Rapidus: Japan plant weitere 944 Millionen Dollar für 2-nm-Chips
Japan plant weitere 944 Millionen Dollar für Rapidus. Das Chipstartup soll ab 2027 2-nm-Chips fertigen und bei KI-Hardware aufholen
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Japan plant weitere 150 Milliarden Yen für Rapidus. Das Chipstartup soll ab 2027 2-nm-Halbleiter fertigen und Japan bei moderner Chipproduktion wieder nach vorne bringen.
Japan plant weitere 944 Millionen Dollar für Rapidus
Japan erhöht den finanziellen Einsatz beim Halbleiterhersteller Rapidus erneut. Wie Bloomberg am 21. August 2026 berichtet, sollen weitere 150 Milliarden Yen bereitgestellt werden. Umgerechnet sind das rund 944 Millionen US-Dollar.
Die Summe steht allerdings nicht für sich allein. Rapidus gehört inzwischen zu den wichtigsten industriepolitischen Projekten Japans.
Bereits im Februar 2026 investierte die staatliche Information-Technology Promotion Agency, kurz IPA, 100 Milliarden Yen in das Unternehmen. Dazu kamen 167,6 Milliarden Yen von 32 privaten Investoren, darunter Canon, Fujitsu, NTT, SoftBank und Sony.
Im Juni folgte eine weitere staatliche Kapitalzufuhr von 150 Milliarden Yen. Damit erreichte das von Rapidus ausgewiesene Kapital einschließlich Kapitalrücklagen 424,95 Milliarden Yen.
Parallel fließen deutlich größere Summen über Forschungs- und Förderprogramme. Im April 2026 genehmigte das japanische Wirtschaftsministerium weitere 631,5 Milliarden Yen für Forschung und Entwicklung. Die staatliche Unterstützung für diese Programme summierte sich damit auf mehr als zwei Billionen Yen.
Die verschiedenen Zahlen sollte man deshalb nicht direkt miteinander addieren. Japan unterstützt Rapidus über Beteiligungen, Forschungsprogramme und weitere Finanzierungsinstrumente.
Was ist Rapidus?
Rapidus wurde erst 2022 gegründet. Hinter dem Unternehmen standen von Beginn an große japanische Konzerne wie Toyota, Sony, NTT, SoftBank, NEC, Denso und Kioxia.
Das Ziel ist ungewöhnlich ambitioniert: Japan will innerhalb weniger Jahre wieder eine eigene Fertigung für modernste Logikchips aufbauen.
Dafür errichtet Rapidus in Chitose auf der nordjapanischen Insel Hokkaido die Fabrik IIM-1. Dort läuft seit 2025 eine Pilotlinie für Chips der 2-nm-Generation.
Japan besitzt weiterhin wichtige Unternehmen für Halbleitermaterialien und Produktionsanlagen. Bei der Fertigung modernster Logikchips spielt das Land heute jedoch eine deutlich kleinere Rolle als Taiwan, Südkorea oder die USA.
Rapidus soll das ändern.
Damit ist das Unternehmen nicht nur ein Technologieprojekt. Es ist gleichzeitig Teil der japanischen Politik für wirtschaftliche und technologische Sicherheit.
Rapidus hat bereits funktionierende 2-nm-Transistoren
Technisch beginnt Rapidus nicht mehr bei null.
Im Juli 2025 meldete das Unternehmen, erstmals funktionsfähige 2-nm-GAA-Transistoren auf 300-mm-Wafern hergestellt zu haben. GAA steht für “Gate All Around” und beschreibt eine Transistorarchitektur, bei der das Gate den leitenden Kanal stärker umschließt als bei älteren FinFET-Strukturen.
Das soll unter anderem dabei helfen, Stromverbrauch und Leckströme bei immer kleineren Strukturen besser zu kontrollieren.
Wichtig ist dabei: Die Bezeichnung “2 nm” beschreibt bei modernen Fertigungsprozessen keine einzelne physische Abmessung eines Transistors mehr. Sie ist vielmehr die Bezeichnung einer Prozessgeneration.
