Humanoide Roboter: Direkter Kontakt verändert die Akzeptanz
Eine Umfrage unter 1.000 Menschen zeigt: Humanoide Roboter stoßen auf Skepsis, doch direkte Erfahrung geht mit deutlich mehr Akzeptanz einher
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Viele Menschen stehen humanoiden Robotern skeptisch gegenüber. Eine neue Umfrage zeigt aber auch: Wer bereits direkten Kontakt hatte, bewertet sie deutlich positiver.
Humanoide Roboter stoßen zunächst auf Skepsis
Humanoide Roboter werden inzwischen für Fabriken, Lagerhäuser und langfristig auch für private Haushalte entwickelt. Technisch schreitet die Entwicklung schnell voran. Bei der gesellschaftlichen Akzeptanz sieht es allerdings anders aus.
Eine aktuelle Befragung von 1.000 Erwachsenen in den USA und Großbritannien zeigt eine überwiegend zurückhaltende Haltung gegenüber humanoiden Robotern.
33 Prozent der Befragten äußerten sich positiv. 40 Prozent bewerteten humanoide Roboter negativ und 27 Prozent blieben neutral.
Noch deutlicher fällt der sogenannte Net Promoter Score aus. Dabei wird danach gefragt, wie wahrscheinlich Menschen ein Produkt oder eine Technologie weiterempfehlen würden. Nur 10 Prozent der Befragten wurden als Promoter eingeordnet, 78 Prozent als Detraktoren. Daraus ergibt sich ein Net Promoter Score von minus 68.
Bei einer Technologie, die ein Großteil der Bevölkerung noch nie praktisch verwendet hat, sollte dieser Wert allerdings nicht mit klassischer Kundenzufriedenheit gleichgesetzt werden. Er ist vor allem ein Indikator dafür, wie Menschen humanoide Roboter aktuell wahrnehmen.
Sicherheit und Arbeitsplatzverlust beschäftigen viele Menschen
Die größten Bedenken betreffen laut Umfrage zwei Bereiche: Sicherheit und mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze.
Beide Punkte sind nachvollziehbar. Ein humanoider Roboter bewegt sich im Gegensatz zu vielen bisherigen Maschinen nicht ausschließlich hinter Absperrungen oder innerhalb klar definierter Arbeitsbereiche. Er soll sich dort bewegen, wo auch Menschen arbeiten und leben.
Damit verändert sich auch die Wahrnehmung der Technologie.
Bei Software bleiben Fehler häufig auf einen Bildschirm beschränkt. Bei einem physischen Roboter kann eine falsche Bewegung unmittelbare Folgen haben. Sicherheit wird deshalb zu einer zentralen Voraussetzung für den praktischen Einsatz.
Gleichzeitig berührt Robotik unmittelbar die Debatte über die Zukunft der Arbeitswelt. Wenn Roboter Waren transportieren, Maschinen bedienen oder einfache Tätigkeiten übernehmen können, stellt sich zwangsläufig die Frage, welche Aufgaben künftig noch von Menschen erledigt werden.
Die Umfrage beantwortet diese wirtschaftliche Frage nicht. Sie zeigt aber, dass sie für die öffentliche Wahrnehmung bereits relevant ist.
Direkter Kontakt verändert das Bild deutlich
Besonders interessant wird die Untersuchung dort, wo Menschen bereits eigene Erfahrungen mit humanoiden Robotern gesammelt haben.
Nur rund 7 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig mit humanoiden Robotern zu interagieren. Innerhalb dieser kleinen Gruppe beschrieben jedoch 88 Prozent ihre Haltung gegenüber der Technologie als positiv.
Auch die Kaufbereitschaft fällt bei Menschen mit Erfahrung deutlich höher aus. Bei Personen ohne entsprechende Erfahrung liegt sie laut Untersuchung bei durchschnittlich 28 von 100 Punkten. Bei Menschen mit praktischer Erfahrung ist sie fast dreimal so hoch.
Das ist ein großer Unterschied. Er sollte aber vorsichtig interpretiert werden.
