen kommen. PSP ist deutlich problematischer und zeigte im Test bei anspruchsvolleren Spielen starke Einbrüche.

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