Was 0-Euro-Marketing für Solodevs und Side Projects leisten kann
Du hast ein Tool, eine App oder ein SaaS-Projekt gebaut, aber kein Budget für Ads oder PR? So machst du dein Produkt als Solodev mit 0 Euro Marketingbudget sichtbar, findest erste Nutzer und bekommst echtes Feedback.
Dieser Artikel hat eine Lesedauer von 19 minutes Minuten.

0-Euro-Marketing für Solodevs bedeutet nicht, dass Marketing mühelos ist. Du zahlst nur nicht mit Geld, sondern mit Zeit, Klarheit und Wiederholung.
diesem Artikel zeige ich dir, wie du dein Side Project ohne Ads oder PR-Budget sichtbar machst: über Launch-Plattformen, Product Hunt, Hacker News, Reddit, Social Media, GitHub-Awesome-Listen, Blogposts, SEO, Feedback und eine praktische To-do-Liste für den Launch.
P. S.: Am Ende findest du eine interaktive To-do-Liste.
Was du für 0-Euro-Marketing als Solodev brauchst
Für 0-Euro-Marketing brauchst du am Anfang kein großes Setup. Aber ein paar Grundlagen sollten stehen, bevor du dein Produkt öffentlich teilst.
- Pflicht Ein testbares Tool, eine App oder ein SaaS-Projekt
- Pflicht Ein Logo
- Pflicht Einen klaren Claim, der den Nutzen in einem Satz erklärt
- Pflicht Eine Landingpage mit Problem, Zielgruppe, Funktionen und Einstieg
- Pflicht Ein Growth Mindset
- Optional: ein GitHub-Repository
- Optional: Ein LinkedIn- und/oder Twitter/X-Profil
Erst Positionierung klären, dann Reichweite aufbauen
Viele Solodevs machen beim Launch denselben Fehler: Sie suchen zuerst nach Plattformen, auf denen sie ihr Produkt posten können. Das ist verständlich, aber oft zu früh.
Bevor du Product Hunt, Hacker News, Reddit oder irgendein Tool-Verzeichnis öffnest, sollten drei Fragen klar beantwortet sein.
- Wer hat das Problem?
- Was löst dein Produkt konkret?
- Warum ist deine Lösung besser, schneller, einfacher oder angenehmer als die naheliegende Alternative?
Diese Klarheit ist die Grundlage für alles Weitere. Sie entscheidet, ob deine Landingpage funktioniert, ob dein Product-Hunt-Post verstanden wird, ob dein Marketing nicht sofort nach Werbung riecht und ob jemand nach zehn Sekunden überhaupt begreift, warum dein Produkt existiert.
Marketing für Solodevs beginnt deshalb nicht bei Ads, sondern bei Verständlichkeit.
Launch-Plattformen für Solodevs: Sichtbarkeit ohne Werbebudget
Launch-Plattformen gibt es im Moment wie Sand am Meer. Einige davon können dir echte Sichtbarkeit, Feedback oder erste Nutzer bringen. Andere wirken eher wie SEO-Verzeichnisse mit hübscher Oberfläche. Trotzdem lohnt sich ein Blick darauf, wenn du als Solodev ohne großes Budget starten willst.
Wichtig ist: Sie sind kein Ersatz für Produktstrategie, keine Garantie für Nutzer und kein Growth-Hack!
Der praktische Nutzen liegt meist in vier Bereichen.
- Solche Plattformen bringen Sichtbarkeit außerhalb der eigenen Bubble.
- Es können Backlinks entstehen. Nicht jeder Link ist automatisch wertvoll, aber ein sauberer Eintrag auf einer thematisch passenden Plattform kann langfristig helfen, dass ein Produkt besser auffindbar wird.
- Man bekommt manchmal frühes Feedback.
- Eine Einreichung zwingt zur Verdichtung. Man muss in wenigen Sätzen erklären, was das Produkt macht.
Product Hunt
Product Hunt ist wahrscheinlich die bekannteste Plattform für Produkt-Launches. Besonders stark ist sie bei SaaS-Tools, Developer Tools, AI-Produkten, Design-Werkzeugen und kleinen digitalen Produkten.
