Elon Musks Mondstadt: Reicht das Wasser auf dem Mond?
Eine neue Studie zeigt, wie schnell eine Millionenstadt auf dem Mond ihre Wasservorräte verbrauchen könnte und warum Recycling entscheidend wäre
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Elon Musk will eine selbstwachsende Stadt auf dem Mond. Eine neue Studie zeigt, dass nicht Energie, sondern Wasser zum entscheidenden Engpass einer großen Siedlung werden könnte.
Elon Musk will eine selbstwachsende Stadt auf dem Mond
Elon Musk hat im Februar 2026 ein neues langfristiges Ziel für SpaceX formuliert. Das Unternehmen habe seinen Fokus auf den Aufbau einer "self-growing city" auf dem Mond verschoben, die seiner Einschätzung nach in weniger als zehn Jahren erreichbar sein könnte.
Der Mond habe aus Sicht Musks einen praktischen Vorteil gegenüber dem Mars. Starts seien wesentlich häufiger möglich, die Flugzeit sei kürzer und neue Systeme könnten entsprechend schneller getestet werden. Eine detaillierte Architektur für diese Mondstadt oder einen verbindlichen Zeitplan legte Musk mit dieser Ankündigung allerdings nicht vor.
Eine am 14. September 2026 in "Frontiers in Space Technologies" veröffentlichte Studie beschäftigt sich nun mit einer deutlich grundlegenderen Frage: Kann der Mond überhaupt genügend Ressourcen für eine größere menschliche Bevölkerung bereitstellen?
Die Forscher Martin Elvis und Jonathan C. McDowell kommen zu einem Ergebnis, das für langfristige Pläne entscheidend sein könnte. Energie wäre demnach lösbar. Wasser könnte dagegen zum Flaschenhals werden.
Wie viel Wasser gibt es auf dem Mond?
Wasser auf dem Mond klingt zunächst ungewöhnlich. Flüssige Seen oder Flüsse gibt es dort nicht. Interessant sind stattdessen Ablagerungen von Wassereis nahe der Pole.
Die Achse des Mondes ist nur gering geneigt. Dadurch erreicht das Sonnenlicht den Boden einiger tiefer Krater in den Polarregionen niemals direkt. In diesen dauerhaft verschatteten Regionen herrschen extrem niedrige Temperaturen.
Solche Gebiete funktionieren als natürliche Kältefallen. Wassereis und andere flüchtige Stoffe können dort über sehr lange Zeiträume erhalten bleiben.
Mehrere Missionen und Instrumente haben Hinweise auf Wasser beziehungsweise Wasserstoff in diesen Regionen geliefert. Dazu gehören Chandrayaan-1, der Lunar Reconnaissance Orbiter und die LCROSS-Mission. Wie viel nutzbares Wassereis tatsächlich vorhanden ist, lässt sich trotzdem noch nicht zuverlässig beantworten.
Genau diese Unsicherheit ist für die neue Studie wichtig.
Eine frühere Untersuchung besonders vielversprechender dauerhaft verschatteter Regionen kam für acht große Vorkommen zusammen auf eine Größenordnung von rund 34 Millionen Tonnen Wasser. Andere Modelle und Messmethoden lieferten deutlich höhere Werte.
Elvis und McDowell rechnen deshalb bewusst mit einer sehr großzügigen Ausgangsbasis: einer Milliarde Tonnen Wasser.
Die Zahl soll kein gesicherter Nachweis dieser Menge sein. Sie dient vielmehr als optimistisches Szenario. Selbst unter dieser Annahme wird das Wasser bei einer großen Mondstadt schnell zu einer begrenzten Ressource.
Eine Million Menschen würden enorme Mengen Wasser benötigen
Für ihr Modell betrachten die Forscher eine Stadt mit einer Million Einwohnern. Dabei geht es nicht nur um Trinkwasser.
Wasser wird in einer dauerhaften Mondbasis für mehrere Bereiche benötigt:
- Trinken und Körperpflege
- Produktion von Sauerstoff
- Lebensmittelproduktion
- technische Prozesse
- teilweise auch die Produktion von Treibstoffen
Besonders relevant ist die Landwirtschaft. Auf der Erde steckt ein großer Teil unseres Wasserverbrauchs indirekt in der Produktion von Lebensmitteln. Eine Mondstadt könnte zwar mit geschlossenen Kreisläufen, Hydrokultur und vertikaler Landwirtschaft wesentlich effizienter arbeiten, vollständig verschwindet der Bedarf jedoch nicht.
Die Studie arbeitet mit einem angenommenen Gesamtverbrauch von rund 500 Tonnen Wasser pro Person und Jahr.
Bei einer Million Menschen wären das rechnerisch 500 Millionen Tonnen Wasser pro Jahr.
Ohne Recycling wären selbst die großzügig angenommenen eine Milliarde Tonnen Mondwasser damit nach ungefähr 2,4 Jahren aufgebraucht.
Damit ist allerdings nur ein theoretischer Ausgangspunkt beschrieben. Eine echte Mondbasis würde selbstverständlich Wasser zurückgewinnen.
