Meta testet Roboter in Rechenzentren für Wartung und Verkabelung

Meta testet Roboter für Kabel, Server-Neustarts und Wartung im Rechenzentrum. Was die Automatisierung für Technik und Jobs bedeutet

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Meta testet Roboter in Rechenzentren für Wartung und Verkabelung

Meta erprobt Roboter, die Kabel tauschen, Server neu starten und Hardware warten. Noch sind Menschen schneller, doch der physische Betrieb von Rechenzentren wird zunehmend automatisiert.

Meta testet Roboter in seinen Rechenzentren

Wenn von der Automatisierung durch KI die Rede ist, geht es meistens um Software. Agenten schreiben Code, analysieren Dokumente oder übernehmen Aufgaben in Unternehmensprozessen. Bei Meta reicht die Automatisierung inzwischen deutlich weiter.

Das Unternehmen testet Roboter, die physische Arbeiten innerhalb seiner Rechenzentren übernehmen sollen. Dazu gehören das Tauschen von Netzwerkkabeln, das Neustarten von Servern und das erneute Einsetzen von Hardware-Komponenten.

Wie WIRED unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter berichtet, verwendet Meta dafür Systeme verschiedener Hersteller. Genannt werden unter anderem Kinova, ABB und das auf Rechenzentren spezialisierte Startup Watney Robotics.

Das Ziel ist technisch nachvollziehbar. Meta baut seine Infrastruktur für KI massiv aus. Je größer die Rechenzentren werden, desto mehr Hardware muss installiert, kontrolliert und im Fehlerfall gewartet werden.

Automatisierung endet damit nicht mehr an der Schnittstelle zwischen Software und Betriebssystem. Sie erreicht zunehmend auch das Rack.

Roboter sollen Server neu starten und Kabel tauschen

Eine der Anwendungen wirkt zunächst erstaunlich einfach.

Meta testet laut dem Bericht einen Kinova-Gen3-Roboterarm für das sogenannte Power Cycling. Dabei wird ein Server oder eine andere Hardware gezielt vom Strom getrennt und anschließend wieder gestartet.

An einigen Standorten kommt außerdem eine wesentlich einfachere Konstruktion zum Einsatz. Das System ähnelt eher einem mechanischen Finger als einem klassischen Industrieroboter. Es kann auf Anweisung den Einschaltknopf eines Mac mini oder eines anderen Geräts drücken.

Was trivial klingt, hat im Rechenzentrum einen praktischen Nutzen. Ein Techniker muss nicht mehr durch ein Gebäude laufen, nur um einen physischen Knopf zu betätigen.

Deutlich anspruchsvoller wird es beim Tauschen von Netzwerkkabeln.

Meta testet dafür spezielle Roboter, die Kabel selbstständig entfernen und neu verbinden sollen. Ein Mitarbeiter schätzte gegenüber WIRED, dass ein funktionierendes System bei bestimmten Tätigkeiten einen erheblichen Teil der bisherigen manuellen Arbeit übernehmen könnte.

Diese Einschätzung ist allerdings keine öffentlich bestätigte Produktivitätsmessung von Meta. Die Systeme befinden sich weiterhin in der Erprobung.

Watney Robotics arbeitet mit zwei Roboterarmen

Besonders interessant sind die Versuche mit Watney Robotics.

Meta testet laut WIRED seit 2025 in seinem Rechenzentrum in Altoona im US-Bundesstaat Iowa zweiarmige Roboter des Unternehmens für Arbeiten an der Verkabelung.

Watney Robotics hatte ursprünglich unter anderem einen Roboter demonstriert, der Wäsche falten konnte. Das Unternehmen verlagerte seinen Fokus später auf Rechenzentren.

Der Wechsel ergibt technisch Sinn. Im Gegensatz zu vielen Haushaltsaufgaben bestehen Tätigkeiten innerhalb eines Rechenzentrums aus vergleichsweise klar definierten Abläufen und einer kontrollierten Umgebung.

Trotzdem sind die Anforderungen hoch.

Stecker müssen erkannt, präzise gegriffen und mit der richtigen Kraft eingesetzt werden. Gleichzeitig dürfen benachbarte Kabel oder empfindliche Komponenten nicht beschädigt werden.

Nach Angaben der von WIRED befragten Personen arbeiten die Roboter deshalb weiterhin unter menschlicher Aufsicht und sind bei vielen Aufgaben noch langsamer als Menschen.

ABB-Roboter sollen Komponenten wieder einsetzen

Auch am Meta-Standort New Albany in Ohio wird mit Robotik experimentiert.