Rapidus nutzt für die Produktion außerdem EUV-Lithografie. Die entsprechende Anlage von ASML wurde Ende 2024 in Chitose installiert.
Der entscheidende Schritt steht trotzdem noch bevor. Einen einzelnen funktionierenden Transistor herzustellen ist etwas anderes, als Millionen komplexer Chips mit wirtschaftlich akzeptabler Ausbeute zu produzieren.
2027 soll die Massenproduktion beginnen
Rapidus will 2027 mit der kommerziellen Fertigung seiner 2-nm-Technologie beginnen.
Bis dahin muss das Unternehmen mehrere Probleme gleichzeitig lösen. Die Produktionsprozesse müssen stabil werden, die Defektdichte muss sinken und die Ausbeute pro Wafer muss hoch genug sein, damit die Fertigung wirtschaftlich funktioniert.
Hinzu kommen Kunden.
Ein Chipdesigner entscheidet sich nicht kurzfristig für eine andere Fabrik. Für einen neuen Fertigungsprozess werden Prozessbibliotheken, Designwerkzeuge, IP-Blöcke und umfangreiche Validierungen benötigt.
Rapidus arbeitet deshalb bereits daran, seinen Process Design Kit, kurz PDK, für Kunden bereitzustellen. Damit können Unternehmen ihre Chips konkret auf den Rapidus-Prozess auslegen.
Genau hier entscheidet sich langfristig, ob aus einem technisch funktionierenden Prozess auch ein relevantes Foundry-Geschäft entsteht.
IBM liefert einen wichtigen Teil der 2-nm-Technologie
Ein zentraler Partner von Rapidus ist IBM.
Die beiden Unternehmen arbeiten seit 2022 bei Technologien für die 2-nm-Generation zusammen. Japanische Ingenieure wurden dafür unter anderem zu IBMs Forschungsstandort in Albany im US-Bundesstaat New York geschickt.
Die Kooperation wurde später auch auf Chiplet-Packaging ausgeweitet.
Das ist für Rapidus relevant, weil moderne Hochleistungsprozessoren zunehmend nicht mehr aus einem einzelnen großen Chip bestehen. Mehrere spezialisierte Chiplets können stattdessen in einem gemeinsamen Package kombiniert werden.
Gerade bei KI und High-Performance-Computing spielen solche Architekturen eine wichtige Rolle.
Rapidus versucht deshalb nicht nur, einen modernen Frontend-Prozess aufzubauen. Das Unternehmen entwickelt parallel Technologien für Packaging, Chiplets und kürzere Produktionszyklen.
Warum 2-nm-Chips für KI interessant sind
Der aktuelle KI-Boom erhöht den Bedarf an moderner Halbleiterfertigung.
Training und Betrieb großer KI-Modelle benötigen enorme Rechenleistung. Gleichzeitig werden Energieverbrauch, Kühlung und verfügbare Rechenzentrumsleistung immer stärker zu begrenzenden Faktoren.
Moderne Fertigungsprozesse können dabei helfen, mehr Transistoren in einem Chip unterzubringen und die Energieeffizienz zu verbessern.
Das betrifft nicht nur große Beschleuniger in Rechenzentren. Auch CPUs, Netzwerkchips, NPUs und spezialisierte KI-Prozessoren profitieren von moderner Fertigung.
Rapidus positioniert seinen 2-nm-Prozess entsprechend auch für KI- und High-Performance-Anwendungen.
Allein ein moderner Fertigungsprozess garantiert aber keine konkurrenzfähigen KI-Chips. Architektur, Speicheranbindung, Packaging, Software und Produktionskosten bleiben mindestens genauso wichtig.
Rapidus will nicht einfach TSMC kopieren
Interessant ist deshalb das geplante Produktionsmodell.
Rapidus spricht von kurzen Durchlaufzeiten und einer stärker auf einzelne Wafer ausgerichteten Produktion. Damit könnte sich das Unternehmen für Kunden eignen, die moderne Chips benötigen, aber nicht zwangsläufig Stückzahlen im Bereich der größten Smartphone- oder GPU-Hersteller erreichen.
