Lieferroboter in Chicago: Klagen wegen biometrischer Daten
Zwei Klagen gegen Lieferroboter in Chicago werfen eine zentrale Frage auf: Welche Daten dürfen die Geräte bei der Essenslieferung erfassen?
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Zwei Kunden in Chicago werfen Lieferroboter-Anbietern vor, unerlaubt biometrische Daten zu erfassen. Die Unternehmen widersprechen. Der Streit zeigt, wie eng autonome Zustellung und Datenschutz zusammenhängen.
Warum Coco Robotics und Serve Robotics verklagt werden
Wer Essen bestellt, erwartet eine Lieferung. In Chicago steht inzwischen auch die Frage im Raum, welche Informationen bei der Übergabe erfasst werden.
Am 9. Oktober 2026 wurden im Cook County zwei getrennte Klagen gegen Coco Robotics und Serve Robotics eingereicht. Die angestrebten Sammelklagen werfen den Unternehmen Verstöße gegen das Biometriegesetz des US-Bundesstaats Illinois vor. Beide Anbieter bestreiten die Vorwürfe.
Nach Darstellung der Kläger sollen die Geräte beim Abholen der Bestellung Gesichts- und Handgeometrien erfasst haben, ohne zuvor die erforderliche Information und Einwilligung einzuholen. Die Betroffenen geben außerdem an, keine Zustellung durch einen Roboter ausgewählt zu haben. Darüber berichtet die Chicago Sun-Times.
Welche Daten die Lieferroboter gesammelt haben sollen
Die Klagen beschreiben eine alltägliche Situation: Kunden treten an den Roboter heran, öffnen das Transportfach und nehmen ihre Bestellung heraus. Dabei befinden sich Gesicht und Hände nahe an dessen Sensoren.
Laut den Vorwürfen sollen Kameras und LiDAR-Sensoren in dieser Situation biometrische Merkmale erfassen. LiDAR misst mit Laserimpulsen Entfernungen und kann damit räumliche Informationen über die Umgebung gewinnen.
Die Kläger behaupten zudem, die Unternehmen hätten Daten gespeichert und für das Training von KI-Systemen genutzt oder an Dritte weitergegeben. Die Klage gegen Coco nennt dabei auch OpenAI. Das sind Vorwürfe aus den Klageschriften, keine belegte Feststellung einer unzulässigen Datenweitergabe. Die Chicago Sun-Times erläutert die jeweiligen Anschuldigungen.
Was die Anbieter zu den Datenschutzvorwürfen sagen
Serve Robotics erklärt, Kameras und Sensoren dienten der sicheren Navigation auf Gehwegen. Das Unternehmen verwende diese Daten nicht zur Identifizierung einzelner Personen. Seine Systeme seien auch nicht darauf ausgelegt, biometrische Profile anzulegen.
Coco bestreitet ebenfalls, in Chicago biometrische Daten gesammelt zu haben. In einer von ABC7 Chicago veröffentlichten Stellungnahme erklärt das Unternehmen außerdem, dort nie LiDAR eingesetzt zu haben. Weitergegebene Navigationsdaten seien anonym; Videos vom Beginn oder Ende einer Fahrt würden nicht geteilt.
Dieser Widerspruch ist wesentlich: Selbst die in den Klagen beschriebene Sensorik ist damit teilweise umstritten. Aus den Vorwürfen allein lässt sich nicht ableiten, welche Daten die Geräte tatsächlich erhoben haben.
Kameraaufnahme und biometrischer Scan sind rechtlich verschieden
Der Biometric Information Privacy Act, kurz BIPA, schützt in Illinois bestimmte biometrische Identifikatoren. Dazu gehören etwa Scans der Gesichts- oder Handgeometrie. Fotografien sind dagegen ausdrücklich aus dieser Definition ausgenommen. Das steht im Gesetzestext des Bundesstaats Illinois.
Für die Einordnung kommt es deshalb auf die konkrete Verarbeitung an. Ein Bild, auf dem ein Gesicht zu sehen ist, beantwortet noch nicht die Frage, ob zusätzlich dessen Geometrie vermessen wird.
Bei den Verfahren geht es somit um mehr als die sichtbare Kamera am Gehäuse: Welche Informationen entstehen aus den Aufnahmen? Werden sie gespeichert, mit Kundendaten verknüpft oder weitergegeben?
Die ausgewerteten Berichte dokumentieren bislang keine gerichtliche Feststellung eines Verstoßes. Auch die von den Klägern verlangten Entschädigungen sind keine bereits zugesprochenen Zahlungen.
Warum Lieferroboter auch jenseits der Klagen auf Widerstand stoßen
Die Verfahren treffen auf eine breitere Debatte über Roboter im öffentlichen Raum. t3n berichtet über Angriffe auf Lieferroboter und eine Petition in Chicago, die mehrere Tausend Menschen unterschrieben haben.
Solche Berichte zeigen Konflikte, erlauben aber keine verlässliche Aussage darüber, wie häufig die Geräte angegriffen werden oder wie die gesamte Stadtbevölkerung zu ihnen steht.
Für die praktische Nutzung bleibt eine einfache Frage: Funktioniert die Zustellung auch für Menschen, die den Dienst nicht bestellt haben? Gehwege teilen sich Liefergeräte mit Fußgängern, Rollstuhlfahrern und Menschen mit Kinderwagen. Zugleich können Kameras Personen erfassen, die lediglich vorbeigehen.
Welche Antworten im Alltag fehlen
Aus meiner Sicht hängt die Akzeptanz autonomer Lieferungen auch davon ab, wie nachvollziehbar Betreiber ihre Datenverarbeitung erklären. Für Kunden und Passanten sind dabei vor allem diese Fragen relevant:
- Welche Sensoren sind am jeweiligen Einsatzort aktiv?
- Welche Aufnahmen verlassen den Roboter?
- Wie lange werden die Daten gespeichert?
- Wer kann darauf zugreifen?
- Werden sie zusätzlich für KI-Training verwendet?
Diese Fragen betreffen Privacy unabhängig davon, wie die Verfahren ausgehen. Die Klagen in Chicago machen deutlich, dass zur autonomen Zustellung auch verständliche Informationen über die Technik gehören. Ob Coco Robotics oder Serve Robotics gegen das Biometriegesetz verstoßen haben, bleibt anhand der vorliegenden Berichte offen.
FAQ
Warum werden Lieferroboter-Anbieter in Chicago verklagt?
Zwei Kunden werfen Coco Robotics und Serve Robotics vor, ohne ausreichende Information und Einwilligung biometrische Daten erfasst zu haben. Beide Unternehmen bestreiten die Vorwürfe.
Sind Kameraaufnahmen automatisch biometrische Daten?
Nein. Das Biometriegesetz von Illinois nimmt Fotografien ausdrücklich von der Definition biometrischer Identifikatoren aus. Scans der Gesichts- oder Handgeometrie können hingegen darunterfallen.
Sind die Datenschutzverstöße bereits bewiesen?
Die ausgewerteten Berichte dokumentieren Klagevorwürfe und Stellungnahmen der Unternehmen, keine gerichtliche Feststellung eines Datenschutzverstoßes.

