Deutsche Unternehmen investieren 2026 wieder mehr in China als in den USA

Deutsche Firmen investieren 2026 wieder stärker in China als in den USA. Was hinter 5,6 Milliarden Euro und dem Strategiewechsel steckt

Dieser Artikel hat eine Lesedauer von 5 Minuten.

Deutsche Unternehmen investieren 2026 wieder mehr in China als in den USA

Deutsche Unternehmen haben ihre Investitionen in China im ersten Halbjahr 2026 deutlich erhöht. Rund 5,6 Milliarden Euro flossen in die Volksrepublik. Damit lag China sogar vor den USA.

Deutsche Direktinvestitionen in China steigen 2026

Deutsche Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2026 rund 5,6 Milliarden Euro zusätzlich in China investiert. Das geht aus einer Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank hervor.

Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 entspricht das einem Anstieg von ungefähr einem Drittel. Die Zahl wirkt auf den ersten Blick besonders hoch, relativiert sich aber im langfristigen Vergleich etwas.

Der durchschnittliche Halbjahreswert zwischen 2020 und 2025 lag ebenfalls bei rund 5,6 Milliarden Euro.

Es handelt sich also weniger um einen historischen Investitionsboom als um eine Rückkehr auf ein Niveau, das für deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren durchaus üblich war.

Bemerkenswert ist vor allem der Vergleich mit den USA.

Deutsche Unternehmen investieren mehr in China als in den USA

Während die Investitionen in China steigen, sind deutsche Unternehmen bei neuen Engagements in den Vereinigten Staaten deutlich vorsichtiger geworden.

Im ersten Halbjahr 2026 lagen die deutschen Direktinvestitionen in den USA bei rund 4,3 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das laut IW einem Rückgang von etwa 65 Prozent.

Damit flossen in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 1,3 Milliarden Euro mehr deutsche Direktinvestitionen nach China als in die USA.

Das ist auch deshalb interessant, weil sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in beiden Ländern zuletzt deutlich verändert haben.

In den USA sorgt vor allem die schwer kalkulierbare Zoll- und Handelspolitik der Regierung von Donald Trump für Unsicherheit. Unternehmen müssen bei langfristigen Investitionen berücksichtigen, unter welchen Bedingungen sie Waren importieren, exportieren oder innerhalb ihrer internationalen Lieferketten bewegen können.

China stellt deutsche Unternehmen vor andere Probleme.

Warum deutsche Unternehmen weiter in China investieren

Der chinesische Markt ist für zahlreiche deutsche Industrieunternehmen weiterhin zu groß, um ihn zu ignorieren.

China ist nicht nur Produktionsstandort, sondern auch Absatzmarkt. Wer dort langfristig verkaufen will, muss häufig auch vor Ort entwickeln, produzieren und auf lokale Lieferketten zurückgreifen.

Gleichzeitig hat sich der Wettbewerb massiv verschärft.

Chinesische Unternehmen treten längst nicht mehr nur über niedrige Produktionskosten gegen europäische Konkurrenten an. In Bereichen wie Elektromobilität, Batterietechnik, Solartechnik, Maschinenbau und zunehmend auch bei industrieller Software konkurrieren sie technologisch direkt mit westlichen Unternehmen.

Für deutsche Firmen bedeutet das: China ist gleichzeitig Markt, Produktionsstandort und Wettbewerbsarena.

Der Rückzug aus China ist deshalb wesentlich komplizierter, als es die politische Debatte über “De-Risking” manchmal vermuten lässt.

5,6 Milliarden Euro bedeuten nicht automatisch neues Geld aus Deutschland

Bei der Interpretation der Zahlen ist allerdings eine wichtige Besonderheit von Direktinvestitionsstatistiken zu beachten.

Direktinvestitionen bestehen nicht ausschließlich aus Kapital, das ein Unternehmen neu aus Deutschland nach China überweist.

Auch Gewinne chinesischer Tochtergesellschaften, die nicht nach Deutschland ausgeschüttet, sondern direkt vor Ort wieder investiert werden, können als reinvestierte Gewinne Teil der Direktinvestitionen sein.

Bereits für das Jahr 2025 hatte die Bundesbank auf diesen Effekt hingewiesen. Damals standen relativ hohe Direktinvestitionsströme nach China gleichzeitig einem Abzug von Beteiligungskapital und konzerninternen Krediten gegenüber.

