Xbox-Reset: Activision entwickelt das nächste Halo, Ninja Theory droht die Schließung
Microsoft baut Xbox weiter um: 268 Stellen fallen weg, Activision entwickelt das nächste Halo und Ninja Theory droht die Schließung
Dieser Artikel hat eine Lesedauer von 6 Minuten.

Microsoft setzt den Umbau seiner Xbox-Sparte fort. Weitere 268 Stellen fallen weg, das nächste Halo entsteht bei Activision und Ninja Theory steht vor einer möglichen Schließung.
Xbox-Reset: Microsoft streicht weitere 268 Stellen
Microsoft baut seine Gaming-Sparte weiter um. Im Rahmen des bereits im Sommer begonnenen Xbox-Resets entfallen weitere 268 Stellen. Betroffen sind Halo Studios, andere First-Party-Studios sowie Management und zentrale Funktionen innerhalb der Xbox Game Studios.
Xbox-Content-Chef Matt Booty teilte die Änderungen am 22. September 2026 zunächst intern mit. Microsoft veröffentlichte die Nachricht anschließend über Xbox Wire. Nach Angaben des Unternehmens sind mit den seit Juli erfolgten Entlassungen und Studio-Ausgliederungen inzwischen rund drei Viertel der angekündigten Restrukturierung umgesetzt.
Der Umbau beschränkt sich dabei nicht auf Stellenstreichungen. Microsoft verändert auch grundlegend, welche Studios für welche Marken verantwortlich sind.
Das nächste Halo entsteht bei Activision
Die auffälligste Änderung betrifft Halo. Das nächste Spiel der Reihe wird von Activision entwickelt.
Dafür soll innerhalb von Activision ein neues Team entstehen, das ausdrücklich getrennt von der laufenden Entwicklung von Call of Duty arbeitet. Details zum nächsten Halo-Spiel oder einen Veröffentlichungstermin nennt Microsoft bislang nicht.
Halo Studios, das frühere 343 Industries, verschwindet allerdings nicht vollständig. Ein kleines Team soll sich weiterhin um bereits veröffentlichte Halo-Spiele und die Community kümmern.
Damit verändert Microsoft die Zuständigkeit für eine seiner wichtigsten Marken deutlich. Erst 2024 wurde 343 Industries in Halo Studios umbenannt und gleichzeitig der Wechsel auf die Unreal Engine angekündigt. Nun wird die Entwicklung des nächsten großen Halo-Projekts organisatorisch zu Activision verlagert.
Die Halo-Marke selbst wird dabei nicht verkauft. Activision gehört seit der 2023 abgeschlossenen Übernahme von Activision Blizzard ohnehin zu Microsoft.
Rare und World's Edge wechseln ebenfalls zu Activision
Activision erhält innerhalb des Xbox-Konzerns noch mehr Verantwortung. Künftig fallen auch Rare und World's Edge in den Zuständigkeitsbereich des Publishers.
Rare ist unter anderem für Sea of Thieves bekannt. World's Edge betreut die Age-of-Empires-Reihe. Beide Studios bleiben bestehen, werden organisatorisch aber enger an Activision angebunden.
Microsoft begründet diese Neuordnung damit, weniger getrennte Geschäftseinheiten betreiben und bereits eng zusammenarbeitende Gruppen stärker bündeln zu wollen.
Ninja Theory droht die Schließung
Deutlich unsicherer ist die Zukunft von Ninja Theory. Das Studio hinter Hellblade und Senua sollte ursprünglich aus dem Xbox-Konzern herausgelöst werden.
Im Juli hatte Microsoft mitgeteilt, dass für Ninja Theory und Undead Labs neue Eigentümer gesucht werden. Im Fall von Ninja Theory sind laut Matt Booty inzwischen zwei separate Vereinbarungen gescheitert.
Microsoft beginnt deshalb einen Konsultationsprozess mit den Beschäftigten über eine mögliche Schließung des Studios. Gleichzeitig will das Unternehmen weiterhin andere Optionen prüfen.
Eine endgültige Schließung ist damit noch nicht beschlossen.
Besonders auffällig ist der Zeitpunkt. Erst im Juni 2026 hatte Microsoft mit "Senua" ein neues Action-Adventure von Ninja Theory angekündigt. Das Spiel soll 2027 erscheinen und die Geschichte der aus Hellblade bekannten Figur fortsetzen. Auf der offiziellen Xbox-Seite wird Ninja Theory weiterhin als Entwickler und 2027 als Veröffentlichungsjahr genannt.
Welche Auswirkungen die mögliche Schließung auf Senua hätte, geht aus der aktuellen Mitteilung von Microsoft nicht hervor.
Undead Labs wird unabhängig
Für andere Studios ist der geplante Ausstieg aus Microsoft bereits weiter fortgeschritten.
Compulsion Games und Double Fine gingen im August zurück an ihre Management-Teams. Dabei erhielten die Studios laut Microsoft ihre Marken, bisherigen Spielekataloge und eine Finanzierung für die Übergangsphase.