Das wäre ein anderer Schwerpunkt als bei Foundries, deren Geschäftsmodell stark von riesigen Produktionsvolumen profitiert.
Ob dieser Ansatz funktioniert, muss sich allerdings erst zeigen.
TSMC, Samsung und andere etablierte Hersteller besitzen über Jahre aufgebaute Prozesse, Lieferketten und Kundenbeziehungen. Besonders bei modernsten Fertigungstechnologien zählt nicht nur die nominelle Strukturgröße.
Entscheidend sind Ausbeute, Kosten, Zuverlässigkeit und die Geschwindigkeit, mit der neue Chipdesigns in stabile Serienproduktion gebracht werden können.
Japan kauft sich Zeit und technologische Unabhängigkeit
Die weitere Finanzierung von Rapidus zeigt vor allem, dass Japan das Projekt nicht als gewöhnliche Startup-Investition betrachtet.
Halbleiter sind inzwischen Infrastruktur.
Sie stecken in Rechenzentren, Autos, Industrieanlagen, Kommunikationssystemen und zunehmend auch in sicherheitskritischen Anwendungen. Gleichzeitig konzentriert sich die Fertigung besonders moderner Logikchips auf wenige Unternehmen und Regionen.
Für Japan geht es deshalb nicht nur darum, mit einem erfolgreichen Chipunternehmen Geld zu verdienen.
Eine eigene moderne Fertigung schafft technologische Optionen. Sie reduziert Abhängigkeiten, hält Know-how im Land und schafft eine Grundlage für weitere Unternehmen rund um Chipdesign, Packaging und Produktionsanlagen.
Das erklärt auch, warum der Staat bereit ist, Beträge zu investieren, die für ein erst 2022 gegründetes Unternehmen außergewöhnlich hoch erscheinen.
Die schwierigste Phase kommt erst noch
Der bisherige Fortschritt von Rapidus ist bemerkenswert. Innerhalb weniger Jahre entstand eine moderne Pilotlinie, EUV-Lithografie wurde installiert und erste 2-nm-GAA-Transistoren funktionieren.
Damit ist das eigentliche Ziel aber noch nicht erreicht.
2027 wird entscheidend.
Dann muss Rapidus zeigen, dass sich aus den bisherigen Prototypen ein stabiler Produktionsprozess entwickeln lässt. Gleichzeitig braucht das Unternehmen ausreichend Kunden, um die enorme Infrastruktur wirtschaftlich auszulasten.
Die zusätzlichen 944 Millionen Dollar lösen diese Probleme nicht automatisch. Sie kaufen Rapidus vor allem eines: Zeit und finanziellen Spielraum, um den Sprung von einer technisch funktionierenden Pilotlinie zu einer echten Halbleiterfabrik zu schaffen.
Gelingt dieser Übergang, hätte Japan innerhalb von nur wenigen Jahren wieder einen Hersteller an der technologischen Spitze der Logikchipfertigung aufgebaut.
Scheitert er, wäre Rapidus eines der teuersten industriepolitischen Experimente der japanischen Technologiegeschichte.
FAQ
Was ist Rapidus?
Rapidus ist ein 2022 gegründeter japanischer Halbleiterhersteller. Das Unternehmen baut in Chitose auf Hokkaido eine moderne Chipfertigung auf und will ab 2027 2-nm-Logikchips in Serie produzieren.
Wann will Rapidus 2-nm-Chips produzieren?
Rapidus plant den Beginn der Massenproduktion von 2-nm-Logikchips für 2027. Eine Pilotlinie läuft bereits, erste 2-nm-GAA-Transistoren wurden erfolgreich getestet.
Warum investiert Japan so viel Geld in Rapidus?
Japan will wieder eigene Fertigungskapazitäten für moderne Halbleiter aufbauen. Dabei geht es um KI, wirtschaftliche Sicherheit, widerstandsfähigere Lieferketten und eine geringere Abhängigkeit von ausländischen Foundries.