Die Daten zeigen eine Korrelation. Sie beweisen nicht, dass der direkte Kontakt mit einem Roboter automatisch eine positivere Einstellung verursacht.
Es ist genauso denkbar, dass technikaffine Menschen häufiger mit humanoiden Robotern in Kontakt kommen. Vielleicht arbeiten sie in Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Branchen, in denen solche Systeme bereits eingesetzt werden.
Trotzdem ist der Zusammenhang interessant. Eine Technologie wirkt abstrakt häufig anders als im praktischen Einsatz.
Vertrauen könnte wichtiger als der Preis werden
Bei neuer Technologie konzentriert sich die Diskussion häufig auf den Preis. Bei humanoiden Robotern könnte jedoch Vertrauen zunächst die größere Hürde sein.
Menschen müssen einschätzen können, was ein Roboter kann, wie zuverlässig er arbeitet und wie vorhersehbar er sich verhält.
Das lässt sich nur begrenzt mit Produktvideos oder Marketing vermitteln.
Ein Roboter, der in einem Hotel selbstständig Handtücher transportiert, in einem Lager Kisten bewegt oder bei einer öffentlichen Demonstration zuverlässig einfache Aufgaben erledigt, liefert eine andere Form von Information. Menschen können beobachten, wie schnell er sich bewegt, wie er auf Hindernisse reagiert und wie die Interaktion tatsächlich funktioniert.
Genau hier überschneiden sich Robotik und KI. Fortschritte bei Sprachmodellen, Computer Vision und lernenden Systemen machen Roboter flexibler. Gleichzeitig wird es schwieriger, ihr Verhalten mit wenigen klaren Regeln zu erklären.
Technische Leistungsfähigkeit allein reicht deshalb nicht. Systeme müssen auch nachvollziehbar und im Alltag berechenbar wirken.
Jüngere Menschen stehen humanoiden Robotern offener gegenüber
Die Umfrage zeigt außerdem deutliche Unterschiede zwischen Altersgruppen.
Bei den 18- bis 34-Jährigen bewerteten 43 Prozent humanoide Roboter positiv. Ihre durchschnittliche Kaufbereitschaft lag bei 42 von 100 Punkten.
Bei Menschen ab 55 Jahren äußerten sich dagegen nur 19 Prozent positiv. Lediglich 3 Prozent dieser Altersgruppe waren "sehr positiv". Die durchschnittliche Kaufbereitschaft sank auf 24 Punkte.
Auch zwischen Männern und Frauen gab es Unterschiede. 43 Prozent der befragten Männer äußerten sich positiv, bei den Frauen waren es 24 Prozent. Gleichzeitig bewerteten 47 Prozent der Frauen humanoide Roboter negativ, gegenüber 31 Prozent der Männer.
Warum dieser Unterschied besteht, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Auch geografisch gab es Abweichungen. In Großbritannien bewerteten 39 Prozent der Befragten humanoide Roboter positiv. In den USA waren es 28 Prozent.
Für Deutschland oder Österreich lassen sich daraus keine direkten Aussagen ableiten. Die Untersuchung umfasst ausschließlich Befragte aus den USA und Großbritannien.
Menschen wollen Roboter vor allem für gefährliche Arbeiten
Interessant ist auch, welche Aufgaben Menschen humanoiden Robotern tatsächlich übertragen würden.
An erster Stelle stehen gefährliche Tätigkeiten. Genau dort ist der Nutzen besonders einfach nachvollziehbar. Wenn Maschinen Arbeiten in Umgebungen übernehmen können, in denen Menschen einem erheblichen Risiko ausgesetzt wären, entsteht ein konkreter Vorteil.
Daneben nennen die Befragten Unterhaltung und persönliche Assistenz als interessante Einsatzgebiete.
Auch Unterstützung für ältere Menschen spielt eine Rolle. Humanoide Roboter könnten langfristig einfache Tätigkeiten übernehmen, Gegenstände transportieren oder Menschen bei alltäglichen Aufgaben unterstützen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass soziale oder pflegerische Aufgaben vollständig automatisiert werden könnten oder sollten. Gerade in der Pflege bestehen viele Tätigkeiten nicht nur aus körperlicher Arbeit, sondern aus Kommunikation, Verantwortung und menschlicher Nähe.
