Databroker Files gewinnen Deutschen Journalistenpreis 2026
Die Databroker Files gewinnen den Deutschen Journalistenpreis 2026. Warum die Recherche zu Standortdaten und Datenhandel ausgezeichnet wurde
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Die "Databroker Files" von netzpolitik.org sind mit dem Deutschen Journalistenpreis 2026 ausgezeichnet worden. Die Recherche zeigt, wie aus kommerziellen Werbedaten detaillierte Bewegungsprofile entstehen können und warum das längst mehr als eine Datenschutzfrage ist.
Databroker Files gewinnen Deutschen Journalistenpreis 2026
Die Journalisten Ingo Dachwitz und Sebastian Meineck von netzpolitik.org haben am 24. September 2026 den Deutschen Journalistenpreis im Themenbereich IT & Kommunikation erhalten. Ausgezeichnet wurde ihre Recherche "Datenhändler verkaufen metergenaue Standortdaten von EU-Personal", die im November 2025 als Teil der "Databroker Files" veröffentlicht wurde.
Die Jury bezeichnete den Beitrag als "großartiges Investigativstück mit hoher gesellschaftlicher Relevanz" und als "Paradestück für datengetriebenen Journalismus".
Die Recherche entstand gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk. International waren außerdem L'Echo aus Belgien, Le Monde aus Frankreich und der niederländische Sender BNR beteiligt.
Interessant ist die Auszeichnung auch deshalb, weil die Databroker Files ein Problem sichtbar machen, das im Alltag leicht abstrakt wirkt. Daten, die ursprünglich im Umfeld von Apps und personalisierter Werbung gesammelt werden, können deutlich mehr verraten als Interessen oder vermutete Kaufabsichten.
Sie können zeigen, wo sich ein Gerät befindet und wie es sich über längere Zeit bewegt.
Was die ausgezeichnete Databroker-Recherche zeigt
Für die im November 2025 veröffentlichte Recherche analysierte das Team unter anderem zwei Datensätze mit rund 278 Millionen Standortpunkten aus Belgien. Darin befanden sich etwa 2,6 Millionen unterschiedliche Werbe-IDs.
Solche Werbe-IDs dienen eigentlich dazu, Geräte im Werbeökosystem wiederzuerkennen. Werden sie mit regelmäßig erfassten Standortinformationen kombiniert, können daraus jedoch Bewegungsprofile entstehen.
Das Recherche-Team konnte in den Daten unter anderem Geräte identifizieren, die regelmäßig an sensiblen europäischen Institutionen auftauchten.
Allein im Hauptgebäude der EU-Kommission fanden sich rund 2.000 Standortinformationen von 264 verschiedenen Geräten. Im EU-Parlament waren es ungefähr 5.800 Standortpunkte von 756 Geräten.
Auch das NATO-Hauptquartier in Brüssel tauchte in den Datensätzen auf. Dort fanden die Journalistinnen und Journalisten rund 9.600 Ortungen von 543 unterschiedlichen Geräten.
Dabei handelte es sich nicht um Daten aus einem gezielten Hackerangriff auf diese Institutionen. Die Informationen stammten aus dem kommerziellen Datenhandel und waren ursprünglich im Zusammenhang mit dem digitalen Werbeökosystem gesammelt worden.
Genau das macht den Fall relevant für Privacy und weit darüber hinaus.
Wenn Werbedaten zu Bewegungsprofilen werden
Ein einzelner Standortpunkt sagt zunächst wenig über eine Person aus. Tausende Messpunkte desselben Geräts können jedoch ein anderes Bild ergeben.
Regelmäßige Aufenthaltsorte können Hinweise auf Wohnort und Arbeitsplatz liefern. Wiederkehrende Wege lassen Routinen erkennen. Je nach Datensatz können darüber hinaus Besuche bestimmter Einrichtungen sichtbar werden.
Damit verändert sich auch die Frage, wie wir über Tracking sprechen.
Die Diskussion dreht sich häufig um personalisierte Werbung, Cookie-Banner oder darum, ob ein Unternehmen weiß, für welche Produkte sich jemand interessiert. Standortdaten können jedoch eine deutlich konkretere Dimension haben.