Für Solodevs ist Product Hunt interessant, weil die Plattform ein klares Launch-Format vorgibt. Man braucht eine Headline, eine kurze Beschreibung, Screenshots, einen Link und idealerweise einen ersten Kommentar, der erklärt, warum das Produkt gebaut wurde.
Der Nachteil: Product Hunt ist kompetitiv. Viele Launches gehen schnell unter. Wer dort einreicht, sollte nicht erwarten, automatisch viel Traffic zu bekommen. Sinnvoll ist Product Hunt vor allem dann, wenn die Produktseite bereits verständlich ist und man ein kleines Netzwerk aktivieren kann.
Hacker News
Hacker News ist keine klassische Launch-Plattform. Trotzdem kann ein guter “Show HN”-Post für technische Produkte sehr wertvoll sein.
Der Vorteil liegt in der Zielgruppe. Auf Hacker News sitzen viele Entwickler, Gründer, technisch interessierte Produktmenschen und Early Adopter. Wer ein Developer Tool, ein Open-Source-Projekt oder ein technisch interessantes Side Project gebaut hat, kann dort sehr direktes Feedback bekommen.
Der Ton ist allerdings nüchtern. Marketing-Sprache funktioniert dort selten. Besser ist eine klare Erklärung: Was ist das Problem? Was macht das Tool? Warum wurde es gebaut? Was ist technisch interessant daran?
StackShare
StackShare ist besonders interessant, wenn ein Produkt als Teil eines technischen Stacks verstanden werden kann. Die Plattform ist weniger ein klassischer Launch-Ort und eher ein Verzeichnis für Tools, Technologien und Software-Stacks.
Für Developer Tools kann ein StackShare-Profil trotzdem sinnvoll sein. Es hilft, das Produkt in einen technischen Kontext zu setzen. Außerdem kann es Vertrauen schaffen, wenn ein Tool dort auffindbar ist und sauber beschrieben wird.
Spezialisierte Tool-Verzeichnisse
Neben den großen Plattformen gibt es viele kleinere Verzeichnisse. Für Solodevs können sie spannend sein, weil sie nicht auf einen großen Launch-Moment setzen, sondern langfristig auffindbare Produktseiten erzeugen.
Dazu zählen zum Beispiel DevHunt, Hot100.ai, EarlyHunt, OpenHunts, PeerPush, Findly.tools, LaunchDACH, SaaS Hub, Uneed und Fazier.
Achtung: Einige Launch-Seiten verlangen von dir, dass du solche hässlichen Badges auf deine Landingpage packst. Du kannst dir das bei SQLite Hub ansehen, ganz unten im Footer.
Genannte Launch-Verzeichnisse im Überblick
Hier noch einmal die Launch-Plattformen und Verzeichnisse, die im Artikel genannt wurden:
- Product Hunt
- Hot100.ai
- EarlyHunt
- OpenHunts
- PeerPush
- StackShare
- DevHunt
- Uneed
- Findly.tools
- LaunchDACH
- Fazier
- SaaS-Hub.de
Brute-Force-Marketing für dein Side Project
Wenn dir das manuelle Einreichen auf dutzenden Launch-Plattformen ungefähr so attraktiv erscheint wie eine Steuererklärung mit kaputtem Drucker, kannst du auch den Shortcut nehmen. LaunchDirectories bietet einen Service an, bei dem dein Produkt gegen Bezahlung bei über 100 Launch-Seiten eingereicht wird.
Kostet aktuell rund 200 US-Dollar und ist damit im Grunde die „bitte brute-force mein Produkt durchs Internet“-Variante. Kann Zeit sparen, kann ein paar Backlinks bringen, kann vielleicht auch den einen oder anderen Klick erzeugen.
Nur Wunder solltest du keine erwarten: Auch 100 Verzeichnisse ersetzen keine klare Positionierung, kein gutes Produkt und keine Zielgruppe, die wirklich ein Problem hat.
Social Media Marketing für Solodevs: Communities richtig nutzen
Launch-Plattformen sind gut, um Produktseiten zu erzeugen. Social Media und Communities sind besser, um Gespräche auszulösen.
Der Unterschied ist wichtig. Auf einer Launch-Plattform präsentierst du dein Produkt. In einer Community musst du erklären, warum es relevant ist. Das funktioniert selten mit einem reinen Werbepost.
