Khosla Ventures eröffnet erstes Büro in New York

Khosla Ventures expandiert nach New York. Warum das erste Büro außerhalb der Sand Hill Road mehr ist als nur ein neuer Standort

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Khosla Ventures eröffnet erstes Büro in New York

Khosla Ventures eröffnet in New York erstmals ein Büro außerhalb der Sand Hill Road. Dahinter steckt weniger Prestige als ein konkreter Plan für Kunden, Talente und Portfoliofirmen.

Khosla Ventures eröffnet New-York-Büro an der 14th Street

Khosla Ventures wagt einen für die Venture-Capital-Firma ungewöhnlichen Schritt: Im Herbst 2026 soll in New York ein neues Büro eröffnen. Geplant ist ein Standort an der 14th Street.

Bemerkenswert ist dabei weniger, dass ein großer US-Investor in New York vertreten sein möchte. Ungewöhnlich ist vielmehr, dass es für Khosla Ventures das erste Büro außerhalb des langjährigen Standorts an der Sand Hill Road in Menlo Park ist.

Die Sand Hill Road gilt seit Jahrzehnten als eines der Zentren der amerikanischen Venture-Capital-Branche. Zahlreiche bekannte Fonds haben dort ihren Sitz oder sind historisch eng mit der Gegend verbunden.

Khosla Ventures blieb diesem Modell bislang vergleichsweise konsequent treu. Selbst ein eigenes Büro in San Francisco gibt es nicht.

Der Schritt nach New York ist deshalb mehr als die Eröffnung einer zusätzlichen Adresse.

Warum Khosla Ventures nach New York geht

Im neuen Büro sollen zunächst nur einige Investoren von Khosla Ventures arbeiten. Dazu gehört auch Managing Director Keith Rabois.

Das Interessantere ist jedoch ein zweiter Teil des Konzepts: Khosla Ventures plant ein sogenanntes “Executive Briefing Center”.

Dort sollen jeweils etwa zehn bis zwölf Unternehmen aus dem eigenen Portfolio mit einem großen Konzern zusammengebracht werden. Nach Angaben von Rabois sollen solche Treffen an vier Tagen pro Woche stattfinden.

Für die finanzierten Startups ist das potenziell wertvoller als ein repräsentatives Büro.

Gerade junge B2B-Unternehmen müssen nicht nur Kapital einsammeln, sondern erste große Kunden gewinnen, Pilotprojekte starten und Zugang zu Entscheidungsträgern erhalten. Ein Venture-Capital-Fonds kann dabei mehr anbieten als Geld und Kontakte zu weiteren Investoren.

Er kann versuchen, systematisch Nachfrage für seine Portfoliounternehmen zu erzeugen.

Das New-York-Büro wird damit teilweise zu einer Vertriebsinfrastruktur für das Portfolio.

Das Executive Briefing Center ist der spannendere Teil

Genau dieser Punkt macht die Expansion interessant.

Ein klassisches VC-Büro dient vor allem als Arbeitsplatz und Treffpunkt für Gründer, Investoren und potenzielle Limited Partner. Das von Khosla Ventures beschriebene Modell geht einen Schritt weiter.

Mehrere Startups werden gebündelt einem großen Unternehmen vorgestellt.

Für einen Fortune-500-Konzern kann das effizient sein, weil er nicht mit jedem Anbieter einzeln Kontakt aufnehmen muss. Für die Startups entsteht gleichzeitig Zugang zu Unternehmen, bei denen ansonsten lange Vertriebszyklen und schwierige Einstiege üblich sind.

Damit ähnelt das Konzept teilweise einer permanenten Demo-Veranstaltung für das eigene Portfolio.

Ob daraus tatsächlich regelmäßig Pilotprojekte und Kunden entstehen, wird sich erst zeigen. Die Idee passt aber zu einer Entwicklung innerhalb der Venture-Capital-Branche: Fonds versuchen zunehmend, sich nicht ausschließlich über Kapital zu unterscheiden.

Recruiting, Vertrieb, Infrastruktur, Kommunikation und operative Unterstützung werden selbst zu Bestandteilen des Angebots an Gründer.

New York hat die Bay Area bei Tech-Beschäftigten überholt

Der Zeitpunkt für die Expansion ist ebenfalls interessant.

New York hat sich längst als wichtiger US-Technologiestandort etabliert. Laut dem “Scoring Tech Talent 2026”-Report des Immobilien- und Beratungsunternehmens CBRE beschäftigte die New Yorker Metropolregion zuletzt rund 394.300 Menschen in Tech-Berufen.

Für die San Francisco Bay Area nennt CBRE rund 375.730 Beschäftigte.

Damit lag New York nach absoluter Beschäftigtenzahl erstmals vor der Bay Area.

Das bedeutet allerdings nicht, dass New York das Silicon Valley insgesamt als wichtigstes Technologiezentrum abgelöst hätte.

In der Gesamtbewertung der Tech-Standorte führt die San Francisco Bay Area bei CBRE weiterhin vor Seattle, Toronto und New York. Besonders bei KI bleibt die Konzentration in Kalifornien hoch.