Auch Undead Labs wurde inzwischen aus Xbox herausgelöst. Das Studio arbeitet weiter an State of Decay 3 und hat einen neuen Publisher. Microsoft zufolge soll das Spiel trotzdem zum Veröffentlichungstermin im Game Pass erscheinen.
Beim französischen Arkane läuft dagegen weiterhin ein Konsultationsprozess. Dieser soll voraussichtlich bis Ende 2026 dauern.
Obsidian rückt näher an Bethesda
Auch Obsidian wird neu eingeordnet. Bethesda übernimmt künftig die organisatorische Verantwortung für das Studio.
Obsidian arbeitet weiter an bestehenden Projekten wie Grounded und außerdem gemeinsam mit Bethesda Game Studios an einem neuen Fallout-Projekt.
Für Microsoft liegt eine solche Bündelung nahe. Bethesda besitzt mit Fallout eine der wichtigsten Rollenspielmarken des Konzerns, während Obsidian bereits 2010 Fallout: New Vegas entwickelte.
Eine vollständige Verschmelzung der Studios hat Microsoft nicht angekündigt. Obsidian wird organisatorisch lediglich dem erweiterten Verantwortungsbereich von Bethesda zugeordnet.
Playground Games und Turn 10 werden zusammengelegt
Noch weiter geht Microsoft bei seinen beiden Forza-Studios.
Playground Games und Turn 10 Studios werden zu einem gemeinsamen Studio zusammengeführt. Die neue Einheit soll sich auf Forza und Fable konzentrieren.
Playground Games entwickelt neben Forza Horizon derzeit auch Fable. Turn 10 ist traditionell für Forza Motorsport verantwortlich.
Die beiden Teams arbeiten bereits seit Jahren an derselben Rennspielmarke. Aus dieser Zusammenarbeit wird nun auch organisatorisch eine gemeinsame Einheit.
King übernimmt außerdem Microsoft Casual Games. Damit landen klassische Casual-Angebote von Microsoft im selben Verantwortungsbereich wie das vor allem für Candy Crush bekannte King.
Der Xbox-Reset begann bereits im Juli 2026
Die aktuellen Änderungen sind Teil einer wesentlich größeren Restrukturierung.
Microsoft kündigte am 6. Juli 2026 an, im Geschäftsjahr 2027 rund 3.200 Stellen innerhalb von Xbox abzubauen. Davon entfielen etwa 1.600 bereits auf die erste Runde.
Das Unternehmen begründete den Schritt unter anderem mit einer zu komplex gewordenen Organisation, hohen Kosten und schwächer als erwartet gewachsenen Geschäftsbereichen. Gleichzeitig sollen Managementebenen reduziert und Investitionen stärker auf ausgewählte Spiele und Marken konzentriert werden.
Dass nun Halo, Forza, Fable und Fallout stärker in größeren Einheiten gebündelt werden, passt zu dieser Strategie.
Für die Beschäftigten bedeutet der Umbau allerdings eine weitere Phase erheblicher Unsicherheit in der ohnehin seit Jahren von Entlassungen geprägten Spielebranche.
Was der Xbox-Umbau für Spieler bedeutet
Kurzfristig ändern die organisatorischen Verschiebungen wenig an bereits veröffentlichten Spielen. Interessanter ist die Frage, wie sich die neue Struktur auf kommende Projekte auswirkt.
Beim nächsten Halo ist die Veränderung bereits konkret. Zum ersten Mal wird ein neues Hauptprojekt nicht mehr vom bisherigen Kernstudio der Serie entwickelt. Activision soll dafür ein eigenes Team aufbauen.
Bei Forza und Fable werden zwei bisher getrennte Entwicklerstrukturen zusammengeführt. Obsidian rückt bei seinem kommenden Fallout-Projekt organisatorisch näher an Bethesda.
Unklar bleibt dagegen, wie es mit Ninja Theory und Senua weitergeht. Microsoft prüft weiterhin Alternativen zur Schließung des Studios. Solange dieser Prozess läuft, lässt sich über die Zukunft des Teams und seines angekündigten Spiels nur begrenzt etwas sagen.
Der Xbox-Reset zeigt damit vor allem eines: Microsoft reduziert nicht nur Personal, sondern verändert die Struktur seiner Spieleentwicklung grundlegend. Weniger eigenständige Einheiten sollen künftig mehr der großen Xbox-Marken verantworten.
FAQ
Entwickelt Activision künftig Halo?
Activision übernimmt die Entwicklung des nächsten Halo-Spiels. Dafür entsteht ein eigenes Team, das organisatorisch von den Call-of-Duty-Teams getrennt bleibt.
Wird Ninja Theory geschlossen?
Noch ist die Schließung nicht endgültig beschlossen. Nach zwei gescheiterten Vereinbarungen hat Microsoft einen Konsultationsprozess über eine mögliche Schließung begonnen und prüft parallel weitere Optionen.
Wie viele Stellen fallen beim aktuellen Xbox-Umbau weg?
Microsoft streicht in dieser Runde 268 Stellen bei Halo Studios, weiteren First-Party-Studios sowie im Management und in zentralen Funktionen der Xbox Game Studios.