Reddit ist keine klassische Launch-Plattform, kann für Solodevs aber trotzdem wertvoll sein. Der Vorteil liegt in den dedizierten Communities. Für fast jedes Thema gibt es passende Subreddits, etwa für Indie Hacking, SaaS, Developer Tools, Open Source oder bestimmte Programmiersprachen.
Wichtig ist dort aber der Kontext: Ein plumper Werbepost funktioniert nicht. Besser ist ein ehrlicher Beitrag, der erklärt, was gebaut wurde, welches Problem gelöst werden soll und bei welchem Feedback man konkret Hilfe sucht.
Twitter/X
Twitter/X kann für Solodevs interessant sein, wenn man bereits ein kleines Netzwerk in der Tech-, Indie-Hacker- oder Startup-Bubble hat. Die Plattform eignet sich weniger als klassisches Verzeichnis, sondern eher für kurze Produktupdates, Launch-Posts, Demo-Videos und Learnings aus dem Bauprozess.
Threads
Threads ist im Grunde das bessere X beziehungsweise Twitter. Natürlich gibt es auch hier Menschen, die Kommunikationsregeln eher als grobe Empfehlung verstehen. Insgesamt wirkt die Plattform aber etwas besser moderiert als Twitter.
Content-Strategie für Textplattformen wie Reddit, X und Threads
Wenn ich als Solodev Marketing mache, würde ich in erster Linie mit meinem privaten Profil starten. Gerade bei kleinen Produkten funktioniert es oft besser, wenn nicht nur ein Logo postet, sondern ein Mensch dahinter sichtbar wird. Menschen verbinden Produkte gerne mit Personen, Geschichten, Problemen und Gefühlen. Ein Produkt-Account mit „Wir freuen uns, Version 1.4.435 unseres Habit Trackers anzukündigen“ löst meistens ungefähr so viel Begeisterung aus wie ein leerer Changelog.
Für Textplattformen musst du deshalb etwas kreativer werden. Einfach nur zu posten, dass du etwas gebaut hast, funktioniert in der Regel nicht. Auf Reddit würde ich gezielt nach Subreddits suchen, die wirklich zu deiner Nische passen. Dort kannst du ehrlich erklären, welches Problem du hattest, warum dich bestehende Lösungen genervt haben und weshalb du dein eigenes Tool gebaut hast.
Auf X beziehungsweise Twitter und Threads kannst du zusätzlich gut mit der Suche arbeiten. Such täglich nach Begriffen, Problemen und Fragen rund um dein Thema. Wenn jemand genau über das Problem schreibt, das dein Produkt löst, kannst du dich sinnvoll in die Kommentarspalte einschleichen. Nicht mit „Kauf mein Tool“, sondern mit einer hilfreichen Antwort, einem konkreten Hinweis oder einer kurzen Erfahrung. Wenn es wirklich passt, kannst du dein Produkt erwähnen.
So kommunizierst du als Solodev auf Social Media ohne Werbung
Ich sehe auch heute noch Menschen, die wirken, als hätten sie Marketing im Jahr 2000 studiert und seitdem nie wieder ein soziales Netzwerk geöffnet. Die posten dann Dinge wie: „Hey, mein Habit Tracker ist der beste der Welt. Jetzt kostenlos testen.“ Und wundern sich anschließend, warum außer drei Bots, einem Krypto-Scam-Account und der eigenen Mutter niemand reagiert.
Das Problem ist nicht, dass Textplattformen nicht funktionieren. Das Problem ist, dass plumpe Produktwerbung dort meistens sofort nach Werbung riecht. Menschen scrollen nicht durch Reddit, Threads oder X, weil sie auf die nächste SaaS-Pressemitteilung warten. Sie suchen Unterhaltung, Austausch, Hilfe, Reibung, Meinung oder konkrete Antworten auf ein Problem.
Darum sollte deine Kommunikation nicht beim Produkt beginnen, sondern beim Kontext. Nicht: „Ich habe ein Tool gebaut.“ Sondern: „Ich hatte dieses konkrete Problem, bestehende Lösungen haben mich genervt, also habe ich etwas Eigenes gebaut.“ Das ist ein völlig anderer Einstieg. Plötzlich geht es nicht mehr um Eigenlob, sondern um eine nachvollziehbare Situation.