Dort kommen dem Bericht zufolge mobile Systeme von ABB zum Einsatz. Sie besitzen vier Räder, einen höhenverstellbaren Aufbau und einen Roboterarm mit sechs Bewegungsachsen.

Eine mögliche Aufgabe ist das sogenannte Reseating.

Dabei wird beispielsweise eine Komponente aus ihrem Steckplatz entfernt und anschließend erneut eingesetzt. Das ist eine typische Maßnahme bei der Fehlersuche, wenn Kontakte oder Steckverbindungen Probleme verursachen.

Langfristig könnten solche Systeme mehrere unterschiedliche Wartungsaufgaben übernehmen.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Industrierobotern besteht dabei in ihrer Mobilität. Statt an einer festen Position in einer Produktionsstraße zu arbeiten, müssen sich die Maschinen durch ein bestehendes Rechenzentrum bewegen und unterschiedliche Racks erreichen.

Meta setzt bereits länger auf Roboter

Die aktuellen Tests sind kein vollständiger Neustart.

Meta verwendet bereits seit mehreren Jahren Automatisierungssysteme innerhalb seiner Rechenzentren. Dazu gehört beispielsweise ein autonomes Transportfahrzeug, das schwere Server-Racks bewegen kann.

Ein weiterer Roboter fährt durch die Anlagen und erfasst über Barcodes den vorhandenen Hardwarebestand.

Damit automatisiert Meta Aufgaben, bei denen Maschinen einen offensichtlichen Vorteil haben. Ein Roboter kann wiederholt dieselben Wege abfahren und große Mengen an Hardware systematisch erfassen.

In der Praxis zeigen sich allerdings auch überraschend alltägliche Probleme.

Das bisher eingesetzte Inventarsystem kann nach Angaben der Mitarbeiter beispielsweise bestimmte Statusanzeigen nicht zuverlässig unterscheiden, weil seine Kamera nur Graustufen erfasst. Auch Kabel auf dem Boden oder enge Kurven können zum Hindernis werden.

Zwischen verschiedenen Gebäuden müssen die Maschinen teilweise weiterhin von Menschen bewegt werden.

Automatisierung im Rechenzentrum besteht deshalb momentan eher aus vielen spezialisierten Systemen als aus einem universellen Roboter.

Warum Rechenzentren schwieriger für Roboter sind als Fabriken

Auf den ersten Blick sollte ein Rechenzentrum eine ideale Umgebung für Robotik sein.

Die Räume sind strukturiert. Server-Racks sehen ähnlich aus. Viele Aufgaben wiederholen sich.

Das Problem liegt allerdings in einem wichtigen Detail: Die Hardware wurde für Menschen entwickelt.

Stecker, Schrauben, Kabel, Halterungen und Verriegelungen sind so konstruiert, dass ein Techniker sie mit seinen Händen erreichen und bedienen kann.

Für Roboter gelten andere Anforderungen.

Ein Mensch kann beispielsweise ein Kabel zur Seite drücken, seine Hand zwischen zwei andere Leitungen schieben und gleichzeitig erfühlen, ob ein Stecker korrekt eingerastet ist. Ein Roboter benötigt dafür Kameras, Sensoren, präzise Motorik und geeignete Software.

Besonders komplexe Verkabelungen bleiben deshalb schwierig. Laut WIRED sieht Meta beispielsweise bei Arbeiten an Systemen mit Nvidias GB300 weiterhin Grenzen für aktuelle Robotiklösungen.

Hinzu kommen praktische Probleme wie Akkulaufzeit und Ladepausen.

Der Roboter kann theoretisch rund um die Uhr arbeiten. In der Realität muss er trotzdem irgendwann an die Ladestation.

KI-Rechenzentren verändern die Anforderungen

Warum investiert Meta trotzdem in diese Technik?

Die Antwort liegt im Umfang der geplanten Cloud-Infrastruktur.

Moderne KI-Systeme benötigen riesige Cluster aus Beschleunigern, Netzwerken, Speichersystemen und Kühlung. Meta arbeitet mit Prometheus beispielsweise an einem KI-Cluster mit einer geplanten Leistung im Gigawatt-Bereich.

Je größer solche Anlagen werden, desto stärker skaliert auch der physische Wartungsaufwand.

Ein Softwarefehler lässt sich über das Netzwerk beheben. Ein lockeres Kabel nicht.

Genau diese Grenze zwischen digitaler und physischer Infrastruktur versucht Meta mit Robotik zu verschieben.