CBRE zählt in der Bay Area knapp 99.000 Beschäftigte mit AI-bezogenen Fähigkeiten. In der New Yorker Metropolregion sind es knapp 68.000.

Interessant ist daher weniger die Frage, welche Stadt “gewonnen” hat. Entscheidender ist, dass Unternehmen und Investoren inzwischen auf mehrere große Talentzentren zurückgreifen können.

New York profitiert vom AI-Boom

Ein Teil des Wachstums in New York hängt mit der zunehmenden Nachfrage nach AI-Kompetenzen zusammen.

Nach Angaben von CBRE wuchs die Zahl der Beschäftigten mit entsprechenden Fähigkeiten in den USA und Kanada innerhalb eines Jahres um 45 Prozent. Besonders stark konzentrieren sich diese Jobs weiterhin auf wenige Metropolregionen.

Neben der Bay Area gehören New York, Seattle und Washington, D.C. zu den wichtigsten Standorten.

New York hat dabei einen besonderen Vorteil: Technologieunternehmen konkurrieren dort nicht nur untereinander um Fachkräfte.

Banken, Versicherungen und andere Finanzunternehmen stellen ebenfalls Softwareentwickler, Data Scientists und Spezialisten für maschinelles Lernen ein. Dadurch wächst ein Tech-Arbeitsmarkt, der nicht ausschließlich von klassischen Technologieunternehmen abhängig ist.

Für Venture-Capital-Firmen wird dieser Markt entsprechend interessanter.

Wo neue Unternehmen entstehen, technische Fachkräfte verfügbar sind und große potenzielle Unternehmenskunden sitzen, lohnt sich auch eine lokale Präsenz für Investoren.

Bei erfahrenen Mitarbeitern sieht Rabois weiterhin Probleme

Ganz uneingeschränkt sieht Khosla Ventures den Standort New York allerdings nicht.

Rabois unterscheidet deutlich zwischen jungen Mitarbeitern und erfahrenen Spezialisten.

Bei Absolventen und jüngeren Individual Contributors sieht er ausreichend Talent. Als Beispiel nennt er das Fintech Ramp, das in New York früh mit jungen Mitarbeitern gearbeitet und daraus eigene Teams aufgebaut habe.

Schwieriger sei die Suche nach sehr erfahrenen Engineers, Softwarearchitekten und Führungskräften.

Dabei spielt nicht nur das Angebot an Fachkräften eine Rolle.

Viele erfahrene Mitarbeiter mit Familien leben außerhalb Manhattans. Unternehmen mit einer ausgeprägten Bürokultur müssen deshalb mit langen Pendelwegen und den hohen Lebenshaltungskosten innerhalb New Yorks umgehen.

Gerade bei Positionen wie CFO, Senior Vice President of Sales oder anderen erfahrenen Führungskräften kann das zum Recruiting-Problem werden.

Das ist ein praktischer Einwand gegen die einfache Vorstellung, dass ein großer Talentpool automatisch jede offene Stelle leichter besetzbar macht.

Kein Abschied vom Silicon Valley

Die Expansion von Khosla Ventures sollte deshalb nicht als Abkehr vom Silicon Valley verstanden werden.

Auch andere große Venture-Capital-Firmen aus der Bay Area beschäftigen bereits seit Jahren Partner in New York. Dazu gehören unter anderem Sequoia Capital und Andreessen Horowitz.

Neu ist vor allem, dass nun auch Khosla Ventures diesen Schritt geht.

Der Standort dürfte dabei weniger als Ersatz für Menlo Park funktionieren, sondern als Ergänzung.

New York bietet Zugang zu einem großen Tech-Arbeitsmarkt, zahlreichen Startups, Finanzunternehmen und potenziellen Unternehmenskunden. Gleichzeitig bleibt die Bay Area insbesondere bei AI-Unternehmen, Venture Capital und hoch spezialisiertem technischem Talent außergewöhnlich stark.

Interessanter als ein vermeintlicher Wettbewerb zwischen New York und Silicon Valley ist deshalb die zunehmende Verteilung des amerikanischen Tech-Ökosystems auf mehrere Zentren.

Khosla Ventures trägt dieser Entwicklung nun erstmals mit einem zweiten Standort Rechnung.

FAQ

Wo eröffnet Khosla Ventures sein neues Büro?

Khosla Ventures plant ein Büro an der 14th Street in New York. Es ist der erste Standort der Venture-Capital-Firma außerhalb ihres bisherigen Sitzes an der Sand Hill Road in Menlo Park.

Warum eröffnet Khosla Ventures ein Büro in New York?

Der Standort soll Investoren beherbergen und als Executive Briefing Center dienen. Dort sollen Portfoliofirmen regelmäßig mit großen potenziellen Unternehmenskunden zusammengebracht werden.

Ist New York inzwischen größer als das Silicon Valley als Tech-Standort?

Nach Beschäftigtenzahl hat New York die San Francisco Bay Area laut CBRE inzwischen überholt. Bei AI-Talent, Venture Capital und anderen Standortfaktoren bleibt die Bay Area jedoch weiterhin besonders stark.

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