Der LinkedIn-Feed ist Brainrot

Warum LinkedIn beruflich nützlich bleibt, der Feed aber immer öfter wie Engagement-Bait mit Business-Anstrich wirkt

Dieser Artikel hat eine Lesedauer von 3 minutes Minuten.

Der LinkedIn-Feed ist Brainrot

Ich verdanke LinkedIn viel: Aufträge, Jobs, Partnerschaften und Kontakte. Trotzdem fühlt sich der Feed immer öfter wie Brainrot an. Nicht, weil alles schlecht wäre. Sondern weil beruflicher Mehrwert häufig hinter Engagement-Bait verschwindet.

Wenn Krankheit zur Business-Lektion wird

Ein Beispiel: Eine Frau erzählt, dass ihr Kind Diabetes bekommen hat. Das ist ohne Frage eine schwere Situation. Wenn jemand in der Familie krank wird, ist das belastend, emotional und oft auch organisatorisch hart.

Was mich irritiert, ist der nächste Schritt: Aus dieser privaten Erfahrung wird ein Business-Learning gebaut.

Natürlich kann man aus schwierigen Lebensphasen etwas lernen. Man kann über Prioritäten sprechen, über Belastbarkeit oder über die Frage, wie viel Arbeit wirklich sinnvoll ist. Aber nicht jede persönliche Krise muss in eine berufliche Content-Schablone gepresst werden.

Ich sage das als jemand, der selbst Phasen hatte, in denen 90-Stunden-Wochen normal waren. Gerade deshalb finde ich: Nicht alles im Leben muss eine Produktivitätslektion werden.

Wenn Google plötzlich wieder das größte Tool der Welt ist

Ein anderes Beispiel: Ein bekannter CEO schreibt in einem offensichtlichen Engagement-Post, dass er ohne Google nicht mehr arbeiten könne, weil es so ein geniales Tool sei.

Bei aller Liebe: Google ist wichtig. Google ist nützlich. Google ist für viele Arbeitsprozesse weiterhin zentral. Aber wenn einen Google im Jahr 2026 noch so begeistert, dass daraus ein LinkedIn-Erweckungsmoment wird, frage ich mich schon, wie der Rest der IT-Landschaft in diesem Unternehmen aussieht.

Rage-Bait ist keine Strategie

Dann gibt es noch die Posts, die mit maximaler Eskalation einsteigen. Jemand teilt angeblich einen WhatsApp-Screenshot, in dem es um einen Seitensprung in seiner Beziehung geht. Der Text beginnt emotional, privat und zugespitzt. Dann schwenkt der Beitrag plötzlich um: Es geht eigentlich darum, dass diese Person Texte und Social-Media-Posts schreiben kann, die Menschen lesen.

Das mag funktionieren, wenn es nur um Reichweite geht. Aber Reichweite ist nicht automatisch Vertrauen.

Welcher Kunde sieht so einen Rage-Bait und denkt danach: Genau dieser Person möchte ich meine Kommunikation anvertrauen?

Virale Posts zu schreiben ist nicht leicht. Aufmerksamkeit zu erzeugen, ist eine Fähigkeit. Aber wenn das Ziel nur noch ist, um jeden Preis Views zu sammeln, entstehen oft Vanity Metrics. Viele Reaktionen bedeuten dann nicht automatisch einen guten ROI, bessere Leads oder stärkere berufliche Beziehungen.

LinkedIn will Business sein, funktioniert aber wie Social Media

Zu diesen Beispielen kommen Urlaubsbilder, Memes, peinliche KI-Trends und persönliche Updates, die auf jeder anderen Plattform besser aufgehoben wären.

Vielleicht ist mein Wunsch nach einem LinkedIn mit mehr fachlichem Mehrwert auch unrealistisch. Am Ende ist LinkedIn eben nicht nur ein berufliches Netzwerk. Es ist eine Social-Media-Plattform mit Business-Oberfläche. Und Plattformen belohnen, was Interaktion erzeugt.

Trotzdem darf man sich fragen, ob wirklich jeder private Moment, jeder halbgare Trend und jede künstlich dramatisierte Erkenntnis in den beruflichen Feed gehört.

Vielleicht ist das naiv. Aber man darf ja noch träumen.

FAQ

Ist LinkedIn noch sinnvoll?

Ja. LinkedIn kann für Jobs, Aufträge, Partnerschaften und berufliche Sichtbarkeit sehr wertvoll sein. Das Problem ist weniger die Plattform selbst, sondern die Art von Inhalten, die im Feed oft belohnt wird.

Was bedeutet Brainrot im Zusammenhang mit LinkedIn?

Gemeint sind Inhalte, die stark auf Aufmerksamkeit, Empörung oder künstliche Emotionalisierung setzen, aber wenig fachlichen oder beruflichen Mehrwert liefern.

Bin ich genervt?

Ja richtig heftig.

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