AYN Thor Max im Test: Wie gut ist der Handheld für DS und 3DS?
Der AYN Thor Max kombiniert zwei AMOLED-Displays mit Snapdragon 8 Gen 2. Ich habe getestet, wie gut DS, 3DS, GameCube und Co. laufen
Dieser Artikel hat eine Lesedauer von 9 Minuten.

Der AYN Thor kombiniert zwei AMOLED-Displays mit einem leistungsfähigen Snapdragon-Chip und erinnert damit unweigerlich an Nintendo DS und 3DS. Ich habe die Max-Version mit 16 GB RAM und 1 TB Speicher mehrere Tage ausprobiert und dabei nicht nur Nintendo-Systeme getestet.
AYN Thor Max im Test
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe leistungsfähiger Android-Handhelds für Emulation. Beim AYN Thor ist die reine Leistung allerdings nur ein Teil der Geschichte.
Entscheidend sind die beiden Displays.
Der Thor besitzt ein aufklappbares Clamshell-Gehäuse und erinnert damit sofort an Nintendo DS und 3DS. Oben sitzt ein 6 Zoll großes AMOLED-Display mit 1.920 × 1.080 Pixeln und bis zu 120 Hz. Darunter befindet sich ein zweites AMOLED-Display mit 3,92 Zoll, 1.240 × 1.080 Pixeln und 60 Hz.
Damit muss ein DS- oder 3DS-Emulator seine beiden Bildschirme nicht irgendwie auf einem einzelnen Panel unterbringen. Genau das macht den Thor für mich interessant.
Ich habe die Max-Version gekauft. Sie kombiniert den Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2 mit einer Adreno-740-GPU, 16 GB LPDDR5X-RAM und 1 TB internem Speicher.
AYN Thor: Technische Daten
| Merkmal | AYN Thor Max |
|---|---|
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2 |
| GPU | Adreno 740 |
| RAM | 16 GB LPDDR5X |
| Speicher | 1 TB |
| Hauptdisplay | 6 Zoll AMOLED, 1.920 × 1.080 Pixel, 120 Hz |
| Zweites Display | 3,92 Zoll AMOLED, 1.240 × 1.080 Pixel, 60 Hz |
| Akku | 6.000 mAh |
| WLAN | Wi-Fi 7 |
| Bluetooth | Bluetooth 5.3 |
| Speichererweiterung | microSD |
| Anschlüsse | USB-C, 3,5-mm-Klinke |
| Videoausgabe | DisplayPort über USB-C |
| Betriebssystem | Android 13 |
| Kühlung | Aktiv mit Lüfter |
Neben dem Max-Modell gibt es günstigere Varianten. Base und Pro verwenden ebenfalls den Snapdragon 8 Gen 2, bieten aber weniger RAM und Speicher. Zusätzlich existiert eine Lite-Version mit dem deutlich älteren Snapdragon 865.
Für reine Retro-Emulation muss es deshalb nicht zwingend die Max-Version sein. Für mich waren der große interne Speicher und ausreichend Reserven allerdings wichtige Argumente.
Verarbeitung und Bedienung – überraschend hochwertig
Bei Android-Handhelds kleinerer Hersteller schwingt manchmal noch die Vorstellung mit, dass man irgendwo bei Verarbeitung, Tasten oder Displays große Abstriche machen müsse.
Beim Thor hatte ich diesen Eindruck bisher nicht.
Die Schultertasten und Trigger fühlen sich ordentlich an. Besonders positiv überrascht haben mich aber das Steuerkreuz und die beiden Analogsticks.
Die Sticks sitzen relativ tief im Gehäuse. Das gefällt mir deutlich besser als viele flache Handheld-Sticks, die ich über die Jahre verwendet habe. Auch das D-Pad gehört für mich zu den besseren Varianten, die ich bisher bei einem Retro-Handheld ausprobiert habe.
Gerade bei Game-Boy-, SNES- und anderen klassischen 2D-Spielen macht das einen spürbaren Unterschied.
Neben USB-C gibt es einen microSD-Slot und sogar noch einen klassischen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss.