Gute Textplattform-Kommunikation fühlt sich weniger an wie ein Werbebanner und mehr wie ein Gespräch. Zeig, was dich am Problem gestört hat. Erzähl, welche Entscheidungen du beim Bau getroffen hast. Teile kleine Learnings, Fehler, Screenshots, Vorher-nachher-Beispiele oder echte Use Cases. Je konkreter du wirst, desto eher verstehen andere Menschen, warum dein Produkt überhaupt existiert.
Netzwerken mit anderen Solodevs: Warum es sich lohnt
Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Vernetz dich mit anderen Solodevs. Nicht im Sinne von „Lass uns gegenseitig unsere LinkedIn-Posts kommentieren, bis der Algorithmus Mitleid bekommt“, sondern wirklich. Andere Solodevs haben oft exakt dieselben Probleme wie du: zu wenig Zeit, zu viele Ideen, keine Marketingabteilung, keine Sales-Abteilung und meistens auch niemanden, der ihnen sagt, dass der Button auf der Landingpage kaum lesbar ist.
Gerade deshalb können solche Netzwerke extrem wertvoll sein. Du bekommst ehrliches Feedback, siehst, wie andere ihre Produkte launchen, welche Plattformen für sie funktionieren und welche nur gut aussehen, aber am Ende ungefähr so viel Traffic bringen wie ein Flyer im Wald. Dazu kommt: Viele Solodevs bauen Produkte für Menschen, die ohnehin eher im Bereich der Early Adopters unterwegs sind.
Und andere Solodevs haben oft ebenfalls Nutzer, Follower oder kleine Communities, die genau in diese Richtung gehen. Hier kannst du also durchaus den einen oder anderen ehrlichen Nutzer gewinnen, der nicht nur klickt, sondern dir auch sagt, was an deinem Produkt noch schief hängt.
Produkt-Feedback einholen: So vermeidest du Bias
Der vielleicht wichtigste Teil von 0-Euro-Marketing ist Feedback. Nicht als höfliche Bestätigung, sondern als Realitätscheck.
Viele Solodevs zeigen ihr Produkt zuerst Menschen aus dem eigenen Umfeld. Das ist verständlich, aber gefährlich. Deine Mutter, dein Freundeskreis oder deine Partnerin sind keine gute erste Tester. Sie wollen dich unterstützen. Sie wollen nicht verletzen. Genau deshalb ist ihr Feedback oft zu weich.
Gutes Feedback muss manchmal wehtun. Nicht persönlich, aber fachlich. Es muss zeigen, wo Menschen nicht verstehen, was dein Produkt macht. Wo sie abbrechen. Wo sie etwas anderes erwarten. Wo sie eine Funktion nicht finden. Wo deine Landingpage mehr erklärt als dein Produkt tatsächlich liefert.
Ich habe in KMUs und Startups oft gesehen, dass Testing zwar gemacht wird, aber zu involviert ist. Menschen testen ein Produkt, das sie schon kennen. Sie kennen die Idee, die internen Diskussionen, die Einschränkungen und die gewünschte Lösung. Dadurch testen sie nicht wie echte Nutzer, sondern wie Beteiligte.
Das Problem: Beteiligte füllen Lücken im Kopf automatisch selbst. Echte Nutzer tun das nicht. Sie klicken, verstehen etwas nicht und sind weg.
Video-Marketing für Solodevs: TikTok, Reels und YouTube Shorts
Videoplattformen wie TikTok, Instagram Reels, YouTube Shorts oder YouTube können für Solodevs gut funktionieren, vor allem als Dev-Tagebuch, Produktdemo oder kleiner Blick hinter die Kulissen. Du kannst zeigen, woran du gerade arbeitest, welche Probleme du gelöst hast, welche Features neu sind oder warum dein Tool überhaupt entstanden ist. Gerade kurze Demos funktionieren oft besser als der zehnte Textpost mit „Ich habe da etwas gebaut“.