98 Prozent Wasserrecycling reichen für rund 100 Jahre
Wie entscheidend Recycling ist, zeigt ein Blick auf die Internationale Raumstation.
Das Environmental Control and Life Support System der ISS kann inzwischen rund 98 Prozent des eingesetzten Wassers zurückgewinnen. Dazu wird unter anderem Wasser aus Luftfeuchtigkeit, Schweiß und Urin wiederaufbereitet.
98 Prozent klingt beinahe wie ein geschlossener Kreislauf. Bei einer Stadt mit einer Million Menschen bleiben die verbleibenden zwei Prozent allerdings relevant.
Aus 500 Millionen Tonnen Wasser, die pro Jahr durch den Kreislauf laufen, ergeben zwei Prozent Verlust noch immer rund zehn Millionen Tonnen pro Jahr.
Bei einem Ausgangsvorrat von einer Milliarde Tonnen wäre dieser Vorrat nach etwa 100 Jahren erschöpft.
Die Modellrechnung der Studie zeigt, wie stark sich bereits kleine Verbesserungen beim Recycling auswirken:
| Bevölkerung | Wasserrückgewinnung | Rechnerische Reichweite |
|---|---|---|
| 1.000.000 | 98 % | rund 100 Jahre |
| 1.000.000 | 99 % | rund 200 Jahre |
| 1.000.000 | 99,9 % | rund 2.000 Jahre |
| 100.000 | 98 % | rund 1.000 Jahre |
Eine kleinere Siedlung verändert die Rechnung entsprechend deutlich. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Mondbasis mit einigen Tausend Menschen und einer echten Millionenstadt.
Eine Mondbasis ist etwas anderes als eine Mondstadt
Die Studie sagt nicht, dass Menschen langfristig nicht auf dem Mond leben können.
Für eine kleinere Forschungs- oder Industriesiedlung sieht die Ressourcenlage wesentlich entspannter aus. Bei einigen Tausend Bewohnern könnten selbst begrenzte Wasservorräte über sehr lange Zeiträume ausreichen.
Erst mit dem Wachstum in Richtung einer echten Stadt wird die Skalierung zum Problem.
Das ist auch aus Sicht der Gesellschaft interessant. Eine dauerhafte menschliche Präsenz außerhalb der Erde hängt nicht nur davon ab, ob wir Menschen und Material dorthin transportieren können. Eine Siedlung muss anschließend über Jahrzehnte oder Jahrhunderte funktionieren.
Transport ist nur ein Teil der Gleichung.
Energie, Ersatzteile, Nahrung, Sauerstoff, Wasser, Abfallverwertung und industrielle Produktion müssen möglichst weitgehend in lokale Kreisläufe integriert werden. Eine "selbstwachsende" Stadt wäre deshalb eine wesentlich anspruchsvollere Aufgabe als eine dauerhaft bemannte Basis.
Warum gerade der Südpol des Mondes so wichtig ist
Die Polarregionen spielen deshalb bei aktuellen Mondprogrammen eine zentrale Rolle.
Auch die NASA plant ihre langfristige Mondinfrastruktur in der Region des lunaren Südpols. Dort treffen mehrere interessante Eigenschaften aufeinander.
In dauerhaft verschatteten Kratern könnten sich Wassereis und andere Rohstoffe befinden. Gleichzeitig gibt es höher gelegene Gebiete, die über lange Zeiträume Sonnenlicht erhalten und deshalb für Solarenergie interessant sind.
Wasser könnte vor Ort nicht nur getrunken werden. Es lässt sich in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen. Sauerstoff wird für Lebenserhaltungssysteme benötigt und beide Elemente können je nach technischer Architektur eine Rolle bei der Herstellung von Treibstoffen spielen.
Der technische Begriff dafür lautet "In-Situ Resource Utilization", kurz ISRU. Statt jede benötigte Ressource von der Erde mitzubringen, sollen vorhandene Rohstoffe direkt auf dem Mond gewonnen und verarbeitet werden.
Ob dieses Konzept wirtschaftlich und technisch funktioniert, hängt aber nicht nur davon ab, ob irgendwo Wassereis existiert.
Entscheidend ist auch, in welcher Konzentration es vorkommt, wie tief es liegt und mit welchem Energieaufwand es aus dem Regolith gewonnen werden kann.
Eine Tonne theoretisch vorhandenes Wasser ist nicht automatisch eine Tonne praktisch nutzbares Wasser.
Die größte Unsicherheit bleibt die tatsächliche Wassermenge
Die vielleicht wichtigste Einschränkung der Studie steckt deshalb bereits in ihrer Ausgangszahl.
Wir wissen derzeit nicht exakt, wie viel Wasser auf dem Mond vorhanden und wirtschaftlich erreichbar ist.
Verschiedene Messverfahren untersuchen unterschiedliche Tiefen und Flächen. Manche Instrumente erkennen Oberflächeneis, andere messen Wasserstoff im Untergrund. Radar kann wiederum tiefere Strukturen untersuchen.