Die Schlagzeile “Deutsche Unternehmen investieren Milliarden in China” ist deshalb korrekt, benötigt aber Kontext.

Ein Teil dieses Kapitals kann direkt im chinesischen Geschäft erwirtschaftet worden sein.

China bleibt trotz De-Risking zentral

Die aktuellen Zahlen zeigen damit auch die Grenzen des europäischen De-Risking-Ansatzes.

De-Risking bedeutet nicht zwangsläufig, China vollständig zu verlassen. Unternehmen versuchen vielmehr, Abhängigkeiten zu reduzieren, zusätzliche Lieferanten aufzubauen und Produktion geografisch breiter zu verteilen.

Parallel können Investitionen in China trotzdem steigen.

Gerade große Konzerne können mehrere Strategien gleichzeitig verfolgen: zusätzliche Werke in anderen asiatischen Ländern aufbauen, kritische Lieferketten diversifizieren und dennoch weiter in chinesische Standorte investieren.

Das ist kein Widerspruch. Es ist vielmehr eine Form wirtschaftlicher Absicherung.

Der Wettbewerb mit China wird härter

Hinzu kommt eine zweite Entwicklung: Deutsche Unternehmen investieren in einem Markt, dessen heimische Konkurrenten teilweise deutlich stärker staatlich unterstützt werden.

Eine OECD-Untersuchung vom Juni 2026 zeigt, dass chinesische Industrieunternehmen zwischen 2005 und 2024 im Durchschnitt drei- bis achtmal so viel staatliche Unterstützung erhielten wie vergleichbare Unternehmen aus OECD-Staaten.

Zu dieser Unterstützung gehören unter anderem direkte Zuschüsse, Steuervergünstigungen und Finanzierungen zu besonders günstigen Konditionen.

Besonders stark gefördert werden Bereiche wie Solartechnik, Halbleiter, Aluminium, Stahl und Schiffbau.

Damit entsteht für deutsche Unternehmen eine schwierige Situation. Sie benötigen den chinesischen Markt, treffen dort aber gleichzeitig auf Wettbewerber, die unter teilweise anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen arbeiten.

Was die China-Investitionen über deutsche Unternehmen aussagen

Die Zahlen des ersten Halbjahres 2026 sprechen deshalb weder für eine einfache Rückkehr zu alter China-Abhängigkeit noch für einen vollständigen Strategiewechsel.

Sie zeigen vielmehr, wie wirtschaftliche Realität und geopolitische Ziele auseinanderlaufen können.

Unternehmen treffen Investitionsentscheidungen nicht allein anhand außenpolitischer Beziehungen. Entscheidend sind Absatzmärkte, Produktionskosten, Lieferketten, lokale Konkurrenz und die Frage, wo sich langfristig Geld verdienen lässt.

China bleibt trotz wachsender Risiken einer dieser Märkte.

Gleichzeitig macht der starke Rückgang der Investitionen in den USA deutlich, wie schnell politische Unsicherheit Kapitalströme beeinflussen kann.

Für die deutsche Politik und Arbeitswelt ergibt sich daraus eine unbequeme Lage: Deutschland möchte wirtschaftliche Abhängigkeiten von China reduzieren, während Unternehmen weiterhin starke ökonomische Gründe haben, genau dort zu investieren.

Die 5,6 Milliarden Euro aus dem ersten Halbjahr sind deshalb vor allem eines: ein Hinweis darauf, dass sich globale Lieferketten nicht durch politische Schlagworte neu ordnen lassen.

FAQ

Wie viel investieren deutsche Unternehmen 2026 in China?

Im ersten Halbjahr 2026 flossen laut einer IW-Auswertung auf Basis von Bundesbank-Daten rund 5,6 Milliarden Euro an deutschen Direktinvestitionen nach China.

Investieren deutsche Unternehmen mehr in China oder in den USA?

Im ersten Halbjahr 2026 lagen die deutschen Direktinvestitionen in China mit rund 5,6 Milliarden Euro über den rund 4,3 Milliarden Euro in den USA.

Warum investieren deutsche Unternehmen weiter in China?

China bleibt ein großer Absatzmarkt und wichtiger Produktionsstandort. Gleichzeitig zwingt die starke lokale Konkurrenz deutsche Unternehmen dazu, Produkte und Produktion direkt vor Ort weiterzuentwickeln.

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