GTA 6: Was Rockstar von Red Dead Redemption 2 und Arthur Morgan übernimmt
GTA 6 soll Jason und Lucia emotional näher an Arthur Morgan bringen. Rockstar erklärt, welche Lehren aus Red Dead Redemption 2 einfließen
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Rockstar will für GTA 6 eine der größten Stärken von Red Dead Redemption 2 weiterentwickeln: die emotionale Bindung an die Hauptfiguren. Arthur Morgan dient dabei als wichtiges Vorbild für Jason und Lucia.
GTA 6 soll von Red Dead Redemption 2 lernen
Bei GTA 6 dreht sich ein großer Teil der öffentlichen Diskussion um Vice City, Fahrzeuge, Waffen, Grafik und die Größe der Spielwelt. Rockstar selbst spricht inzwischen jedoch über einen anderen Punkt, der für das Spiel mindestens ebenso wichtig werden könnte: die Beziehung der Spieler zu Jason und Lucia.
In einem ausführlichen Interview mit TroisCouleurs erklärt Rob Nelson, Head of Development und Co-Studio-Head von Rockstar North, welche Erfahrungen das Studio aus Red Dead Redemption 2 in GTA 6 einfließen lassen möchte.
Dabei geht es nicht einfach darum, einzelne Mechaniken aus Red Dead Redemption 2 zu kopieren. Rockstar interessiert vor allem, warum die Welt und insbesondere Arthur Morgan bei vielen Spielern eine so starke Wirkung entfalten konnten.
Nelson nennt dabei drei Aspekte: die Tiefe der Spielwelt, die Möglichkeiten zur Interaktion und die emotionale Verbindung, die Spieler im Verlauf von Red Dead Redemption 2 zu Arthur aufbauen konnten.
Genau diese Verbindung möchte Rockstar nun auf GTA 6 übertragen.
Arthur Morgan ist das Vorbild für Jason und Lucia
Arthur Morgan funktioniert in Red Dead Redemption 2 nicht nur als Spielfigur. Seine Geschichte verändert sich durch Ereignisse, Beziehungen und teilweise auch durch die Entscheidungen des Spielers.
Rockstar konnte sich dadurch sehr viel stärker auf seine persönliche Entwicklung konzentrieren als zuvor bei GTA 5.
Dort teilte sich die Handlung auf Michael, Franklin und Trevor auf. Das funktionierte spielerisch gut und ermöglichte schnelle Wechsel zwischen unterschiedlichen Perspektiven. Gleichzeitig musste die verfügbare Zeit auf drei Hauptfiguren verteilt werden.
Bei GTA 6 kehrt Rockstar zwar zum System mit mehreren spielbaren Charakteren zurück, reduziert die Zahl aber auf zwei.
Jason und Lucia sind zudem nicht einfach zwei Kriminelle, deren Wege sich zufällig kreuzen. Ihre Beziehung ist ein zentraler Bestandteil der Geschichte.
Rockstar beschreibt das Duo selbst mit dem bekannten Vergleich zu Bonnie und Clyde.
Damit verändert sich auch die erzählerische Ausgangslage. Was mit Lucia passiert, ist automatisch für Jason relevant und umgekehrt.
Das klingt zunächst selbstverständlich. Für das Gaming und insbesondere für ein GTA ist das aber eine interessante Verschiebung.
GTA 6 setzt bewusst auf ruhige Momente
Besonders interessant ist, wie Rockstar diese Verbindung erzeugen möchte.
Nicht jede wichtige Szene in GTA 6 soll aus einer Verfolgungsjagd, einem Überfall oder einer Schießerei bestehen. Nelson spricht ausdrücklich über alltägliche und ruhigere Situationen zwischen Jason und Lucia.
In einer gezeigten Szene bereiten sich die beiden beispielsweise gemeinsam darauf vor, ihre Wohnung zu verlassen. Es passiert nichts Spektakuläres. Genau solche Momente sollen jedoch vermitteln, wie die beiden miteinander umgehen.