Über USB-C lässt sich der Thor außerdem an einen externen Bildschirm anschließen. In Verbindung mit Bluetooth-Controllern kann der kleine Handheld damit auch als stationäre Emulationskonsole am Fernseher dienen.
Zwei Displays sind mehr als ein Gimmick
Das zweite Display ist beim Thor kein Bildschirm, den man nur für Nintendo-Spiele verwenden kann.
Über die Software lässt sich steuern, welcher Bildschirm aktiv ist. Beide Displays können gleichzeitig laufen, alternativ kann nur das obere oder nur das untere Panel eingeschaltet werden.
Das ist überraschend praktisch.
Bei einem klassischen Game-Boy-Spiel bevorzuge ich beispielsweise den kleineren unteren Bildschirm. Die Darstellung wirkt dort für mich angenehmer und die ohnehin niedrige Auflösung des Originals muss weniger stark vergrößert werden.
Bei Game Boy Advance oder moderneren Konsolen bevorzuge ich dagegen das große obere AMOLED-Panel.
Auch Multitasking funktioniert. Ein Spiel kann beispielsweise auf einem Bildschirm laufen, während auf dem zweiten Display ein Video oder eine andere Android-App geöffnet ist.
Für einen Handheld ist das ungewöhnlich flexibel.
Nintendo DS auf dem AYN Thor – fast wie dafür gebaut
Der wahrscheinlich offensichtlichste Einsatzzweck des AYN Thor ist die Nintendo-DS-Emulation.
Nintendo DS besitzt zwei Displays. Bei klassischen Single-Screen-Handhelds müssen Emulatoren deshalb beide Bildschirme nebeneinander darstellen, zwischen ihnen wechseln oder einen der beiden deutlich verkleinern.
Der Thor hat dieses Problem nicht.
Bei Mario Kart DS konnte ich den oberen und unteren Bildschirm so darstellen, wie man es grundsätzlich von der Originalhardware erwartet. Auch New Super Mario Bros. lief in meinem Test problemlos.
Die Leistungsreserven des Snapdragon 8 Gen 2 sind für DS-Spiele enorm. Ich konnte die interne Auflösung deutlich erhöhen und trotzdem im normalen Performance-Modus bleiben.
Das Ergebnis sieht auf den AMOLED-Panels erheblich schärfer aus als auf einem originalen Nintendo DS.
Das ersetzt die Originalhardware nicht automatisch. Haptik, Displaygröße und das Gefühl eines echten DS bleiben anders. Für eine moderne Umsetzung der beiden Bildschirme funktioniert das Konzept aber ausgesprochen gut.
Nintendo 3DS – anspruchsvoller, aber sehr interessant
Spannender wird es beim Nintendo 3DS.
Hier reicht rohe Rechenleistung allein nicht aus. Emulator, Grafiktreiber und das jeweilige Spiel können einen erheblichen Unterschied machen.
Captain Toad: Treasure Tracker lief in meinem Test beispielsweise größtenteils flüssig, zeigte aber gelegentlich kleinere Ruckler. Solche Probleme können teilweise durch andere Grafiktreiber oder Emulator-Einstellungen verbessert werden.
Animal Crossing: New Leaf funktionierte ebenfalls gut.
Hier zeigt sich gleichzeitig ein kleines Detail, das beim Thor tatsächlich fehlt: Ein Stylus gehört nicht zum Lieferumfang.
Für Spiele mit vielen kleinen Touch-Elementen ist ein Eingabestift deutlich angenehmer als der Finger. Ich habe deshalb kurzerhand einen alten Stylus aus einer Schublade ausgegraben.
Insgesamt ist 3DS-Emulation deutlich anspruchsvoller als DS-Emulation. Wer erwartet, jedes Spiel einfach zu starten und nie eine Einstellung verändern zu müssen, wird früher oder später auf Ausnahmen treffen.
Wer bereit ist, sich etwas mit Emulatoren und deren Konfiguration zu beschäftigen, bekommt mit den beiden Displays jedoch ein sehr passendes Gerät für 3DS-Spiele.