Der Haken: Video kostet Zeit. Viel Zeit. Du brauchst eine Idee, Aufnahme, Schnitt, Hook, Untertitel, Beschreibung und dann am besten noch genug Nerven, um dir anzusehen, wie ein Video, in dem du drei Stunden Arbeit versenkt hast, von 217 Menschen gesehen wird. Willkommen im Creator-Teil des Solodev-Lebens.
Besonders Plattformen wie TikTok oder Reels belohnen außerdem Regelmäßigkeit. Ein einzelnes Video kann funktionieren, meistens entsteht Reichweite aber erst durch Wiederholung. Genau das kann schnell ermüden, wenn du eigentlich ein Produkt bauen willst und plötzlich das Gefühl hast, du müsstest nebenbei noch eine kleine Medienfirma betreiben.
Social Media Nachteile: Mit Kritik und negativen Kommentaren umgehen
Wer irgendwann ein bisschen Traction bekommt, wird schnell merken: Sichtbarkeit zieht nicht nur Nutzer, Feedback und nette Nachrichten an, sondern auch Menschen mit sehr viel Meinung und sehr wenig Kontext. Neben hilfreichen Kommentaren gibt es fast immer auch unbegründete Kritik, seltsame Seitenhiebe oder Menschen, die offenbar nur kurz vorbeischauen, um irgendwo schlechte Laune abzuladen.
Wichtig ist deshalb, emotionales und fachliches Feedback zu trennen. Wenn jemand konkret sagt: „Ich verstehe nicht, wofür das Tool gedacht ist“ oder „Der Onboarding-Prozess ist zu kompliziert“, kann das extrem wertvoll sein.
Wenn jemand hingegen nur schreibt, dass dein Produkt sinnlos ist, ohne einen einzigen brauchbaren Punkt zu nennen, ist das meistens kein Feedback, sondern digitale Geräuschkulisse.
Und ganz wichtig: Lass dich nicht von Menschen runterziehen, die selbst noch nie etwas gebaut, veröffentlicht oder sichtbar gemacht haben. Wer selbst baut, weiß meistens, wie viel Arbeit in einem Produkt, einem Video, einem Artikel oder einer Landingpage steckt. Die härtesten unbegründeten Kommentare kommen oft von Leuten, die noch nie selbst auf „Publish“ gedrückt haben.
Das heißt nicht, dass du Kritik ignorieren solltest. Im Gegenteil: Gute Kritik ist Gold wert. Aber du musst lernen zu unterscheiden, ob jemand dir helfen will, dein Produkt besser zu machen, oder ob jemand einfach nur kurz sein eigenes Frustlevel in deine Kommentarspalte exportiert.
Marketing-Kanäle priorisieren: Fokus statt Multitasking
Gerade als Solodev ist Priorisierung wichtig. Die meisten bauen ihr Produkt nicht in einem luftleeren Raum mit unbegrenzter Zeit, sondern neben Job, Familie, Alltag und gelegentlich dem Versuch, auch noch zu schlafen.
Deshalb würde ich nicht versuchen, überall gleichzeitig sichtbar zu sein. Das endet oft nur darin, dass man fünf Kanäle halbherzig bespielt und sich anschließend wundert, warum keiner davon wirklich funktioniert.
Der Punkt ist: Du musst nicht überall sein. Du musst dort sein, wo du regelmäßig, glaubwürdig und mit vertretbarem Aufwand auftauchen kannst. Lieber zwei Kanäle sauber bespielen als acht Plattformen so halb, während dein eigentliches Produkt liegen bleibt.
GitHub Awesome Lists: Unterschätzte Backlink-Quelle
Für viele Tools gibt es auch noch oft einen unterschätzten Kanal: kuratierte Listen und thematische Verzeichnisse. Das können GitHub-Awesome-Listen sein, aber auch Blogposts, Ressourcensammlungen, Tool-Übersichten, Newsletter-Listen oder spezialisierte Branchenverzeichnisse.
Der Vorteil: Menschen landen dort meistens nicht völlig zufällig. Sie suchen bereits nach Lösungen in einer bestimmten Kategorie. Das kann ein Developer Tool sein, ein Produktivitäts-Tool, ein KI-Tool, ein Design-Tool, ein Finanz-Tool oder irgendeine andere kleine Nische, in der dein Produkt ein konkretes Problem löst.
