SpaceX-Aktie – Zwischen KI-Nachfrage und hohen Erwartungen

SpaceX gewinnt mit KI-Rechenzentren neue Kunden. Warum hohe Nachfrage allein noch nicht verrät, ob die Aktie ihren Preis wert ist

Dieser Artikel hat eine Lesedauer von 4 Minuten.

SpaceX-Aktie – Zwischen KI-Nachfrage und hohen Erwartungen

Bei SpaceX geht es an der Börse nicht mehr nur um Raketen und Satelliten. Neue KI-Verträge treffen auf hohe Investitionen. Ein Blick auf das Geschäft hinter der Kursmeldung.

Warum bei einer Raumfahrtaktie plötzlich KI wichtig ist

Am 17. September 2026 berichtete Barron's über ein vorbörsliches Plus der SpaceX-Aktie von 1,5 Prozent auf 153,08 US-Dollar. Am Vortag hatte sie bereits 5,2 Prozent gewonnen. Der Bericht stellt die Bewegung in den Zusammenhang mit anhaltender KI-Nachfrage. Quelle: Barron's

Die Verbindung ist konkret: SpaceX gab am 2. Februar 2026 die Übernahme von xAI bekannt. Die Betrachtung als reines Raketen- und Satellitenunternehmen greift seitdem zu kurz. Quelle: Unternehmensmitteilung

Um die Bedeutung der Nachfrage einzuordnen, hilft deshalb ein Blick darauf, was SpaceX tatsächlich verkauft. Es geht nicht nur um eigene KI-Produkte, sondern auch um die Infrastruktur für andere Anbieter.

Rechenleistung als eigenes Geschäft

Ein Beispiel ist die Vereinbarung mit Anthropic. Am 6. Mai kündigte der Claude-Anbieter an, die gesamte Rechenkapazität von Colossus 1 nutzen zu können. Anthropic bezifferte den vereinbarten Zugang auf mehr als 220.000 Nvidia-Grafikprozessoren. Quelle: Anthropic

SpaceX übernimmt dabei eine Rolle, die man aus der Cloud kennt: Ein Unternehmen stellt Infrastruktur bereit, auf der ein anderes seine Dienste betreibt. Daraus ergibt sich eine zusätzliche Einnahmequelle, die nicht ausschließlich vom Erfolg der eigenen KI-Produkte abhängt.

Für Nutzer kann dieser Ausbau durchaus im Alltag ankommen. Anthropic kündigte damals unter anderem höhere Nutzungslimits für Claude Code an und verwies dabei auf diesen sowie weitere Infrastrukturverträge. Mehr verfügbare Rechenkapazität kann also beeinflussen, wie intensiv sich ein KI-Werkzeug verwenden lässt. Quelle: Anthropic

Neue Verträge erhöhen die Erwartungen

Auch im September kamen weitere Geschäftsmeldungen hinzu. Nach einem Bericht von Business Insider stellte SpaceX-Finanzchef Bret Johnsen am 10. September einen neuen Hostingvertrag vor. Ab dem 1. Dezember soll dieser monatlich rund 1,11 Milliarden Dollar einbringen. Den Kunden nannte Johnsen nicht. Quelle: Business Insider

Parallel steigen die Erwartungen: Die von Barron's genannten Schätzungen für den KI-Umsatz 2027 erhöhten sich seit Juni von 38 auf 67 Milliarden Dollar. Quelle: Barron's

Das sind unterschiedliche Arten von Informationen. Ein angekündigter Vertrag beschreibt vereinbarte Leistungen und erwartete Zahlungen. Eine Umsatzschätzung für das kommende Jahr enthält zusätzliche Annahmen darüber, wie sich das Geschäft entwickeln wird. Beides ist nicht mit bereits verbuchten Erlösen gleichzusetzen.

Gerade bei großen Monatsbeträgen lohnt sich diese Trennung. Ein Vertrag, der erst im Dezember beginnt, liefert nicht rückwirkend Einnahmen für das gesamte laufende Jahr.