Game Boy und Game Boy Advance
Für Game Boy und Game Boy Color braucht niemand einen Snapdragon 8 Gen 2.
Die Systeme stellen für heutige Hardware praktisch keine Herausforderung mehr dar. Interessanter ist deshalb die Frage, wie gut sich die Spiele auf dem Thor anfühlen.
Hier gefällt mir besonders das D-Pad.
Bei klassischen Pokémon-Spielen und anderen Game-Boy-Titeln habe ich meistens nur das untere Display verwendet. Auf knapp vier Zoll wirkt die Darstellung für mich stimmiger als auf dem großen 6-Zoll-Panel.
Beim Game Boy Advance habe ich dagegen meistens auf den oberen Bildschirm gewechselt.
Genau diese freie Wahl ist eine der Stärken des Geräts.
Nintendo 64 – hohe Auflösung statt Pixelbrei
Auch Nintendo-64-Emulation funktionierte in meinem Test größtenteils problemlos.
Diddy Kong Racing und Super Smash Bros. liefen sauber. Insgesamt habe ich zusätzlich rund 15 bis 20 N64-Spiele ausprobiert und hatte bei den meisten davon keine nennenswerten Probleme.
Besonders das AMOLED-Display wertet die alten Spiele optisch auf.
Natürlich wird aus einem Nintendo-64-Spiel dadurch kein modernes Remaster. Höhere interne Auflösungen und bessere Displays können aber dafür sorgen, dass 3D-Spiele aus dieser Generation heute wesentlich angenehmer aussehen.
GameCube und Wii
Noch interessanter wird es bei GameCube und Wii.
Auch hier hatte ich bei meinen Tests mit den meisten Spielen wenig Schwierigkeiten. Einzelne Titel können weiterhin spezielle Einstellungen benötigen, aber die Leistungsreserven des Snapdragon 8 Gen 2 machen sich deutlich bemerkbar.
Metroid auf dem GameCube lief beispielsweise flüssig und sah auf dem oberen AMOLED-Panel hervorragend aus.
Besonders praktisch finde ich hier die Möglichkeit, den Thor über USB-C an einen Fernseher anzuschließen.
Meine Frau und ich können zwei Controller verbinden und damit beispielsweise Mario Party oder Mario Kart am Fernseher spielen, ohne mehrere alte Konsolen dauerhaft im Wohnzimmer aufbauen zu müssen.
Für mich ist das einer der praktischsten Anwendungsfälle des Geräts.
PSP und PlayStation
Auch Sonys ältere Systeme passen gut zum Thor.
PlayStation- und PlayStation-2-Emulation liefen bei meinen Tests ohne auffällige Probleme. Bei anspruchsvolleren Systemen hängt die tatsächliche Performance natürlich stärker vom jeweiligen Spiel und Emulator ab.
Besonders gut gefällt mir die PSP.
GTA: Liberty City Stories lief ordentlich, wobei die Bildrate bei anspruchsvolleren Szenen schwanken kann. Andere PSP-Spiele waren weniger fordernd.
Der große Unterschied zur Original-PSP sind für mich allerdings die Analogsticks. Sie fühlen sich deutlich besser an als die ursprüngliche Eingabelösung der PSP und machen insbesondere 3D-Spiele angenehmer.
Sega Dreamcast
Bei Sega muss ich etwas einschränken: Mit diesen Konsolen bin ich historisch deutlich weniger vertraut als mit Nintendo-Systemen.
Daytona USA 2001 lief grundsätzlich gut. Vereinzelt konnte ich allerdings beobachten, dass Objekte sichtbar ein- oder ausgeblendet wurden.
Andere getestete Dreamcast-Spiele machten weniger Probleme.
Ob solche Auffälligkeiten am Emulator, Grafiktreiber, Spiel oder meiner Konfiguration liegen, lässt sich bei einzelnen Titeln nicht immer sofort beantworten.
Genau das ist ein Punkt, den man bei solchen Handhelds verstehen sollte.