Deshalb kann es sinnvoll sein, passende Listen, Sammlungen und Verzeichnisse zu finden und dein Tool dort einzutragen oder freundlich vorzuschlagen. Bei GitHub-Awesome-Listen läuft das oft über einen Pull Request. Bei Blogs, Newslettern oder Verzeichnissen reicht manchmal eine kurze Nachricht mit Link, Beschreibung und ehrlicher Begründung, warum dein Tool in diese Sammlung passt.
Blog als Marketing-Kanal: SEO-Traffic für dein Projekt
Ein eigener Blog ist für Solodevs einer der unterschätztesten 0-Euro-Marketing-Kanäle. Während ein Post auf Social Media nach ein paar Stunden wieder verschwindet, kann ein guter Blogartikel über Monate oder Jahre gefunden werden. Gerade für Developer Tools lohnt es sich, nicht nur das Produkt selbst zu erklären, sondern auch die Probleme drumherum: Tutorials, Vergleiche, Use Cases, technische Hintergründe oder kleine Erfahrungsberichte aus der Entwicklung.
Spannend können auch Kooperationen mit anderen Blogs sein. Das muss nicht sofort ein großer Medienpitch sein. Manchmal reicht ein Gastbeitrag, ein gemeinsamer Erfahrungsbericht, ein Interview oder ein kurzer Tool-Hinweis in einem thematisch passenden Artikel. Wichtig ist auch hier: Die Kooperation sollte inhaltlich passen und einen echten Mehrwert liefern. Reine Linktausch-Posts oder generische Werbetexte wirken schnell billig und helfen langfristig kaum.
Pressearbeit für Solodevs: Wann Magazine Sinn machen
Klassische Magazine und größere Tech-Websites wie t3n, Golem.de oder vergleichbare Medien sind für Solodevs meistens kein guter erster Marketingkanal.
Nicht, weil kleine Projekte uninteressant wären, sondern weil Redaktionen in der Regel eine größere Geschichte brauchen: relevante Nutzerzahlen, starke Umsätze, eine ungewöhnliche Gründerstory, einen klaren Markttrend oder eine Entwicklung, die über das einzelne Tool hinausgeht.
Für frühere Phasen können kleinere, lokale oder thematisch sehr spezialisierte Medien interessanter sein. Wer zum Beispiel als Solodev aus einer Region heraus ein profitables Tool baut, lokale Unternehmen unterstützt oder eine besondere Nische besetzt, hat dort eher eine Chance.
Trotzdem ist Pressearbeit für Solodevs meist eher ein Late-Stage-Kanal. Am Anfang bringen Launch-Plattformen, Communities, SEO, Blogposts und echtes User-Feedback meistens mehr.
Marketing-Metriken für Solodevs: Das solltest du messen
Wenn du dein Produkt auf Launch-Plattformen, Reddit, Hacker News oder Social Media teilst, solltest du zumindest grob messen, was danach passiert. Sonst verwechselst du schnell Sichtbarkeit mit Wirkung.
Ein Post mit vielen Views bringt wenig, wenn niemand klickt, testet oder wiederkommt. Deshalb solltest du vor dem Launch festlegen, was für dich überhaupt ein Erfolg ist: Website-Besuche, Registrierungen, Downloads, GitHub-Stars, Newsletter-Anmeldungen, Demo-Anfragen oder konkretes Feedback.
Conversion-Optimierung: Was nach dem ersten Klick passiert
Ein Klick bedeutet noch nicht, dass jemand dein Produkt verstanden hat. Er bedeutet nur: Jemand war kurz neugierig genug, um vorbeizuschauen. Danach muss alles sehr schnell passieren. Die Person muss verstehen, was dein Tool macht, für wen es gedacht ist, welchen Nutzen es hat und was der nächste Schritt ist.
Genau hier verlieren viele Produkte ihre ersten potenziellen Nutzer. Nicht, weil die Idee schlecht ist, sondern weil der Einstieg zu unklar ist. Die Landingpage erklärt zu viel oder zu wenig. Der Call-to-Action ist schwammig. Die Screenshots zeigen nicht den eigentlichen Nutzen. Die Demo fehlt.