Ein Roboter muss dabei nicht sofort einen vollständigen Techniker ersetzen, um wirtschaftlich interessant zu sein. Bereits das Automatisieren häufiger Routineaufgaben könnte Wege reduzieren und menschliche Mitarbeiter für komplexere Fehleranalysen verfügbar machen.

Was bedeutet das für Arbeitsplätze im Rechenzentrum?

Damit berührt die Entwicklung auch die Arbeitswelt.

Einige der von WIRED befragten Meta-Mitarbeiter äußern die Sorge, dass durch die Automatisierung weniger hoch qualifizierte Techniker benötigt werden könnten.

Meta widerspricht dieser Interpretation.

Das Unternehmen verweist darauf, dass durch den massiven Ausbau seiner Rechenzentren zusätzliche Fachkräfte benötigt würden. Parallel investiert Meta in Ausbildungsprogramme für technische Berufe.

Beide Entwicklungen schließen sich allerdings nicht aus.

Ein Unternehmen kann gleichzeitig mehr Rechenzentren bauen, zusätzliche Mitarbeiter einstellen und den Personalaufwand pro Server oder Rack reduzieren.

Für die langfristige Entwicklung ist deshalb weniger interessant, ob ein einzelner Roboter heute bereits einen Menschen ersetzen kann.

Entscheidend ist die Produktivität pro betriebenem System.

Wenn die Zahl der Server wesentlich schneller wächst als die Zahl der Techniker, ist Automatisierung bereits wirtschaftlich relevant.

Die eigentliche Veränderung steckt im Design der Hardware

Besonders spannend ist deshalb eine andere Frage.

Was passiert, wenn zukünftige Rechenzentren nicht mehr primär für menschliche Wartung entwickelt werden?

Viele aktuelle Schwierigkeiten entstehen dadurch, dass Roboter mit Infrastruktur arbeiten müssen, deren Bedienkonzept für Menschen optimiert wurde.

Das lässt sich verändern.

Kabelverbindungen könnten leichter maschinell erkannt werden. Komponenten könnten standardisierte Greifpunkte erhalten. Statusinformationen müssten nicht mehr über kleine LEDs ausgelesen werden, sondern könnten direkt digital bereitstehen.

Auch Racks und Laufwege könnten stärker auf autonome Systeme abgestimmt werden.

Der entscheidende Schritt wäre dann nicht der bessere Roboter.

Es wäre das Rechenzentrum, das von Anfang an für Roboter gebaut wird.

Rechenzentren werden selbst zu automatisierten Systemen

Noch wirkt Metas Robotik teilweise erstaunlich unspektakulär.

Ein mechanischer Finger drückt einen Knopf. Ein Roboter fährt durch einen Raum und scannt Barcodes. Ein anderer versucht, Kabel umzustecken.

Gerade darin liegt aber die interessante Entwicklung.

Automatisierung beginnt in der Praxis selten mit einem universellen System, das einen kompletten Beruf übernimmt. Sie beginnt mit einzelnen wiederkehrenden Aufgaben.

Bei Rechenzentren könnte daraus schrittweise eine Infrastruktur entstehen, in der Software nicht nur Server überwacht, sondern bei einem physischen Problem direkt eine Maschine losschickt.

Der Roboter fährt zum richtigen Rack, identifiziert die betroffene Hardware und führt einen standardisierten Eingriff aus.

Bis dahin bleiben technische Probleme zu lösen. Menschen sind bei vielen Wartungsarbeiten weiterhin flexibler, schneller und deutlich besser darin, unerwartete Situationen zu verstehen.

Metas Experimente zeigen jedoch, wohin sich der Betrieb großer KI-Rechenzentren entwickeln könnte.

Nach der Automatisierung von Software und Infrastrukturcode folgt zunehmend die Automatisierung der physischen Hardware selbst.

FAQ

Welche Roboter testet Meta in seinen Rechenzentren?

Meta erprobt unter anderem Roboterarme von Kinova, Systeme von ABB sowie Roboter von Watney Robotics. Sie sollen Kabel tauschen, Server zurücksetzen und Hardware warten.

Ersetzen Roboter bereits Techniker in Meta-Rechenzentren?

Noch nicht vollständig. Viele Systeme benötigen menschliche Aufsicht, sind langsamer als Techniker oder scheitern an Aufgaben, für die heutige Server-Hardware nicht für Roboter ausgelegt wurde.

Warum automatisiert Meta die Wartung seiner Rechenzentren?

Mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur wächst auch der Aufwand für Betrieb und Wartung. Roboter könnten wiederkehrende physische Aufgaben automatisieren und Reaktionszeiten bei Störungen verkürzen.

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