Emulation ist nicht immer Plug-and-play
Der AYN Thor ist leistungsfähig, aber keine Konsole im klassischen Sinn.
Es gibt nicht den einen Emulator, mit dem man anschließend automatisch jede Plattform perfekt spielen kann.
Je nachdem, welche Systeme man verwenden möchte, braucht man unterschiedliche Emulatoren. Dazu kommen Einstellungen für Renderer, Auflösung, Controller, Grafiktreiber und gelegentlich einzelne Spiele.
Gerade wenn man zum ersten Mal einen Android-Handheld für Gaming einrichtet, kann das am Anfang überwältigend wirken.
Wer erwartet, den Thor einzuschalten und fünf Minuten später eine vollständig konfigurierte Retro-Bibliothek vor sich zu haben, bekommt deshalb möglicherweise einen falschen Eindruck vom Gerät.
Der Thor richtet sich momentan eher an Menschen, die zumindest bereit sind, sich etwas mit Emulation auseinanderzusetzen.
Das AYN-Menü ist im Alltag praktisch
AYN ergänzt Android um einige eigene Funktionen.
Über eine Taste lässt sich während eines Spiels ein Overlay öffnen. Dort können unter anderem Temperaturen, Framerate und Performance-Einstellungen kontrolliert werden.
Auch die Lüftersteuerung lässt sich anpassen.
Bei weniger anspruchsvollen Spielen ist es beispielsweise möglich, Leistung und Lüfteraktivität zu reduzieren. Bei anspruchsvolleren Emulatoren kann die Performance entsprechend erhöht werden.
Im normalen Betrieb war der Lüfter für mich bisher nicht störend.
Dass ich die beiden Displays einzeln konfigurieren und sogar deren Helligkeit getrennt verändern kann, passt ebenfalls gut zum Konzept des Thor.
Wie groß ist der AYN Thor?
Durch das Clamshell-Design wirkt der Thor auf Fotos teilweise größer, als er tatsächlich ist.
Zusammengeklappt ist er erheblich kompakter als aktuelle große Gaming-Handhelds.
Im direkten Vergleich mit einer Nintendo Switch Lite ist der Thor kürzer, dafür durch die zwei Displayhälften natürlich dicker.
Eine Switch 2 ist nochmals deutlich größer.
Das macht den Thor für mich zu einem guten Mittelweg. Er ist kein winziger Handheld, verschwindet zusammengeklappt aber wesentlich leichter in einer Tasche als große PC-Handhelds.
Das Clamshell-Gehäuse schützt gleichzeitig die beiden Displays.
Für wen lohnt sich der AYN Thor?
Nach meinen ersten Tagen mit dem Gerät sehe ich eine ziemlich klare Zielgruppe.
Wer hauptsächlich Game Boy, SNES oder PlayStation 1 emulieren möchte, braucht keinen AYN Thor. Dafür gibt es wesentlich günstigere Handhelds.
Auch der Snapdragon 8 Gen 2 allein ist kein Grund, genau dieses Gerät zu kaufen. Vergleichbare Leistung findet man inzwischen in mehre
FAQ
Wie gut eignet sich der AYN Thor für Nintendo DS und 3DS?
Sehr gut. Die beiden integrierten Displays passen besonders gut zu DS- und 3DS-Spielen. DS-Emulation lief in meinem Test praktisch problemlos, bei einzelnen 3DS-Spielen können kleinere Ruckler oder Anpassungen notwendig sein.
Was ist der Unterschied zwischen AYN Thor Base, Pro und Max?
Base, Pro und Max verwenden den Snapdragon 8 Gen 2. Sie unterscheiden sich vor allem bei RAM und internem Speicher. Der Thor Max bietet 16 GB RAM und 1 TB Speicher.
Welche Konsolen kann der AYN Thor emulieren?
Der AYN Thor eignet sich unter anderem für Game Boy, GBA, NES, SNES, Nintendo 64, Nintendo DS, Nintendo 3DS, Dreamcast, PSP, PlayStation, GameCube und Wii. Wie gut einzelne Spiele laufen, hängt vom Emulator und der Konfiguration ab.