Die Installation ist zu kompliziert. Oder man versteht erst nach fünf Minuten, was eigentlich schon nach fünf Sekunden klar sein müsste.
Deshalb reicht es nicht, Menschen nur auf dein Produkt zu schicken. Du brauchst einen sauberen Weg vom ersten Besuch bis zur ersten sinnvollen Aktion. Das kann ein Download sein, eine Anmeldung, ein GitHub-Star, ein Testaccount, eine Demo, eine Newsletter-Anmeldung oder einfach ein konkretes Feedback.
Der eigentliche Marketing-Funnel eines Solodevs ist oft sehr simpel:
- Jemand sieht dein Produkt.
- Jemand klickt auf deine Landingpage.
- Jemand versteht den Nutzen.
- Jemand probiert es aus.
- Jemand gibt Feedback oder kommt wieder.
Wenn eine dieser Stationen nicht funktioniert, bringt dir auch mehr Sichtbarkeit wenig. Dann ist nicht der Kanal das Problem, sondern der Übergang nach dem Klick.
Gerade deshalb sollte 0-Euro-Marketing immer mit dem Produkt und der Landingpage zusammengedacht werden. Jede Plattform, jeder Reddit-Post, jeder Blogartikel und jeder Social-Media-Beitrag schickt Menschen irgendwohin. Diese Zielseite muss dann liefern. Schnell, klar und ohne unnötige Reibung.
0-Euro-Marketing-Checkliste für Solodevs
Damit das Ganze nicht nur ein langer Blogpost bleibt, den du einmal liest und danach wieder vergisst, gibt es hier eine praktische To-do-Liste für dich.
Grundlage
- Produkt ist testbar
- Logo ist vorhanden
- Claim erklärt den Nutzen in einem Satz
- Landingpage erklärt Problem, Zielgruppe, Lösung und Einstieg
- Wichtigster Call-to-Action ist sofort sichtbar
- Screenshots, Demo oder Video zeigen das Produkt im Einsatz
- Feedback-Kanal ist eingerichtet
- Erfolgskriterium ist definiert, etwa Besucher, Signups, Downloads, GitHub-Stars, Feedback oder zahlende Nutzer
Optionales GitHub-Setup
- GitHub-Repository ist vorhanden
- README erklärt Installation, Nutzung und wichtigste Use Cases
- Issues, Releases oder Roadmap sind zumindest grob gepflegt
- Pull Requests oder Vorschläge für passende Listen sind vorbereitet
- Dokumentation oder Getting-Started-Bereich ist verlinkt
Launch-Plattformen und Verzeichnisse
- Erste Launch-Plattformen sind ausgewählt
- Ein kurzer Beschreibungstext für Verzeichnisse ist vorbereitet
- Erster Kommentar für die Plattform ist vorbereitet und erklärt, warum das Produkt gebaut wurde
- Screenshots, Logo, Claim und Produktlink liegen in verwendbarer Form bereit
- Product Hunt
- Hot100.ai
- EarlyHunt
- OpenHunts
- PeerPush
- StackShare
- DevHunt
- Uneed
- Findly.tools
- LaunchDACH
- Fazier
- SaaS-Hub.de
Social Media und Communities
- Passende Communities oder Subreddits sind recherchiert
- Subreddit-Regeln wurden gelesen, bevor gepostet wird
- Reddit-Post erzählt Kontext statt plumper Werbung
- Twitter/X- oder Threads-Posts sind vorbereitet
- Social-Media-Postings erklären Problem, Lösung und Learnings
- Demo-Video, Screenshot oder GIF ist für Social Media vorbereitet
- Suchbegriffe sind definiert, nach denen du auf X, Threads oder Reddit regelmäßig suchen kannst
- Erste Antworten oder Kommentartexte sind vorbereitet, um sinnvoll auf Diskussionen zu reagieren
Blog, SEO und Kooperationen
- Passende GitHub-Awesome-Listen sind recherchiert
- Eigener Blogpost zum Produkt oder Problem ist geplant
- Ein Tutorial, Use Case oder Vergleichsartikel ist als SEO-Einstieg vorbereitet
- Blogpost: Warum dein Produkt eine Alternative zu deinem Mitbewerber ist
- Interne Links von deiner Website auf das Produkt sind gesetzt
- Passende externe Blogs, Newsletter oder Ressourcensammlungen sind recherchiert