Dadurch entsteht kein vollständiges Inventar.
Es könnte tief unter der Oberfläche weitere Vorkommen geben, die heutige Instrumente noch nicht ausreichend erfassen. Umgekehrt bedeutet ein gemessenes Wasserstoffsignal nicht automatisch, dass große, einfach abbaubare Eisvorkommen vorhanden sind.
Die Autoren betrachten ihre eine Milliarde Tonnen deshalb ausdrücklich als großzügige Annahme.
Für konkrete Siedlungspläne wären direkte Messungen und Bohrungen an potenziellen Abbauorten wesentlich aussagekräftiger als globale Schätzungen.
Könnte SpaceX das Wasserproblem lösen?
Mehrere Wege könnten die Rechnung verändern.
Der offensichtlichste Ansatz wäre ein effizienterer Wasserkreislauf. Laut Studie müsste eine Millionenstadt für eine Lebensdauer von etwa 1.000 Jahren eine Rückgewinnungsrate von mehr als 99,75 Prozent erreichen.
Das klingt nach einer kleinen Verbesserung gegenüber den 98 Prozent der ISS. Technisch ist der Unterschied jedoch erheblich.
Jedes Leck, jeder Wartungsvorgang und jeder Prozess, bei dem Wasser dauerhaft gebunden oder verloren wird, beeinflusst den gesamten Kreislauf.
Ein zweiter Ansatz wäre ein geringerer Verbrauch. Geschlossene Gewächshäuser, Hydrokultur, vertikale Landwirtschaft und andere Produktionsmethoden könnten den Wasserbedarf für Lebensmittel stark reduzieren.
Auch zusätzliche Wasservorkommen würden die Situation verändern. Die bisherigen Messungen erfassen schließlich nicht zwangsläufig alle Ressourcen des Mondes.
Theoretisch wäre sogar der Import von Wasser aus Asteroiden denkbar. Für eine Millionenstadt wären die benötigten Mengen allerdings enorm. Damit würde das Problem teilweise nur von der Rohstoffgewinnung auf die Transportlogistik verlagert.
Musks Zeitplan und die Studie beantworten unterschiedliche Fragen
Die neue Berechnung widerlegt nicht direkt Musks Ziel, innerhalb von weniger als zehn Jahren mit einer Mondstadt zu beginnen.
Sie untersucht eine andere Ebene des Problems.
SpaceX muss zunächst Transport, Landung, Energieversorgung, Habitate und Infrastruktur beherrschen. Die Studie fragt dagegen, wie weit eine solche Siedlung langfristig wachsen könnte, wenn sie hauptsächlich auf die heute bekannten lokalen Wasserressourcen angewiesen wäre.
Eine kleine permanente Basis und eine Millionenstadt sind technisch vollkommen unterschiedliche Größenordnungen.
Gerade deshalb ist die Arbeit interessant. Sie verschiebt die Diskussion von der Frage "Können wir auf dem Mond landen?" hin zu "Wie viele Menschen kann eine weitgehend autarke Mondwirtschaft dauerhaft versorgen?"
Fazit: Wasser könnte die Größe einer Mondstadt bestimmen
Eine dauerhafte Mondbasis erscheint durch die Studie nicht grundsätzlich unrealistischer. Eine sehr große und weitgehend autarke Stadt stößt unter den heutigen Annahmen allerdings schnell auf Ressourcenfragen.
Selbst eine Milliarde Tonnen Wasser wären bei einer Million Einwohnern ohne Recycling innerhalb weniger Jahre verbraucht. Mit einem Kreislauf auf dem Niveau der ISS verlängert sich dieser Zeitraum auf ungefähr ein Jahrhundert.
Für eine echte, über viele Generationen bestehende Mondstadt wären deshalb extrem effiziente geschlossene Kreisläufe, ein wesentlich geringerer Wasserverbrauch oder deutlich größere nutzbare Wasservorkommen notwendig.
Das eigentliche Problem einer Mondstadt beginnt damit möglicherweise erst nach der Landung.
Menschen auf den Mond zu bringen ist eine Transportaufgabe. Dort eine dauerhaft wachsende Stadt aufzubauen, ist eine Ressourcenwirtschaft.
FAQ
Wie viel Wasser gibt es auf dem Mond?
Die genaue Menge ist unbekannt. Eine neue Studie rechnet bewusst mit einer großzügigen Annahme von einer Milliarde Tonnen Wasser in den dauerhaft verschatteten Regionen nahe der Mondpole.
Wie lange würde das Wasser auf dem Mond für eine Million Menschen reichen?
Unter den Annahmen der Studie wären die Vorräte ohne Recycling nach rund 2,4 Jahren verbraucht. Bei 98 Prozent Wasserrückgewinnung wären es etwa 100 Jahre.
Ist eine Stadt auf dem Mond damit unmöglich?
Nein. Die Studie untersucht einen möglichen Ressourcenengpass. Mehr Wasservorkommen, sparsamerer Verbrauch und deutlich effizienteres Recycling könnten die Rechnung verändern.