Wenn Datenhändler Informationen über Millionen Geräte sammeln, kombinieren und weiterverkaufen, betrifft das nicht mehr nur individuelle Privacy. Solche Datenbestände können auch für Unternehmen, Behörden, Militärs oder politische Institutionen relevant werden.
Die Databroker Files zeigen damit sehr anschaulich, wie eng digitale Werbung, Datenhandel und reale Sicherheitsfragen miteinander verbunden sein können.
Warum die Databroker Files für Datenjournalismus interessant sind
Bemerkenswert an der Recherche ist auch die Methode.
Anstatt lediglich über die theoretischen Risiken kommerzieller Standortdaten zu berichten, analysierte das Team die verfügbaren Datensätze selbst. Die abstrakte Frage "Was könnten Datenhändler über Menschen wissen?" ließ sich dadurch anhand konkreter Bewegungsdaten untersuchen.
Das ist ein Ansatz, der bei datengetriebenen Recherchen zunehmend wichtig wird: Systeme nicht nur anhand ihrer Beschreibung zu bewerten, sondern ihre tatsächlichen Outputs zu untersuchen.
Große Datensätze ermöglichen dabei neue Formen journalistischer Recherche. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen. Daten müssen technisch verarbeitet, validiert und interpretiert werden. Bei sensiblen personenbezogenen Informationen kommen zusätzlich erhebliche Anforderungen an Datenschutz, Rechercheethik und den Schutz Betroffener hinzu.
Gerade deshalb ist die Recherche auch aus journalistischer Perspektive interessant. Sie verbindet klassische investigative Arbeit mit Datenanalyse und technischer Recherche.
Der Deutsche Journalistenpreis 2026
Der Deutsche Journalistenpreis wird seit 2007 für redaktionelle Beiträge zu Wirtschafts- und Finanzthemen vergeben.
2026 wurden nach Angaben der Veranstalter 582 Artikel aus 100 Print- und Onlinemedien aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg eingereicht. Mehr als 100 Personen aus Medien, Wirtschaft und Wissenschaft waren am Juryverfahren beteiligt.
Auszeichnungen werden unter anderem in den Bereichen Bildung & Arbeit, Finanzen & Kapital, Innovation & Nachhaltigkeit, IT & Kommunikation, Mobilität & Logistik, Transformation und Weltwirtschaft vergeben.
Dachwitz und Meineck erhielten den Preis in der Kategorie IT & Kommunikation.
Die eigentliche Frage bleibt der Datenhandel
Die Auszeichnung ist zunächst eine journalistische Nachricht. Die dahinterliegende Recherche verweist aber auf ein größeres Problem.
Viele digitale Dienste finanzieren sich über Werbung. Dafür werden Informationen über Geräte und Nutzer gesammelt, miteinander verknüpft und innerhalb eines komplexen Ökosystems weitergegeben.
Für einzelne Nutzerinnen und Nutzer ist kaum nachvollziehbar, wie weit diese Informationen anschließend gelangen.
Die Databroker Files machen sichtbar, welche Konsequenzen dieser Datenfluss haben kann. Standortinformationen können Menschen nicht nur einer Zielgruppe für Werbung zuordnen. Unter bestimmten Bedingungen lassen sich daraus sehr konkrete Bewegungsprofile ableiten.
Damit wird aus einer technischen Frage des Online-Trackings eine Frage für Gesellschaft und Politik.
Und genau darin liegt vermutlich die Stärke der ausgezeichneten Recherche: Sie macht einen weitgehend unsichtbaren Datenmarkt anhand seiner praktischen Folgen sichtbar.
FAQ
Wer hat den Deutschen Journalistenpreis 2026 für die Databroker Files gewonnen?
Ingo Dachwitz und Sebastian Meineck von netzpolitik.org wurden im Themenbereich IT & Kommunikation ausgezeichnet.
Was zeigen die Databroker Files?
Die Recherchen zeigen, wie kommerziell gehandelte Handy-Standortdaten genutzt werden können, um Bewegungsprofile zu erstellen und selbst Beschäftigte von EU-Institutionen zu identifizieren.
Welche Recherche wurde mit dem Deutschen Journalistenpreis ausgezeichnet?
Ausgezeichnet wurde der im November 2025 veröffentlichte Beitrag "Datenhändler verkaufen metergenaue Standortdaten von EU-Personal" aus der Recherche-Reihe Databroker Files.