- Mögliche Gastbeiträge, Interviews oder Kooperationen sind notiert
- Reine Linktausch-Ideen wurden aussortiert
Tracking und Lernen
- Analytics oder einfache Tracking-Links sind vorbereitet
- UTM-Links für wichtige Kanäle sind angelegt
- Du weißt, welche Plattform welche Besucher gebracht hat
- Du misst nicht nur Views, sondern echte Aktionen
- Feedback wird gesammelt und nicht nur nebenbei gelesen
- Kritik wird in fachliches Feedback und digitale Geräuschkulisse getrennt
Nach dem Launch
- Zeit für Nachbesserungen nach dem Launch ist eingeplant
- Landingpage wird nach echtem Feedback überarbeitet
- Onboarding wird verbessert, wenn Nutzer hängen bleiben
- Häufige Fragen werden in FAQ, README oder Dokumentation übernommen
- Gute Kommentare, Use Cases oder Einwände werden für neue Posts genutzt
- Erfolgreiche Kanäle werden weiter bespielt
- Schlechte Kanäle werden nicht endlos weitergefüttert, nur weil sie auf jeder Launch-Liste stehen
FAQ
Wie startet man als Solodev mit Marketing ohne Budget?
Der beste Start für Solodevs ist eine klare Positionierung: Definiere deine Zielgruppe, das konkrete Problem, das du löst, und deinen einzigartigen Mehrwert gegenüber Alternativen. Danach folgen eine verständliche Landingpage, Launch auf Plattformen wie Product Hunt oder Hacker News, aktive Teilnahme in relevanten Communities (Reddit, Twitter/X) und SEO durch Blog-Content. Wichtig: Konsistenz schlägt Budget – regelmäßige, authentische Kommunikation bringt mehr als einmalige Werbung.
Welche Marketing-Kanäle eignen sich am besten für Solodevs und Side Projects?
Für Solodevs ohne Budget eignen sich besonders: Launch-Plattformen (Product Hunt, Hacker News, DevHunt), Community-Plattformen (Reddit, Twitter/X, Threads, LinkedIn), SEO durch eigenen Blog und technische Inhalte, GitHub Awesome Lists und spezialisierte Tool-Verzeichnisse, sowie direktes Networking mit anderen Developern. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Kanäle, sondern dass du dort präsent bist, wo deine Zielgruppe aktiv nach Lösungen sucht.
Braucht man als Solodev ein Marketing-Budget für den Launch?
Nein, ein großes Marketing-Budget ist für Solodevs am Anfang nicht notwendig. Organische Kanäle wie Launch-Plattformen, Community-Marketing, SEO, Content-Marketing und Networking reichen völlig aus, um erste Nutzer zu gewinnen. Wichtiger als Geld sind: eine klare Produktseite, verständliche Kommunikation, regelmäßige Sichtbarkeit und echtes User-Feedback. Bezahlte Werbung kann später sinnvoll sein, sollte aber nicht der erste Schritt sein.
Wie viel Zeit sollte man als Solodev für Marketing einplanen?
Als Solodev solltest du realistisch 20-30% deiner Zeit für Marketing einplanen – neben der eigentlichen Entwicklung. Das bedeutet: Lieber 2-3 Kanäle konsistent und qualitativ hochwertig bespielen als 8 Plattformen halbherzig. Tipp: Batch-Arbeit hilft – bereite Social-Media-Posts, Blog-Artikel und Launch-Materialien gebündelt vor, statt täglich neu zu starten.
Wie bekommt man als Solodev die ersten 100 Nutzer?
Die ersten 100 Nutzer gewinnst du durch: Launch auf Product Hunt, Hacker News oder DevHunt, gezielte Posts in passenden Subreddits (ohne plumpe Werbung), aktives Netzwerken mit anderen Solodevs, SEO-optimierte Blog-Artikel zu Problemen, die dein Tool löst, Einträge in GitHub Awesome Lists und Tool-Verzeichnisse, sowie direkte Ansprache in Communities, wo deine Zielgruppe nach Lösungen sucht. Wichtig: Biete echten Mehrwert und höre auf Feedback.