Das ist eine Technik, die Red Dead Redemption 2 bereits ausführlich eingesetzt hat.
Arthur Morgan verbrachte einen erheblichen Teil des Spiels nicht mit großen Missionen, sondern im Lager, bei Gesprächen, beim Reiten oder bei kleinen Begegnungen in der Spielwelt. Gerade diese scheinbar unwichtigen Situationen sorgten dafür, dass Figuren und Beziehungen glaubwürdiger wirkten.
GTA 6 möchte diesen Ansatz offenbar stärker mit der klassischen Dynamik der GTA-Serie verbinden.
Die ruhigeren Szenen sollen gleichzeitig dafür sorgen, dass die Action mehr Gewicht bekommt.
Rockstar nennt dafür ein konkretes Beispiel: Wird Lucia in einer Szene eine Treppe hinuntergestoßen und die Perspektive wechselt anschließend zu Jason, verliert der Spieler zunächst den direkten Kontakt zu ihr.
Die Situation soll nicht nur vermitteln, dass eine Spielfigur gerade in Gefahr ist. Der Spieler soll sich tatsächlich darum kümmern, was mit Lucia passiert.
Das ist ein kleiner Unterschied in der Erzählweise, kann für die Wirkung einer Geschichte aber entscheidend sein.
Entscheidungen könnten Jason und Lucia verändern
Noch interessanter wird es bei der Frage, welchen Einfluss Spieler selbst auf die beiden Charaktere haben.
Nelson erklärt, dass Rockstar die Beziehung zwischen Jason und Lucia niemandem aufzwingen möchte. Gleichzeitig sollen Spieler Möglichkeiten erhalten, durch ihr Verhalten Einfluss auf die Entwicklung der Figuren zu nehmen.
Rockstar zieht dabei selbst den Vergleich mit Arthur Morgan.
In Red Dead Redemption 2 konnte das Verhalten des Spielers Arthurs Entwicklung beeinflussen. Besonders sichtbar wurde das durch das Honor-System und unterschiedliche Reaktionen der Spielwelt.
Für GTA 6 bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass Rockstar dieses System einfach übernimmt.
Ein klassisches Honor-System für GTA 6 hat das Studio bislang nicht bestätigt.
Bestätigt ist lediglich die grundsätzliche Idee, dass Handlungen der Spieler Auswirkungen auf die Reise von Jason und Lucia haben können.
Wie umfangreich dieses System tatsächlich wird, dürfte erst im fertigen Spiel klar werden.
Warum dieser Ansatz gut zu GTA 6 passen könnte
Auf den ersten Blick wirken Red Dead Redemption 2 und Grand Theft Auto wie ziemlich unterschiedliche Spiele.
RDR2 lebt von langen Reisen, vergleichsweise langsamen Abläufen und einer bewusst entschleunigten Inszenierung. GTA dagegen steht traditionell für Geschwindigkeit, Chaos und eine deutlich aggressivere Satire.
Die erzählerischen Methoden hinter beiden Spielen müssen sich deshalb aber nicht widersprechen.
Gerade der Kontrast könnte GTA 6 helfen.
Eine spektakuläre Mission ist schließlich deutlich wirkungsvoller, wenn mir die beteiligten Figuren nicht egal sind. Eine Verfolgungsjagd kann spannend sein, weil ich sie spielerisch bewältigen muss. Sie kann aber noch stärker wirken, wenn ich zusätzlich wissen möchte, ob die zweite Hauptfigur heil aus der Situation herauskommt.
Das ist weniger eine Frage der Grafik oder der Größe der Open World als eine Frage von Game Design und UX.
Rockstar scheint bei GTA 6 sehr bewusst daran zu arbeiten.
GTA 5 hatte ein anderes Verhältnis zu seinen Hauptfiguren
Das bedeutet nicht, dass Michael, Franklin und Trevor schlechte Charaktere waren.