Die realistischere Frage lautet deshalb zunächst, welche einzelnen Aufgaben Roboter sinnvoll übernehmen können.
Die meisten erwarten humanoide Roboter trotzdem im Alltag
Die Skepsis bedeutet nicht, dass Menschen humanoide Roboter für unrealistisch halten.
42 Prozent der Befragten erwarten, dass humanoide Roboter innerhalb der kommenden fünf Jahre häufiger im Alltag zu sehen sein werden. Der Median der Antworten liegt bei zehn Jahren.
Nur 4 Prozent gehen davon aus, dass es mindestens 50 Jahre dauern wird.
Damit entsteht ein interessantes Spannungsfeld: Viele Menschen rechnen mit der Technologie, ohne sie derzeit besonders positiv zu bewerten.
Auch bei anderen Fragen bleiben die Bewertungen zurückhaltend. Auf einer Skala von 1 bis 5 bewegen sich die Antworten eher auf der skeptischen Seite. Humanoide Roboter werden eher als bedrohlich denn als nützlich, eher als unsicher denn als sicher und eher als verzichtbar denn als notwendig wahrgenommen.
Die entscheidende Phase beginnt außerhalb des Labors
Für Hersteller humanoider Roboter liegt darin wahrscheinlich eine der wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre.
Technische Demonstrationen zeigen, ob ein Roboter laufen, Gegenstände greifen oder Aufgaben ausführen kann. Sie beantworten aber noch nicht die Frage, wie Menschen reagieren, wenn dieselbe Maschine plötzlich neben ihnen arbeitet.
Je häufiger humanoide Roboter tatsächlich in Fabriken, Geschäften, Hotels oder anderen öffentlichen Bereichen eingesetzt werden, desto mehr reale Erfahrungen entstehen.
Das kann Akzeptanz erhöhen. Es kann aber genauso neue Probleme sichtbar machen.
Deshalb wäre es zu einfach, aus der Umfrage abzuleiten, dass Hersteller ihre Roboter lediglich häufiger öffentlich zeigen müssen. Entscheidend ist, was Menschen bei diesen Begegnungen erleben.
Wenn Roboter zuverlässig funktionieren, einen klaren Nutzen bieten und sich nachvollziehbar verhalten, könnte aus abstrakter Skepsis mit der Zeit praktische Akzeptanz werden.
Scheitern sie dagegen regelmäßig an einfachen Aufgaben oder entstehen Sicherheitsprobleme, kann derselbe Kontakt das Gegenteil bewirken.
Die spannendste Erkenntnis der Umfrage ist deshalb weniger, dass Menschen humanoide Roboter nach eigener Erfahrung positiver bewerten. Interessanter ist, wie stark sich die Wahrnehmung zwischen Menschen mit und ohne praktische Erfahrung unterscheidet.
Die gesellschaftliche Debatte über humanoide Roboter findet bisher größtenteils statt, bevor die meisten Menschen überhaupt einem begegnet sind.
Quellen
Grundlage des Artikels ist die von John Koetsier am 23. September 2026 bei Forbes veröffentlichte Auswertung "Survey: People Don’t Want Humanoid Robots Until They Meet One" sowie die dazugehörige Consumer Survey von HumanoidMegaHub mit 1.000 Befragten aus den USA und Großbritannien.
FAQ
Wie stehen Menschen zu humanoiden Robotern?
In der Umfrage äußerten sich 33 Prozent positiv, 40 Prozent negativ und 27 Prozent neutral gegenüber humanoiden Robotern.
Werden humanoide Roboter nach direktem Kontakt positiver bewertet?
Menschen mit praktischer Erfahrung bewerteten humanoide Roboter deutlich positiver. Die Umfrage zeigt allerdings eine Korrelation und keinen Beweis für einen ursächlichen Effekt.
Was sind die größten Sorgen bei humanoiden Robotern?
Zu den wichtigsten Bedenken gehören laut Umfrage die Sicherheit der Roboter und mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze.