Wachstum ist nicht gleich Gewinn

Die Quartalszahlen zeigen, weshalb Nachfrage allein die wirtschaftliche Einordnung nicht erledigt. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das KI-Segment von SpaceX rund 2,56 Milliarden Dollar Umsatz. Gleichzeitig wies es einen operativen Verlust von 1,26 Milliarden Dollar aus. Die Investitionsausgaben dieses Bereichs lagen bei 15,83 Milliarden Dollar. Quelle: SpaceX-Ergebnismeldung bei der SEC

Diese Zahlen beschreiben unterschiedliche Dinge. Der operative Verlust ist eine Ergebnisgröße. Die Investitionsausgaben zeigen dagegen, wie viel in Anlagen und Infrastruktur fließt. Man darf sie nicht einfach als weiteren Verlust zum operativen Ergebnis addieren.

Außerdem umfasst das Segment mehr als die Vermietung von Rechenleistung, darunter Werbung und weitere KI-Angebote. Aus seinem Verlust lässt sich deshalb nicht ableiten, dass ein bestimmter Hostingvertrag unrentabel wäre. Quelle: Segmentaufstellung von SpaceX

Das übrige Geschäft sollte dabei nicht verschwinden. Die Sparte Connectivity, zu der Starlink gehört, kam im selben Quartal auf 4,29 Milliarden Dollar Umsatz und 1,66 Milliarden Dollar operativen Gewinn. SpaceX verbindet also bereits ertragreiche Geschäftsbereiche mit einem kostspieligen Ausbau im Bereich KI. Quelle: SpaceX-Ergebnismeldung bei der SEC

Rechenzentren am Boden sind nicht Rechenzentren im All

Eine weitere Unterscheidung betrifft den Standort. Der Colossus-1-Vertrag und mögliche Rechenzentren im Orbit sind zwei verschiedene Vorhaben. Anthropic erklärte im Mai zusätzlich Interesse an einer Zusammenarbeit für orbitale KI-Rechenkapazitäten. SpaceXAI knüpft deren mögliche Vorteile selbst daran, dass technische Herausforderungen gelöst werden. Quelle: SpaceXAI

Aus diesem Interesse lässt sich noch kein bereits laufender, wirtschaftlicher Betrieb im All ableiten. Für eine Bewertung müssen bestehende Infrastruktur, vereinbarte Erweiterungen und weiter entfernte Entwicklungsziele getrennt betrachtet werden.

Die interessantere Frage hinter dem Tagesplus lautet deshalb nicht bloß, ob KI gefragt ist. Sie lautet, welche dauerhaft erzielbaren Erträge SpaceX mit dieser Nachfrage erwirtschaften kann und welchen Preis Anleger dafür heute bezahlen. Neue Kunden liefern dafür wichtige Hinweise. Die gesamte Rechnung ersetzen sie nicht.

FAQ

Was hat SpaceX mit künstlicher Intelligenz zu tun?

SpaceX hat im Februar 2026 xAI übernommen. Zum Konzern gehören damit auch KI-Angebote und Rechenzentrumsinfrastruktur. Unternehmen wie Anthropic haben Verträge zur Nutzung dieser Rechenkapazitäten abgeschlossen.

Beweist eine hohe KI-Nachfrage, dass die SpaceX-Aktie günstig ist?

Nein. Nachfrage ist nur ein Teil der Bewertung. Entscheidend sind auch Investitionsbedarf, künftige Erträge und die Wachstumserwartungen, die bereits im Aktienkurs enthalten sind.

Betrifft der Vertrag mit Anthropic ein Rechenzentrum im Weltraum?

Nein. Der Colossus-1-Vertrag betrifft ein Rechenzentrum auf der Erde. Interesse an einer Zusammenarbeit für orbitale KI-Rechenkapazitäten wurde separat genannt.

oliverjessner.at als bevorzugte Quelle bei Google hinzufügen

Interesse an einer Zusammenarbeit?


Ob konkrete Anfrage, lose Idee oder erster Austausch: Schreib mir, wenn du denkst, dass wir gut zusammenpassen könnten.



iPhone mit einem eingehenden Anruf von Oliver Jessner