Gerade ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten gehören zu den wichtigsten Elementen von GTA 5. Ihre Beziehung funktioniert allerdings häufig über Konflikte, gegenseitige Abneigung, Ironie und Beleidigungen.
Jason und Lucia beginnen an einem anderen Punkt.
Sie sind Partner und gleichzeitig ein Paar. Rockstar kann Konflikte deshalb nicht nur zwischen zwei Kriminellen erzählen, sondern innerhalb einer persönlichen Beziehung.
Damit verändert sich auch der Charakterwechsel.
In GTA 5 war der Wechsel zwischen Michael, Franklin und Trevor vor allem eine spielerische und erzählerische Mechanik. In GTA 6 könnte derselbe Wechsel zusätzlich emotional eingesetzt werden.
Die Perspektive eines Charakters zu verlassen bedeutet dann möglicherweise, Informationen über den anderen Charakter zu verlieren.
Rockstar kann dadurch Nähe und Distanz gezielt steuern.
Keine einfache Kopie von Red Dead Redemption 2
Trotz der Vergleiche sollte man GTA 6 nicht als Red Dead Redemption 2 mit Autos verstehen.
Rockstar spricht nicht davon, das komplette Design von RDR2 zu übernehmen.
Vielmehr versucht das Studio offenbar, einzelne Erfahrungen aus der Entwicklung seiner bisherigen Spiele miteinander zu kombinieren.
Die Mehrfach-Protagonisten aus GTA 5 treffen auf die stärkere Charakterorientierung von Red Dead Redemption 2. Dazu kommt eine Spielwelt, die laut Nelson noch stärker auf Interaktion reagieren soll.
Für die Software-Entwicklung eines Spiels dieser Größenordnung ist dieser Ansatz nachvollziehbar: Erfolgreiche Systeme werden nicht zwangsläufig unverändert übernommen, sondern in einem neuen Kontext weiterentwickelt.
Ob Jason und Lucia am Ende tatsächlich eine ähnlich starke Wirkung wie Arthur Morgan entfalten können, lässt sich vor der Veröffentlichung kaum beurteilen.
Die Zielsetzung von Rockstar ist inzwischen aber ziemlich klar.
GTA 6 soll Action und Nähe miteinander verbinden
Für mich ist das einer der interessanteren Ansätze bei GTA 6.
Eine größere Karte, detailliertere Fahrzeuge und eine technisch beeindruckende Open World sind bei einem neuen Rockstar-Spiel erwartbar. Schwieriger ist es, Figuren zu erschaffen, an die sich Spieler Jahre später noch erinnern.
Arthur Morgan hat genau das geschafft.
Wenn Rockstar es schafft, diese emotionale Tiefe mit dem Tempo, dem Humor und der Freiheit eines Grand Theft Auto zu verbinden, könnte die Beziehung zwischen Jason und Lucia am Ende wichtiger für GTA 6 werden als viele der technischen Neuerungen, über die derzeit gesprochen wird.
GTA 6 erscheint nach aktuellem Stand am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Rockstar führt den Termin auf der offiziellen GTA-6-Webseite.
FAQ
Was übernimmt GTA 6 aus Red Dead Redemption 2?
Rockstar will vor allem die größere emotionale Tiefe, stärkere Interaktion mit der Spielwelt und die Verbindung der Spieler zu den Hauptfiguren auf GTA 6 übertragen.
Welche Rolle spielt Arthur Morgan für Jason und Lucia in GTA 6?
Arthur Morgan dient Rockstar als Beispiel dafür, wie stark sich Spieler mit einer Hauptfigur verbinden können. Eine vergleichbare Bindung soll in GTA 6 mit Jason und Lucia entstehen.
Bekommt GTA 6 ein Honor-System wie Red Dead Redemption 2?
Ein direktes Honor-System wurde nicht bestätigt. Rockstar sagt lediglich, dass Entscheidungen der Spieler die Entwicklung von Jason und Lucia beeinflussen können.



